anke laufer

wort – bild – storytelling

Archiv für die Kategorie “Fotos”

Fortbildung: Fotografie

Das Erzählen mit Bildern ist eine hohe Kunst, für den Schriftsteller schon deshalb faszinierend, weil er in einer anderen Sprache zu sprechen gezwungen ist. Verdi ist es zu verdanken, dass einige der Mitglieder der Gewerkschaft sich an diesem Wochenende darin versuchen dürfen, auch ich, als einzige Autorin in der Runde des Seminars. Unser Führer in die Welt der Fotografie ist der Kameramann und Fotograf Willi Dillschneider.  Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich die Ergebnisse der ersten Versuchsanordnung nicht für mich behalten will, nicht einmal bis zum Ende des Seminars.

P1040457ausgeruht…P1040458zurückgegebenP1040459Tragischer VerkehrsunfallP1040462verarztet

P1040464 in Ketten gelegtP1040471gestrandet

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Keine Literatur zum Einschlafen

Nicht ohne Stolz darf ich berichten, 2014 mit zum „Schwarzwälder Hausschatz“ zu gehören, der seit vielen Jahren „Historisches, Heimatkundliches, Unterhaltendes aus der und über die schwäbischalemannische Region“ versammelt. Unter dem Titel „Keine Literatur zum Einschlafen“  hat Michael J.H. Zimmermann hat ein engagiertes Porträt meiner Arbeit verfasst. Dabei beschränkte er sich nicht nur auf die Schriftstellerei, sondern erwies auch einigen meiner Fotografien die Ehre der Erstveröffentlichung. Dass der Schwarzwälder Hausschatz („Ein Kalender und Nachschlagebuch für Jedermann. Mit Mondkalender“) trotz seines auf den ersten Blick der Tradition verpflichteten Konzepts ganz und gar nicht verstaubt daherkommt, zeigt unter anderem die Auswahl dieser Bilder, die Industriebrachen und Streetart ebenso thematisieren wie zufällige und intime Einblicke in ansonsten in Seitenstraßen verborgenes Alltagsleben – hierzulande wie anderswo.

Aus dem Porträt:

„Stilsicher, einfühlsam, abgründig sind die meist düsteren Meistererzählungen einer guten Psychologin.“

„Magisch schlagen Laufers Geschichten mit Tiefgang und Unterhaltungswert den Leser in Bann…“

„Unverkennbar ist der Einfluss der lateinamerikanischen Literatur mit Autoren wie Jorge Luis Borges und Julio Florencio Cortázar und der angelsächsischen Erzähltradition. Verdankte die Autorin ihren schwarzen Humor nicht der im Schwäbischen geübten Beobachtungsgabe, möchte man ihn für eine Anleihe bei den Briten halten.“

„Mehrfaches Lesen der aspektereichen „short stories“ wird einen nicht reuen: Nie ist es langweilig, dieser Schriftstellerin auf die Schliche zu kommen…“

Michael J.H. Zimmermann: Keine Literatur zum Einschlafen. Porträt der preisgekrönten Schriftstellerin Anke Laufer aus Villingen. In:

Der „Schwarzwälder Hausschatz. Ein Kalender und Nachschlagebuch für Jedermann. Mit Mondkalender“ –  für 6,30 Euro plus Versand HIER zu beziehen

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Internationale Sommerakademie 2013

P1040791Unter dem Titel „Sommerfrisch Schwerelos Schreiben“ leite ich in diesem Jahr einen Schreibworkshop im Rahmen der internationalen Sommerakademie der Universität Tübingen, die einen Teilbereich der internationalen Sommerkurse bildet. Neben der Literatur sind weitere Themenmodule der Akademie eine Einführung in das deutsche Rechtssystem, Wirtschaft und Gesellschaft, Interkulturelle Kommunikation, Theologie: Interreligiöser Dialog und zeitgenössische Philosophie.

Die Kurse für Studierende aus aller Welt sollen intensives Sprachtraining, das Erwerben von interkultureller Kompetenz und landeskundlichem Wissen und natürlich viel Spaß miteinander verbinden. Mein Workshop richtet sich an fortgeschrittene Deutsch-Lernende ab Niveau B2, die mehr Sicherheit im freien Schreiben bekommen möchten.

Textimpulse und eine Reihe meiner  Fotografien aus Tübingen liefern viele Anregungen für „spannende, romantische und völlig verrückte Geschichten“.  Anschließend werden erste Ideen auf einer gemeinsamen Text-/Bildplattform zusammengeworfen und aufgeschrieben. Wem nicht gleich etwas einfällt, dem helfen die anderen Teilnehmer beim Austausch auf die Sprünge.  Mal erfindet man die Biografie einer auf einem Foto entdeckten Person, mal schreibt man die Szene weiter, die ein anderer mit ein paar Sätzen skizziert hat.  Danach wird es Zeit geben, in Ruhe an der eigenen Story zu arbeiten.

Ich freue mich schon sehr auf die Teilnehmer und ihre Ideen  und Geschichten!

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Graveyard Walk

P1040092Wer war der Mann mit dem hintergründigen Lächeln auf dessen Grabstätte sich steinerne in echte Tauben verwandeln – oder umgekehrt? Weiterlesen…

Italian Melancholy : April : 2013 :

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P1030801P1030978 Weiterlesen…

Westbahnhof

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„Skorpione, indigoblau“ – Radioaufnahme zum Tag der Bücherverbrennung am 10.Mai

Am 10.Mai 2013 jährt sich die nationalsozialistische Bücherverbrennung zum 80sten Mal. In Stuttgart wird es dazu viele Aktionen geben.

Das Freie Radio für Stuttgart wird am 5.5. und am am  10.Mai einen Programmschwerpunkt zum Thema setzen. Dafür sind Autoren aufgerufen worden, Texte für die Sendungen zu lesen – ob aus damals verbrannten Büchern oder eigenen  Texten, die sich mit dem Thema Zensur und verfolgter Literatur beschäftigen. Das Schriftstellerhaus hat im Vorfeld seine Räumlichkeiten für die Aufnahmen zur Verfügung gestellt.

Am Dienstag, dem 19.März habe ich im Schriftstellerhaus eine Erzählung aus „Die Irritation“ aufgenommen, die am 5.5. 2013 um 15.oo Uhr gesendet wird. Sendungsdetails unter: http://www.freies-radio.de/sendungsdetails/201305051500

Das Freie Radio Stuttgart ist auch per Internet als Livestream und über eine App auch mobil auf dem Smartphone zu empfangen. Hier der Link zum Empfang: http://www.freies-radio.de/empfang

„Skorpione, indigoblau“

In der Erzählung geht es um eine Schriftstellerin, die während des Aufenhalts in einem autoritär regierten Land das Werk eines vom Regime verfolgten Autors entdeckt. Ihre Identifkation mit dem inhaftierten Kollegen lässt sie nicht nur selbst ins Fadenkreuz der Behörden geraten, sondern führt sie auf einen Weg, auf dem sich Realität und Fiktion vermischen. Das Surreale bahnt sich unaufhaltsam seinen Weg in den weißen Bungalow, den sie zusammen mit ihrem Mann und ihrem einheimischen Dienstmädchen Dora bewohnt, dem sie ausgerechnet anhand der verbotenen Bücher das Lesen beibringt.

„Das war, bevor ich Alvaro Grey entdeckte. Ich wusste damals nur sehr wenig über ihn, hatte nur gerüchteweise gehört, dass er eingesperrt worden war, nachdem er es gewagt hatte, diese eine, unerhörte Erzählung zu schreiben und zu veröffentlichen. Man hat seither alles versucht, den Text verschwinden zu lassen, ihn endgültig auszulöschen, aber er taucht immer wieder auf, kursiert in Form von Dateien, Flugblättern, es gibt sogar Leute, die ihn auswendig lernen und mündlich weitergeben. Was rede ich da, das wissen Sie natürlich. Aber haben Sie ihn gelesen? Nein, das haben Sie sicher nicht. Sie sollten es tun. (…)  Aber es sind nicht die Geschichten, verstehen Sie, das wirklich Einzigartige an Grey sind nicht sie, ist nicht einmal seine Furchtlosigkeit. Es ist diese Stimme. Es ist die Art, wie seine Worte sich auf der Buchseite in Bewegung setzen und sich die Sätze beim neuerlichen Lesen in etwas ganz anderes verwandeln. Wissen Sie, ich habe überall nach seinen Büchern gesucht. Ich habe jedes Antiquariat, jede Auslage der Straßenhändler, jeden Flohmarkt durchkämmt. Ich fand nur wenige Exemplare, aber einige hatte die Zensur bei den Säuberungen wohl übersehen.

(…)  Ich erinnere mich, wie Dora und ich an einem besonders heißen Nachmittag auf dem Bett hockten und sie, immer noch stockend, aus seiner Südpolnovelle vorlas. Alvaro Grey ist Zeit seines Lebens nie mit Kälte, Eis und Schnee in Berührung gekommen. Man hat ihm nie erlaubt, das Land zu verlassen. Also beschrieb er etwas ihm vollkommen Fremdes. Seine Worte waren kühn, kristallin, bis zum Bersten aufgeladen mit Bedeutsamkeit. Doras dunkle, heisere Stimme verband sich an diesem Tag mit Greys Sätzen zu einem eigenartigen, hypnotischen Zweiklang. Als Dora aus dem letzten Kapitel las, in dem der eisige Tod der Männer um Robert F.Scott beschrieben wird, ließ mich eine Bewegung am Rand meines Gesichtsfeldes aufschrecken. Ich blickte über den Bettrand auf den Fußboden hinab. Die Skorpione bildeten einen wogenden Teppich aus blauschimmernden Panzern. Ihre Schwänze zuckten angriffslustig. Sie waren sich nicht einig, weder über Satzstellungen, Einzelheiten, noch den Sinn des grausamen Endes. Sie kamen nicht an uns heran, stachen sich jedoch gegenseitig. Es war ein furchtbares Gemetzel.

Ich weiß noch wie Dora am Ende der Unterrichtsstunde einen Besen holte und die toten Exemplare wegkehrte. Als alles sauber war, streckte sie mir ihre Hand hin, half mir vom Bett herunter und wir gingen in die Küche, um Kaffee zu trinken.“

a.l., Bogotá, August 2011

a.l., Bogotá, August 2011

 

Herumlungernde Metaphern

Da sitze ich heute früh und bin blockiert. Nein, nicht weil ich keine Lust zum Schreiben habe oder prokrastiniere. Ich suche nach dem passenden Bild. Eines wie das von Henry Green, der die Augen eines hübschen Dienstmädchens glühend nennt wie „in kaltes Wasser getauchte Pflaumen“ oder das der New Yorker Müllmänner, die die Maden in den vollen Tonnen „Disko-Reis“ nennen.

Manchmal fällt sie dir sofort ein, die richtige Metapher, manchmal lässt sie sich durch nichts hervorlocken. Man bleibt als Schreibender auf einer unzulänglichen Formulierung sitzen. Möglicherweise fällt sie dann einem Kollegen ein, oder dem Lektor, vielleicht taucht sie aber auch dann erst auf, wenn der Text längst veröffentlicht ist.

Eine gute Metapher fällt niemandem in den Schoß, aber was wären unsere Texte ohne treffende Bilder, die alles, was in diesem einen Erzählmoment geschieht, konzentrieren und so deutlich machen, dass es der Leser sie mit Händen greifen kann? Lyriker verwenden häufig sehr viel mehr Zeit darauf, nach solchen Bildern zu suchen, was sicher mit ein Grund dafür ist, dass sie Lyriker sind und ihre Texte so dicht und knapp, aber auch so kurz.

Für einen Prosaautor, das ist eine schlichte Tatsache, ist es aber eine ebenso dringliche Aufgabe, voran zu kommen, denn schließlich hat er möglicherweise noch hunderte von Seiten vor sich. Da kann es schon sein, dass er sich vorerst mit dem „fast richtigen“ Bild zufrieden gibt und sich vornimmt, die Sache im zweiten, oder spätestens dritten Durchgang zu bereinigen. Es sei ihm verziehen, vorerst, denn nebenbei muss er sich auch noch darum kümmern, was seine Figuren da treiben und ob am Ende wirklich etwas erzählt wird, was den Gesetzen der Logik gehorcht (wenigstens auf den ersten Blick, auch hier gäbe es einiges zu sagen!)

Was ist also eine gute Metapher?

Manchmal leuchtet sie aus dem Text heraus, wertet ihn auf. Scheinbar. Zugegeben, sie sieht verdammt gut aus, wirkt intelligent und kompetent, aber sie kann es leider nicht lassen, damit anzugeben. Sie steht auf der Bühne und schreit: „Hey, sehr mal alle her, bin ich nicht ein genialer Einfall?“

Das ist es nicht, wonach ich suche. Eine gute Metapher ist nicht laut,  im Gegenteil, die trägt Tarnfarben und robbt sich durch das Unterholz des Textes. Sie ist unauffällig, weil sie so gut zum Rest des Textes passt, sich so nahtlos einfügt, dass sie kaum auffällt. Eine guter Stil ist unprätentiös,  er arbeitet mit dem Schauplatz und den Figuren, um die es eigentlich geht und schmiegt sich diesen an. James Wood hat es in seinem sehr empfehlenswerten Buch „Die Kunst des Erzählens“  auf den Punkt gebracht: Ein guter Stilist bringt es fertig, nicht über den Kopf seiner Figuren hinweg zu schreiben. Er sagt, eine Metapher sei gelungen, wenn die Spannung zwischen dem Autor und seiner Figur dadurch gelöst werde, dass sie im poetischen Sinne gelingt, das heißt, wenn sie zu den Charakteren und deren Lebenswelt passt, also von den Betreffenden selbst hätte gebildet werden können.

Die Metapher ist dabei ja aber nicht immer ausdrücklich an die Figur geknüpft (wie es zum Beispiel im Dialog oder bei einem Ich-Erzähler der Fall ist). Man könnte also behaupten: Die Sprache und Vorstellungswelt des Autors ist eben einfach eine andere als die seiner aktuellen Figuren, warum nicht? Vielleicht. Allerdings: Jeder, der schon einmal ein Buch gelesen hat, in dem beides weit auseinander klafft, weiß, dass das zwar funktionieren kann (vor allem, wenn der Autor damit sehr bewusst umgeht), aber es selten tut. Auch wenn ein Text in der dritten Person erzählt ist, und eine Metapher also ganz ausdrücklich zum „stilbedachten, metaphernbildenden Autor“ gehört, ist es ideal, wenn „die Metapher um die Figur herumlungert“, wie Wood es formuliert, d.h. wenn sie aus deren Welt hervorgegangen zu sein scheint.

Damit kommt der Leser eben dem, was da passiert und der Denkweise und Lebenswelt der Figuren auf ganz natürliche Art und Weise so nah wie nur irgend möglich.

So weit, so gut. Ich weiß also eigentlich, nach was ich suche und auch ungefähr, wie es zu klingen hat. Vielleicht fällt mir ja nach noch einem Kaffee zumindest eine Notlösung ein, das wäre schon was. Spätestens bei der dritten Überarbeitung werde ich über die Stelle stolpern und mit einen blutigen Zeh dabei holen, weil ich schon vergessen hatte, dass dieser harte Brocken da liegt. Aber das kennen wir ja schon.

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„Die Irritation“ unter den Lieblingsbüchern der Kult-Literaten

Im Buchranking 2012 auf Kult-Literaten, dem Blog für Kultautoren, Popliteratur und Independent wurde „Die Irritation“  auf Platz vier gewählt.

Ich bedanke mich bei Jessica Dahlke und den Lesern! Mehr dazu auf Kult-Literaten!

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Die LiteRatten auf den Kulturseiten

Eine echte Premiere: Zum Jahresanfang erschien ein Artikel über die LiteRatten im Reutlinger Generalanzeiger.  Die LiteRatten sind eine Autorengruppe mit derzeit neun aktiven Mitgliedern, die rund um Tübingen und Reutlingen wohnen. Der Gruppe gehöre ich seit ihrer Gründung 2006 an. Seither ist viel passiert und ich könnte viel darüber erzählen, was ich in diesen Jahren nicht nur über das Schreiben, sondern auch über die Bedeutung von Freundschaft und ehrlicher Kritik gelernt habe. Stattdessen lasse ich lieber den GEA und Raphaela Weber zu Wort kommen, die das alles folgendermaßen auf den Punkt bringt:

„Gegenseitige harte und schonungslose Textkritik bei regelmäßigen Treffen und Textaustausch per E-Mail, dabei immer ehrlich und konstruktiv und mit wechselseitigem Vertrauen: Dieser selbst auferlegte Verzicht auf Streicheleinheiten im Namen der Freundschaft wirkt sich positiv aus, wie einer der jüngsten Erfolge der LiteRatten zeigt“, schreibt Raphaela Weber in ihrem Artikel. Welchen Erfolg sie damit meint und wie sich die „Ratten“ selbst sehen, lässt sich in ihrem Artikel nachlesen: http://www.gea.de/nachrichten/kultur/gestatten+die+literatten.2962374.htm

a.l., 2012

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