anke laufer

wort – bild – storytelling

Archiv für die Kategorie “Fotos”

Eine Autorin geht fremd: Als Fotoreporterin bei Gewerkschaftsfrauen

Immer häufiger kann und darf ich mit Bildern arbeiten. Bereits im vergangenen Jahr war ich als Fotografin bei einer Konferenz der verdi-Gewerkschaftsfrauen dabei, diesmal wurde ich ganz offiziell für die Tagung „Lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung“ engagiert. Zu den interessanten Vorträgen und einer Galerie mit weiteren Bildern geht es HIER

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Frühling der Philosophen

P1070023 (3)Zwei Flieger

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P1070016 (3)Leerstand

P1070006 (2)Bitte auf den Wegen bleiben

P1070020 (3)Lichtturm

P1070026 (2)Abflug

Wechselwirkungen: Das Pendeln zwischen Wort und Bild.

Es ist kein Geheimis. Nichts, was ich für mich als Neuentdeckung beanspruche. Aber  – schon weil der Untertitel meines Blogs nicht zufällig auf den Zusammenhang zwischen Wort, Bild und Storytelling verweist – wird es Zeit, dass ich darüber ein paar Worte verliere und erzähle, wie dieses Pendeln zwischen den Medien bei meiner Arbeit aussieht. Auch im Rahmen meiner Seminare werde ich häufig mit Fragen nach der Entstehung von Ideen und dem kreativen Prozess konfrontiert. Die Frage „Wie macht man das?“ kann ich nicht beantworten – aber möglicherweise hilft das Folgende dem einen oder anderen Leser, durch den Vergleich der ganz eigenen Arbeitsweise auf die Spur zu kommen.

Manche Autoren schreiben nach ihrem eigenen Soundtrack. Für mich stellen fertige Geschichten eine Umsetzung von Bilderfolgen dar. Das heißt, beim Schreiben habe ich zu Beginn eine Art wilde Collage, dann eine Art Storyboard und am Ende einen Film vor Augen. Die Bilder in meinem Kopf habe ich vorher eichhörnchenartig gehortet. Bei Recherchen, vor allem aber unterwegs, hier oder irgendwo auf Reisen. Ich vergrabe sie in Schubladen und Dateien und vergesse sie für eine Weile.K1024_P1060909

Jahrelang habe ich auch reine Text-Notizbücher geführt, doch davon bin ich abgekommen. Meine ersten Notate zu einer Geschichte erscheinen mir rückblickend oft flach, blass und ausgesprochen mager im Vergleich zu einem Kameraschnappschuss oder einer (noch so unzulänglichen) Skizze. Der Ursprung meiner persönlichen Bilderflut ist ein oft bemühtes Klischee: Das Zeichnen und Malen stand in meiner Kindheit und Jugend lange weit über dem Schreiben. Das Fotografieren kam dazu, als mein Vater mir erlaubte, seine Kamera zu benutzen. Heute dagegen sollen Bilder in erster Linie eine Funktion erfüllen, die zunächst einmal nichts mit künstlerischem Anspruch zu tun hat. Sie sollen meine Gedächtsnisstütze sein (mein Erinnerungsvermögen ist nicht besonders), eine Spur, ein Fingerabdruck des Erlebten und Empfundenen. Hinzu kommen Fundstücke. Ein jüngeres Beispiel: Auf einer Wanderung im Dezember 2014 unterhalb der Klippen von Portland, Dorset, fanden meine Tochter Elodie und ich einen zu kleinen Schnipseln zerrissenen Einkaufszettel für ein bevorstehendes Weihnachtsessen. Diese Fetzen, die ich spontan aufsammelte und einsteckte, rufen heute noch zuverlässig eine Empfindung hervor, in welcher der Keim für eine meiner nächsten Storys stecken könnte.

Fundstück: Ein Einkaufszettel. Collage: Elodie Cruz

Fundstück: Ein Einkaufszettel. Collage: Elodie Cruz

Fotos schieße ich häufig aus der Hüfte und mit einer kleinen Kamera. Da ich so entstandene Bilder  – auch von Straßenszenen und Einzelpersonen – nie ohne entsprechende Verfremdung nach außen gebe  (beim Zeichnen geschieht das angesichts meiner begrenzten gestalterischen Fähigkeiten ganz zwangsläufig) halten sich meine Skrupel bei einem solchen Vorgehen in Grenzen.

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Reisetagebücher  stellen in meinem Fall ein Sammelsurium an Materialien dar, ganz im Sinne der sogenannten Scrapbooks. Es ist nützlich, sich dabei  klar zu machen, dass diese Tradition weiter zurückreicht als bis zu jener Bastelwelle, die seit ein paar Jahren aus Nordamerika zu uns herüberschwappt – nämlich bis hin zu den Reisetagebüchern der großen Weltreisenden, Schriftsteller und Künstler. Ich finde, man sollte allen Versuchungen widerstehen, solche Bücher zu rein dekorativen Vorzeigeprojekten mit bunt-beliebigen Bildchen verkommen zu lassen. Die Materialien auf einer Reise zu sammeln und vor Ort (oft unter Zeitdruck) zu verwerten hilft dabei, das Ganze in einem unmittelbaren und improvisierten Stadium zu belassen und Wichtiges von Belanglosem zu unterscheiden.P1060904

Die aus dem Design und Marketing stammenden Moodboards schließlich helfen mir, die Atmosphäre einer Geschichte herauszuarbeiten. Meistens haben Storys für mich schon in einem frühen Entwicklungsstadium eine gewisse „Anmutung“ (visuell, auditiv, olfaktorisch, haptisch), die aber zunächst recht fließend und vage ist. Moodboards helfen, solche Stimmungen aus dem noch unbestimmten Material herauszuschälen und in eine sinnliche und bildhafte Sprache umzusetzen. Auch diese Moodboards folgen nicht in erster Linie ästhetischen Ansprüchen, sondern sind persönliche Arbeitsgrundlagen für das Schreiben und speichern abschließend die lebhafte Erinnerung an den Entstehungsprozess einer Geschichte.

Ausschnitt aus dem Moodboard "Die Auslöschung" zu einer Geschichte, die im 19.Jh. auf den äußeren Hebriden spielt

Ausschnitt aus dem Moodboard „Die Auslöschung“ zu einer Geschichte, die im 19.Jh. auf den äußeren Hebriden spielt

 

 

StoryPics Amsterdam

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Die Zähmung der Null – ein Rückblick

Es war die Präsentation der neuen Anthologie des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden Württemberg und gleichzeitig die eines außergewöhnlichen Kunstprojekts der Geschwister-Scholl-Schule Tübingen, die in der Gestaltung des Buchcovers mündete. Ein wunderbarer Abend mit Kollegen, die man zu selten sieht (danke, Christa Degen!), einem lebhaften und interessierten Publikum, Marmorkuchen, Schaumwein und Würstchen im Schlafrock.

Der eigentliche Star des Abends jedoch war dieser Ort, dem man sich nicht entziehen konnte.

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Die Himmelslaternenverordnung

Aus dem Gemeindeboten:

„Das Aufsteigenlassen von Himmelslaternen ist jedoch grundsätzlich gemäß einer am 24.1.2012 in Kraft getretenen Polizeiverordnung des Innenministeriums zur Verhütung von Gefahren durch unbemannte ballonartige Leuchtkörper (Himmelslaternenverordnung) verboten. P1000008

StoryPics London IV: Schaufensterbummel/ Window Shopping

 

P1040710(1) Ausbruchsversuch

P1040959Upper Class

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Behütet

P1010959Geklont

Story Pics London III: Verborgene Botschaften/Hidden Messages

 

P1040713 Bildsprache. Sprechende Bilder, allgegenwärtig (unten: Nathan Bowen. oben: unbekannt, unbenannt., Brick Lane, 2014)

P1040949Jemand wollte mir etwas über Mauern mitteilen. Und hat dabei vergessen, dass auch die vergänglich sind.

P1040719daily bangla times. Einer hält Ausschau.

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P1050018Te amo. Verloren gegangene Liebe.P1040944Report to Yard Supervisor, Block R.

 

 

Story Pics London II – Trugbild

P1040779 Es war bloß auf einem seiner gewöhnlichen Streifzüge gewesen. Er hatte das Kraftwerk fotografiert, die sich auffächernden Schienenstränge am nahegelegenen Bahnhof und eben jene Feuertreppe an der Rückseite eines unscheinbaren Backsteingebäudes in der High Street.

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Er bevorzugte Metallkonstruktionen. Er liebte ihre unmissverständliche Klarheit. Auch mochte er die vielen Farbtöne, die zum Vorschein kamen, wenn der Lack abzublättern begann und der Rost erblühte.

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Im Grunde vermied er es, Menschen zu fotografieren. Es wäre ihm peinlich gewesen. Er ließ sich selbst nicht gerne ablichten und wollte es auch niemand anderem zumuten. Dass ihm jemand auf das Bild geraten war, entdeckte er erst am Abend, als er die Qualität seiner Aufnahmen auf dem Bildschirm überprüfte und dabei Details heranzoomte. P1040780cSie war nur ein Detail. Sie war nur ein Schemen hinter einer Milchglasscheibe. Aber ihr unbestimmter Blick setzte sich in ihm fest. Als er in jener Straße nachfragte, sagte man ihm, dass die betreffenden Räume, in denen ein Fitnesscenter untergebracht gewesen war, schon seit Monaten leer stünden und für niemanden zugänglich seien. Niemand erkannte die Frau auf dem Bild, als er es herumzeigte.

Nachdem er alles versucht hatte, gab er etwa eindreiviertel Jahre später seine Suche nach der Frau auf. Jetzt versuchte er nur noch, ihr Trugbild heraufzubeschwören, indem er das Haus und die Feuertreppe wieder und wieder fotografierte, zu ganz unterschiedlichen Tageszeiten, bei verschiedenen Wetterlagen und Lichtverhältnissen. Er fotografierte kaum noch ein anderes Motiv.

Doch sie erschien ihm nie wieder.

 

StoryPics London I

 

© a.l.,2014Als Samuel Schwartz nach fast zwei Jahrzehnten wieder vor dem Laden seines Vaters stand, wollten sich keine sentimentalen Gefühle einstellen. Nicht nur der Laden war verlassen. Fast alle Gebäude in der Straße schienen unbewohnt.

P1040751Die frühen Arbeiten der im Untergrund tätigen Künstlergruppe Flash Trash zeichneten sich dadurch aus, wie subtil sie sich ins Stadtbild einfügten. P1040730Bald entstanden aufwändigere Installationen aus unterschiedlichsten Materialien. Die Gruppe geriet dadurch zunehmend ins Visier der städtischen Ordnungsbehörden.

P1040728Abfalltüten blieben ein Markenzeichen der Gruppe, die sich nicht nur in künstlerischer, sondern auch in politischer Hinsicht radikalisierte. Erklärtes Ziel war die weltweite Verordnung des allgemeinen und verbindlichen Recyclings aller Materialen. Samuel Schwartz gehörte zu den Rädelsführern der ersten Stunde, dessen Spur sich inzwischen wieder verloren hat.

 

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