Irgendwann im Oktober, kurz vor meinem Aufbruch zu dieser Reise, erschien sie mir auf einmal als ein größenwahnsinniges, unmögliches Vorhaben. Es galt durch so viele brennende Ringe zu springen, selbst nach der erfolgreichen Bewerbung für einen der unter Künstlern, Filmemachern, Komponisten und Schriftstellern so begehrten Aufenthalte im Böll Cottage auf Achill Island. Alles schien angesichts meiner Erschöpfung plötzlich zu groß, zu schwer, zu weit: eine emotionale und schriftstellerische Überforderung schien sich anzubahnen, wahrscheinlich sogar ein grandios-dramatisches Scheitern oder, womöglich, ganz und gar klägliches Aufgeben.
Tatsächlich hatte ich mir zusammen mit meinem alten Mini einiges vorgenommen, weit mehr als die besungenen 900 Meilen – nämlich 2500 – umgerechnet rund 4000 Kilometer. Unterwegs schwächelten wir zuweilen, mein Mini und ich, mal waren es Öl und Batterie, mal Einsamkeit und Selbstzweifel.
Groß und dramatisch war dann an dieser Reise einiges, aber nicht das Scheitern. Wir haben durchgehalten, der Mini und ich. Überwältigend waren sie beide, die Landschaften nah der stürmischen, winterlichen See, wenn auch so grundverschieden: Das vertraute und doch so geheimnisvolle Devon – voller Geschichten und Gedichte, voller Gespräche mit klugen Freunden, aber auch nächtlicher Irrfahrten in überfluteten, von uralten Hecken gesäumten Sträßchen. Und dann die wilde und wintereinsame Insel Achill im irischen Westen, der Sehnsuchtsort Heinrich Bölls. Hier hat sich dann auf seltsame Weise etwas in mir verschoben, wie sich die Fracht auf einem Boot in stürmischer See verschiebt und einen neuen Schwerpunkt findet. Hier füllten sich meine Notizbücher. Neue Texte entstanden, die mir jetzt ebenso unbezähmbar und unergründlich vorkommen wie die Insel selbst. Selbst zum Zeichnen und Malen bin ich hier nach langen Jahren zaghaft zurückgekehrt – wenn der Sturm nach einem langen Tag die Worte fortgeblasen hatte und es doch noch vieles zu sagen gab. Unbestreitbare Unbeholfenheit und die Angst vor dem Scheitern, all das muss keine Rolle mehr spielen unter jenen großen Himmeln, am Rand der ins Bodenlose abfallenden Klippen, unter dem Blick des purpurfarbenen Mount Slievemore, über den die Wolkenschatten fliegen. Denn wer sich klein und unbedeutend fühlt wie nie, der ist auch seltsam frei.
To be found on Achill (November only)
the sea-bleached skull of a sheep, perfectly preserved
a wealth of tiny striped snail shells from the dunes of Léana
an enamel jug, rusted, in which tea was once prepared
(on good days the sun can be seen shining through its holes)
the fallen beak of a gannet
hydrangea flowers changing colour like the atlantic tide
from blue to faded green to coffee stained brown
a wooden plank, rotten, in the grain of which
you can clearly recognise an image of Dugort bay (if you are willing)
an epitaph for a seven-month-old that will make you cry
and after dark:
an aquarium-green halo from the deserted Strand Hotel
a coiled rope, shining pale on the black pier
and fairy music tinkling down from Bruigheán
achill island, november 2023
My thanks to John McHue, John Smith, the Heinrich Boell Foundation, County Mayo and the Arts Council of Ireland. Thank you for letting me stay in this place of wonder and beauty for a little while.
I also want to thank my friends in Devon. Alan, for his generous hospitality, Moira, Owen & Lucie for cake and company and especially Matt Bryden, for his friendship, support and appreciation in difficult times.










