„The newest normal“ in neolith #5

Meine Story „The newest normal“ erscheint demnächst in neolith, der Jahresschrift für neue Literatur an der Bergischen Universität Wuppertal. Aufruf: Beiträge für neolith #5

Der dreizehnjährige Bo durchstreift das unterirdische Labyrinth menschlicher Behausungen der Zukunft, immer auf der Suche nach Verwertbarem. Er stößt auf einen uralten Kassettenrekorder, den er mit Hilfe seiner greisen Nachbarin Vera zum Laufen bringt. Während die beiden die im Gerät verbliebene Kassette abspielen öffnen sich in der Geschichte eine zweite und dritte Zeitebene: Auf der Bandaufnahme mischen sich die Sprachnachrichten einer jungen Frau an ihren verschollenen Geliebten Ben und die Wiedergabe einer weitaus älteren Audiodatei, auf der die flammende Rede eines Endzeitpropheten zu hören ist.

Vera öffnet die Augen und drückt auf die Pausentaste. Bo kann sehen, dass ihr das zu schaffen macht. Ihm auch.

„Dieser Ben – “

Sie nickt. „Der war wohl drüben auf den Inseln.“

„Sollen wir echt weiter zuhören?“, fragt er. Sie nickt, betätigt die Taste und starrt auf den Rekorder.

„Erinnerst du dich an diesen Endzeittypen auf dem Pier? Wie der herumzappelte und die Faust in den Himmel stieß? Die Leute grinsten und manche tippten sich an die Stirn. Aber du nicht, Ben, du hast ihm zugehört.“

Die Krähe macht jetzt wieder Lärm und das Mädchen wartet, bis der Vogel sich beruhigt.

„Ich hab in der ganzen Zeit immer wieder an ihn denken müssen. Und daran, was du damals gesagt hast. Dass man Warnungen ernst nehmen soll, auch wenn sie einem verrückt vorkommen. Dass das wichtig sei, was der Kerl sagt, womöglich, und dass wir das aufzeichnen sollten. Jedenfalls: Hier ist er, ich hab die Audiodatei gefunden, ich spiel sie dir vor.“  Ein Knacken. Sturmrauschen, mittendrin Gebrüll –

„…da wird der vierte Engel seine Schale über die Sonne ausgießen…“  Die Krähe übertönt die Aufnahme einen Moment lang mit ihrem Gekrächze. „…und die Menschen werden versengt von der großen Hitze…“  Man hört jetzt, wie der Mann eine Menge Rotz die Nase hochzieht und das Ganze ausspuckt.

Vera verzieht das Gesicht.

Auf einmal vermischt sich alles und sie sind alle zur gleichen Zeit in Veras Abteil: Das Mädchen und ihr Freund Ben, der Verrückte, die Krähe, Vera und er selbst.“

 

Das Thema der Ausschreibung 2020 lautete „Fortschritt“.  Eingeladen wurde zur Auseinandersetzung mit Zukunftsentwürfen – eine Hommage an Friedrich Engels, dessen 200. Geburtstag Wuppertal in diesem Jahr feiert.

 

 

Online – Rundgang an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart

Seit Jahren betreue ich mit meinen Kolleg*Innen  an der Design + Kunst Akademie Reutlingen junge Erwachsene, die sich für ein Kunst- Design- oder Architekturstudium bewerben – unter anderem an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Wie herausfordernd und spannend dieser Bewerbungsprozess ist, wie fieberhaft gearbeitet wird, wie überwältigend die Glücksgefühle derjenigen sind, die dort angenommen werden, erlebe ich dabei in jedem Jahr neu.

Ist die Mappe mit künstlerischen Arbeiten für gut befunden und sind dann auch noch praktische und mündliche Prüfung bestanden, dann  – ja dann öffnet sich den jungen Studierenden eine ganz neue Welt künstlerischer Erfahrungen. Einblicke in diese Welt gibt alljährlich der sogenannte Rundgang, auf dem die Studierenden ihre Arbeiten präsentieren – normalerweise in den vielen Ateliers der Akademie – in diesem Jahr erstmals Online.

Was es für die jungen Künstler*Innen und Gestalter*Innen bedeutet hat, während des Lockdowns nicht in ihren Ateliers arbeiten zu dürfen und ihre Professor*Innen und Kommiliton*Innen nur online zu treffen – das können wir nur erahnen. Trotzdem wurde auch in diesem Jahr fieberhaft gearbeitet und Großartiges geschaffen. Deshalb:

Gehen Sie auf eine Reise durch junge Kunst. Besuchen Sie den Rundgang der ABK 2020.

https://rundgang.abk.live

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Weitere Neuveröffentlichungen/Lesung

Meine Story „Der Hund“ erscheint im Herbst im Literaturmagazin außer.dem

„die münchner literaturzeitschrift außer.dem ist an zeitgenössischen modernen texten interessiert, die über die üblichen klassischen muster hinausreichen und an markanten stellen das gängige schema von lyrik und prosa verlassen. außer.dem veröffentlicht auch texte, die sich außerhalb des eingeführten literaturbetriebes sehen; texte, die der üblichen lyrik und prosa überraschende und innovative textalternativen gegenüberstellen.“

Der Hund (Auszug)

Hatte eingekauft, heut früh, wollt danach zum Strand, konnte dann nicht. War´s gewohnt, dem Hund zuzusehen. Steine, überall kollernde Steine, die haben dem Hund Spaß gemacht, er hetzte los, suchte einen aus, brachte ihn im Maul, warf ihn mir vor die Füße, guckte so, hechelte, brachte mich zum Lachen, guckte dann immer wie Damian. Der wollte auch immer getätschelt werden, der Streuner, auch wenn der irgendwann gar nix mehr mitbrachte, keine Walfischknochen, nicht mal Steine.

Bin dann also zum Palace Pier, stattdessen, ging so rum, zwischen den Imbissbuden und Fahrgeschäften, guckte den Leuten zu, weiß, kaffeebraun, schwarz, Eltern und Kinder, schwule Pärchen, Teenager, die knutschen. Brighton ist so, im Sommer, überall flattrige junge Dinger, frisch aus dem Kokon, Sprachstudentinnen, sowasalles, überallher, bloß weil sie in ein Loch gefallen sind, glauben die, sie sind in der Wunderwelt. Aber es ist die Stadt, die alte Schlampe, merkst nicht, dass du schon in ihrem Schlund steckst und verschluckt wirst, spurlos, einfach weg.

Lange her, das Lagerhaus, der Hafen, die Möwen und Damian, lange her. Die Holzstiege, weiter, immer weiter ging´s rauf, außer Atem, bis in den Himmel, oben der Dachboden, der Gasofen, fauchte die ganze Nacht, das Ungeheuer. Und Haufen, Türme aus Gerümpel, Damians Kram, er verkaufte manchmal was, wenn wir Geld brauchten. Hörten das Krallenscharren, Poltern, wenn die Hafenratten nachts rumkletterten, riesige Biester waren das, hat uns aber nix ausgemacht, haben uns nur fester umarmt, so war das.

Meine Story „Der Waldrapp“ erscheint demnächst in der neuen Berliner Literaturzeitschrift GYM  – http://gym-magazin.de/erste-ausgabe

Das Konzept von Gym: Texte, die zu viel Gewicht draufpacken und unaufgewärmt reißen. Erzählungen, die die Wirklichkeit anheben, um zu sehen, was dahinter liegt, sie verbiegen, erweitern. Lyrik, die will, dass man hinter ihrem Rücken über sie spricht. Figuren, die im Maschinenraum des Luxusliners Literatur schwere Hebel in Bewegung setzen.

Der Waldrapp (Auszug) https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/35/Waldrapp_01.jpg

„Ich würd´ ja gern fortgehen. Aber ich kann einfach nicht, weißt du.“

„Leute machen sowas jeden Tag.“

„Bleibst du denn noch lang?“ Sie deutet zum Block hinüber.

„Wieso?“

„Die da drüben bleiben nie lang. Ist so.“

„Ich gehe erst, wenn ich fertig bin.“

„Mit was musst du denn fertig werden?“

Da erzähle ich ihr von Elena, obwohl ich das gar nicht beabsichtigt habe. Am Ende berichte ich ihr sogar von meiner Arbeit, den Ergebnissen der Berechnungen und von meinen Schlussfolgerungen. Ich rede eine Menge und sie hört einfach zu. „Noch ein paar Jahre, dann ist alles aus dem Ruder gelaufen. Und niemand unternimmt ernsthaft etwas dagegen. Das macht mich fertig, ehrlich.“

„Kein Wunder“, sagt sie und schenkt mir noch einen Schnaps ein. Ich stürze ihn hinunter.

„Ich hab einen Waldrapp aus deiner Scheune kommen sehen. Neulich Nacht, im Traum.“ Ich beschreibe ihr das fettigschwarze Gefieder mit dem grünen Schmeißfliegenschillern, den faltigen roten Schädel, die langen Schopffedern, den Stocherschnabel.

Maries großer Kopf lehnt am Treppengeländer. Erst denke ich, sie sei eingeschlafen, aber dann sagt sie:

„Du hast den Nachtkrab gesehen. Das war der Nachtkrab.“

„Nein, Waldrapp, nicht Nachtkrab.“

Sie schüttelt den Kopf als versuche sie, einen lästigen Gedanken loszuwerden.

„Du bist nicht brav gewesen.“

„Brav?“

„Er kommt uns holen, wenn wir nicht tun, was man uns sagt.“

„Wer?“

„Du warst wieder nicht brav, hat sie gesagt, jetzt kommt er dich holen, hat sie gesagt und den Riegel vom Kohlenkeller zugeschoben. Im Finstern drin, auf einmal, da hab ich ihn gesehen, wie er sich über mich beugt. Schnipp, schnapp, so hat der gemacht mit seinem Schnabel. Wie mit einer langen Schere.“

Sie verstummt und dreht das Gesicht weg. Ich sage nichts, mir fällt nichts ein.

Nach einer Weile lege ich ihr vorsichtig den Arm um die Schultern.

Es wird schon hell. In einem der Apfelbäume beginnt eine Amsel zu singen.

Zur Lesung dieses Textes bin ich am 8.10.2020 auf die „Lesebühne Text Genuß & Schnaps“  in Hannover  eingeladen. Die Lesebühne Text Genuß & Schnaps + Vorträge wurde im Herbst 2018 von Jan Fischer und Gila Hofmann gegründet, für alle, die jenseits von Poetry Slam und Wasserglaslesungen für etablierte Autor*innen eine Bühne für Literatur vermissen.

„Literatur jenseits der Duldungsstarre, Vorträge jenseits muffiger Vorlesungen, Räusche auf unerforschtem Gebiet.“

Zur Lesebühne geht es HIER

Endlich schreiben: Die schönsten Reisen finden im Kopf statt

Eine Online-Schreibwerkstatt

Viele wünschen sich in dieser Zeit einen kreativen Zufluchtsort. Zugleich vermissen wir – in der Sommerzeit besonders – das Reisen.

In diesem Kurs machen wir uns auf zu einer Reise in die eigene Vorstellungskraft. Nichts ist abenteuerlicher, tiefer und farbiger, denn hier werden Traumziele und erträumte Orte lebendig – und die eigenen vier Wände zugleich zum aufregenden Neuland. Innovative Impulse zur Themen wie Ort und Atmosphäre sowie Methoden aus der
Kreativitätsforschung helfen der Fantasie auf die Sprünge und dienen als Auslöser für Notate, Skizzen, Kurzgeschichten und Konzepte für längere Erzählformen. Die gegenseitige Unterstützung ermutigt zum Durchhalten und Experimentieren. Handwerkliche Grundlagen werden anhand konkreter Beispiele aus entstandenen Texten vermittelt und nach Bedarf vertieft.

Die Werkstatt wird über Zoom durchgeführt. Ein Laptop mit Kamera und Mikro oder ein Smartphone/Tablet ist zur Teilnahme nötig. Wer Zoom noch nicht kennt: Es ähnelt einer Skype-Sitzung, alle Teilnehmer der Werkstatt können sich gegenseitig sehen und hören. Ich selbst habe seit März 2020 zahlreiche Kurse und Ateliersitzungen über Zoom geleitet, die Handhabung der Technik ist meiner Erfahrung nach unproblematisch und die Umgewöhnung mühelos. Nähere Informationen zur technischen Durchführung erhalten Sie nach der Kursanmeldung.

Termine: 4 Abende, 08.07.2020 – 29.07.2020

Zoom

Mittwoch, wöchentlich, 19:00 – 21:00 Uhr

Kursgebühr: 56,90 €

Anmeldung unter: https://www.vhsrt.de/Veranstaltung/cmx5ea3445749248.html

 

Open-Air-Kurs:  Sommerfrisch schwerelos Schreiben
Schreiben mit allen Sinnen

Flanieren, beobachten, hören, riechen, schmecken: Eine Einführung in das „Schreiben mit allen Sinnen“ und gezielte Wahrnehmungsübungen sind der Ausgangspunkt für diesen ungewöhnlichen Workshop. Unter freiem Himmel lassen wir uns zu intensiven Notaten, Szenen und Geschichten inspirieren. Ziel ist es, konkret, bildhaft und „hautnah“ zu beschreiben, aber auch schwer Fassbares greifbar zu machen. Eine Vorlese- und Austauschrunde wird unsere Fantasie weiter beflügeln.

Bitte mitbringen: dem Wetter angepasste Kleidung, Schreibmaterial evtl. Unterlage. Wir trotzen mit unserer Schreiblust auch möglichen Regenschauern.

1 Nachmittag, 11.07.2020
Samstag, 14:00 – 17:45 Uhr

Treffpunkt in Reutlingen, Haus der Volkshochschule

Kursgebühr: 33,00 €

Anmeldung unter: https://www.vhsrt.de/Veranstaltung/cmx5ea40ce226976.html

Sprachnachrichten an die Schwäne

Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

Friedrich Hölderlin

Mein Text „Sprachnachrichten“ wurde in die Anthologie zu Ehren des 250. Geburtstages von Friedrich Hölderlin aufgenommen. Hölderlins Gedicht „Hälfte des Lebens“ sollte als Anhaltspunkt für das Schreiben dienen. Die Anthologie ist das Resultat einer Ausschreibung des Schriftstellerhauses  Stuttgart, ausgewählt wurden die Texte von Astrid Braun und Moritz Heger. Das Buch wird im September 2020 unter dem Titel „An die Schwäne“ erscheinen.

Eine gekürzte Version meines Textes wird zudem im Rahmen der 57. Ausgabe des Literaturmagazins Dichtungsring zu lesen sein. Dichtungsring Heft 57

Hier stand die Auschreibung unter dem Motto eines Beethoven-Zitats:

Ach – Es gibt Momente, wo ich finde daß die Sprache noch gar nichts ist“ (Ludwig van Beethoven: „An die unsterbliche Geliebte“, 1812)

„Sprachnachrichten“ erzählt in poetischen Bildern von einem Familienurlaub, zugleich aber auch von Ohnmachts- und Endzeitgefühlen der Hauptfigur, einer Naturwissenschaftlerin:

In diesem Augenblick, im tiefen, kalten Wasser, sah sie ihre eigene Sterblichkeit, die sie umkreiste wie ein großer Fisch, sah auf einmal all die anderen Leben, die sie hätte leben können, silbrig aufscheinend wie die tausend Leiber eines Heringsschwarms, der eine Wendung vollzieht. Sie dachte an die Unsterblichkeit der Quallen, die neben und unter ihr schwammen. Und an das Artensterben, das die Welt mit Endgültigkeit tränkte, immer neue Breschen schlug, die Leere zwischen den Lebewesen vergrößerte, allem anderen Bedeutung und Zukunft nahm. Es gab keine Worte für das, was sie empfand, und doch war sie sich sicher, dass man für dieses Etwas, das sie jetzt vor sich sah, dieses große, grausame, ungeheuerliche Etwas, eine eigene Sprache finden musste.

File:FK Hiemer - Friedrich Hölderlin (Pastell 1792).jpg

Schreiben macht reich!

Ja, das hätten Sie nicht erwartet, oder? Dennoch: Jeder, der selbst schreibt, wird diese Aussage unterschreiben.

Schreiben macht glücklich.

Schreiben macht reich.

Sorry, ich rede nicht von Geld. Es kommt schon auch auf die eigene Weltsicht an.

Ok, ich weiß, jetzt sind Sie enttäuscht.

Aber bevor Sie sich jetzt wegklicken:

Schreiben ist reichhaltige Lebenszeit, glauben Sie mir. Als Schriftstellerin mäste ich mich schamlos an den Erfahrungen meiner Figuren, an der Atmosphäre der von mir erschaffenen Orte, an der Entfesselung von Fantasie und verrückten Einfällen. Blicke ich zurück, sehe ich bereichernde Erfahrungen: Meisterkurse mit Ilija Trojanow und Burkhard Spinnen, ein Drehbuchcamp mit den Hollywood-Drehbuchdoktoren Keith Cunningham und Tom Schlesinger und natürlich die Stipendien für Schreibaufenthalte in Bogotá, Kolumbien und auf Hawthornden Castle in Schottland. Ganz zu schweigen von den vielen menschlichen Begegnungen auf diesem Weg.

Ja. Schreiben macht das eigene Leben vielschichtig und bunt, süß und sättigend.

Ich selbst habe kommerziell gesehen eher die magere Kost gewählt: Kurzgeschichten und Erzählungen. Nein, ich werde es wohl nie dazu bringen, mit schöner Regelmäßigkeit backsteindicke Manuskripte abzuliefern. Und bevor Sie fragen: Ich hadere nicht mehr damit.

Zugegeben: Früher schon ein wenig. Ich habe sehr lange gebraucht um herauszufinden, dass es genau das ist, was ich schreiben will. In den Erzählsträngen von Romanmanuskripten verheddere ich mich. Romane recken ihre Krakenarme in alle Winkel des Lebens, sind launisch und unbeherrschbar. Romane enthalten Figuren, mit denen ich keine Langzeitbeziehung wünsche.K1024_P1100383 (2)

Erzählungen und Short Stories sind wie Fenster, die man weit aufstößt und hinter denen ein fest umrissener Ausschnitt einer ganz eigenen Welt liegt. Schreibe ich an einer Geschichte bilde ich genau diesen Ausblick ab, arrangiere Figuren und Schauplätze, Atmosphäre und Spannung an meinem Schreibtisch mit Blick aus diesem fiktionalen Fenster. Dann, wenige Seiten später, räume ich den Tisch ab und decke ihn neu, stoße ein neues Fenster auf und experimentiere mit neuen Werkzeugen: einer anderen Sprachebene, neuen Perspektiven und Stilmitteln. Kurze Texte verzeihen keine falsch gesetzten Wörter und Sätze. Deshalb investiert man in sie – so mag es scheinen – unverhältnismäßig viel Zeit und Sorgfalt. In vieler Hinsicht fühle ich mich in meiner Wortklaubberei und pingeligen Langsamkeit den Lyrikern sehr viel näher als den Romanschreibern.

Nein, ich werde nie backsteindicke Manuskripte abliefern.

Zudem treibe ich mich seit jeher auf anderen, heiß geliebten Arbeitsfeldern herum.

Die Wissenschaft brachte mir bei, methodisch vorzugehen und genau hinzusehen – sie bewahrt mich noch heute vor vorschnellen Schlüssen.

Ausflüge in Redaktion und Journalismus sind das zweifache Heilmittel gegen Neugier und Schüchternheit: Ich kann spannenden Stories nachgehen und habe einen Vorwand, um jedem auf die Nerven zu gehen, der mich interessiert – ist das nicht fantastisch?

Als Ghostwriter und Bewerbungsberaterin schlüpfe ich in die Haut meiner Kund*Innen (wie ich das sonst mit meinen Figuren zu tun pflege) und stelle mich in den Dienst ihrer Bedürfnisse, Hoffnungen und Pläne.

Als Dozentin für kreatives und berufliches Schreiben helfe ich meinen Teilnehmer*innen dabei, das Abenteuer Schreiben ganz neu zu entdecken und im Vorstudium der DEKART unterstütze ich angehende Kunst- und Designstudent*innen dabei, ihrer ureigenen Vision und künstlerischen Stimme auf die Spur zu kommen. Und mal ganz ehrlich: was macht reicher und glücklicher als Reichtum und Glück weiterzugeben?

 

 

Nah dran – Workshops im Rahmen des Kreativwettbewerbs von gÖrls e.V.

Am 25. Januar 2019 leite ich einen Schreibworkshop im Mädchencafé im Haus der Jugend, Museumsstraße 7 in Reutlingen.

Elodie Cruz – ihr Kunstworkshop findet am 31.1. von 14-18 Uhr im Mädchencafé statt

Eine knappe Woche später, am 31.1.2019 gibt es einen Kunstworkshop mit Elodie Cruz Laufer, meiner Tochter und Kooperationspartnerin in diesem Projekt. Elodie studiert Bildende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

Wir beide haben ein spannendes Konzept erarbeitet, das euch jede Menge Anregungen bietet. Daneben gibt es professionelle Tipps zur Umsetzung eurer Ideen. Man kann an beiden Workshops oder auch nur einem der beiden teilnehmen. Und: Man kann Ideen, angefangene Texte und Bildentwürfe mitbringen oder ganz neu starten – für jede von euch ist etwas dabei.

Mitmachen können bei den für euch kostenlosen Workshops alle Mädchen ab 14 Jahren, die Lust aufs Schreiben und auf Kunst haben. Schaut rein!

Die Workshops finden im Rahmen eines Kreativwettbewerbs statt, bei dem es um EURE Stimme geht. Was wollt ihr als junge Frauen den Politiker*Innen schon immer mal mitteilen? Was beschäftigt euch, was inspiriert euch, was braucht ihr, was muss sich dringend ändern – im Land, in eurer Stadt?

Egal ob Text oder Bild: Die Ergebnisse können bis zum 12.Februar an info@mädchencafé-reutlingen.de geschickt werden und nehmen damit am Wettbewerb teil. Die besten und ausdrucksvollsten Beiträge werden in einem Heft abgedruckt und veröffentlicht. Zum Weltfrauentag am 8.März werden sie außerdem im Reutlinger Rathaus der Öffentlichkeit vorgestellt – Politikerinnen aller Ebenen werden dabei sein. Nutzt die Chance euch Gehör zu verschaffen! Für die drei besten Kreativbeiträge gibt es außerdem Geld und Sachpreise im Wert von 50-500 Euro.

Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Soziales und Integration Baden Württemberg.

Zur den Details der Ausschreibung geht es HIER

 

 

Animalische Autoren: Auftritt der LiteRatten

Wir freuen uns auf unseren Auftritt. Diesmal haben wir eine ungewöhnliche und spannende Partnerschaft geschmiedet: Zwischen unseren Texten wird das Publikum vom Pantomimen Uwe Bittes mit ganz wortlos dagebrachten Geschichten unterhalten.

Ich selbst lese meine Story „Dollys Geduld“ und habe schon allein deshalb Lampenfieber, weil es sich um eine brandneue (und daher nicht publikumserprobte Geschichte) handelt, in der ein Schaf, ein Hochstapler, ein Albino, eine Forschungsstation und ein schottisches Schloss vorkommen. Neugierig geworden?

Kurse Herbst 2018 & erste Vorankündigung für Kurse 2019

Kurze Geschichten aus der Kurzen Straße: Kleingruppen zur Intensivbegleitung und zum Austausch, individuelle Förderung von literarischen Einzelprojekten

Kleine Autorengruppen sind die Kraftwerke der literarischen Kreativität. Für Unerfahrene ist es aber oft schwer, eine etablierte Autorengruppe zu finden, die offen für Neulinge ist, da deren Bedarf an Beratung und Orientierung zur Belastung für die Profis werden kann. Mein Angebot bietet einen Kompromiss: Es macht einen offenen Austausch, eine  langfristige und vertrauensvolle Zusammenarbeit und das gemeinsame Wachsen an den eigenen Schreiberfahrungen möglich, bietet aber zugleich gezielte Schreibübungen, Lektorat und Schreibberatung durch die Dozentin. Termine werden gemeinsam abgestimmt und vereinbart, eine längerfristige vertragliche Bindung besteht nicht.

Achtung! Begrenztes Platzangebot – maximal 6 Teilnehmer/Gruppe. Unkosten: 25 Euro pro 90 Minuten

Schreiben Sie mir bei Interesse:  laufer_anke@hotmail.com oder rufen Sie mich an:  0172-6337390

Neues Angebot an der Hochschule Biberach: 

Storytelling: perfekte Kommunikation und zielgenaues Marketing in eigener Sache

Anschreiben, Lebenslauf und Motivationsschreiben sind wichtige Textformen, die keinem leicht fallen. Und nicht vor Prüfungsgremien kommt es darauf an, überzeugend zu kommunizieren. Standardkurse und Internettipps helfen nur, die gröbsten Fehler zu vermeiden. Aber was ist wirklich gutes Marketing in eigener Sache?

Das sogennannte Storytelling ist zwar in aller Munde, wird aber im individuellen und persönlichen Bereich noch wenig genutzt. Dabei ist es ideal dazu geeignet, die eigenen Wünsche, Ziele, Motivationen und Stärken herauszuarbeiten. Denn zu lernen, die eigene Biografie spannend und interessant zu erzählen hilft nicht nur, sich über vieles klar zu werden, sondern auch, die eigenen Ziele anderen gegenüber klar und frei von Klischees und Worthülsen zu formulieren. Storytelling macht es möglich, Prüfer, Jurys, Personaler und andere Gremien von sich zu überzeugen und dabei gleichzeitig unverstellt und authentisch zu bleiben. Im Seminar entsteht daraus ein tragbares und zielgerichtetes  Konzept für jeden Teilnehmer, anhand dessen Textbausteine erarbeitet, diskutiert und nach Vorschlägen überarbeitet werden. Individuelle Schreib- und Stilberatung sowie Korrekturempfehlungen runden den Kurs ab.

Die Dozentin ist promovierte Ethnologin und mehrfach ausgezeichnete Autorin mit breitgefächerter Erfahrung im Bereich PR, Journalismus und Bewerbungsberatung.

Kontakt und Anmeldung über die Hochschule Biberach

Herbstangebote  Design + Kunst Akademie Reutlingen / VHS Reutlingen / Jugendkunstschule Reutlingen – Anmeldung über die VHS Reutlingen

Endlich schreiben! – Der Durchstarter-Kurs

Sie haben genug von Aufschieberitis und wollem Ihrem inneren Zensor einen Tritt verpassen? Dann sind Sie hier genau richtig: Wir stellen das kreative Schreiben auf solide Beine. Innovative und leicht anwendbare Übungen geben uns den nötigen Frischekick, grundlegende handwerkliche Kenntnisse werden effektiv vermittelt und verankert. Nicht zuletzt bringt die gegenseitige Unterstützung den Mut zum Experimentieren. Das regelmäßige Schreiben wird so zu einer wertvollen Fantasie- und Kreativitätsquelle im Alltag. Voraussetzung: Bereitschaft, sich mit eigenen und fremden Texten konstruktiv auseinanderzusetzen.
Anke Laufer ist Trägerin mehrerer Literaturpreise. Mehr zur Autorin unter: ankelaufer.com
Bitte mitbringen: Schreibmaterial, evtl. Laptop

3 Abende, 09.10.2018 – 23.10.2018
Dienstag, wöchentlich, 19:00 – 21:15 Uhr

Haus der Volkshochschule, Spendhausstraße 6, 72764 Reutlingen, Raum: 202, 2. OG ♿ barrierefreier Zugang

74,00 €

Das Text- und Illustrationslabor 

in den Herbstferien
Qualipass-fähig, auch zur Mappenvorbereitung
Eine Story schreiben und dazu zeichnen, malen, fotografieren? Oder umgekehrt? Alles durchtesten und vielleicht sogar im Team? Na klar! In diesem Kurs wechseln wir immer wieder zwischen Wort und Bild, setzen typografisch um, was zunächst als Bild gedacht war, bebildern fremde sowie eigene Texte/ Storys und schreiben ganz neue. Egal, ob beim ersten Ausprobieren oder als Studienvorbereitung: Ihr werdet bei Euren eigenen Vorhaben intensiv von beiden Kursleiterinnen unterstützt. Den Fortgeschrittenen bieten wir zur Mappenvorbereitung eine Abstimmung von gestalterischen und schriftlichen Inhalten an (Anschreiben/ Motivationsschreiben), was Eure Bewerbung zu einer „runden Sachen“ macht.

5 Vormittage, 29.10.2018 – 02.11.2018
Montag, 29.10.2018, 09:00 – 12:15 Uhr
Dienstag, 30.10.2018, 09:00 – 12:15 Uhr
Mittwoch, 31.10.2018, 09:00 – 12:15 Uhr
Donnerstag, 01.11.2018, 09:00 – 12:15 Uhr
Freitag, 02.11.2018, 09:00 – 12:15 Uhr

Dr. Anke Laufer
Livia Scholz-Breznay

Spitalhof, Fachwerkgebäude, Metzgerstraße 40, 72764 Reutlingen, Raum: 101, Malen, 1. OG

356,70 €/

159,00 € Schülerpreis

Eintritt in die Blogosphäre:

Bloggen für Designer*innen, Künstler*innen, Autoren*innen und andere Kreative

Vorkenntnisse Internet
Was ist eigentlich ein Blog? Wie unterscheidet er sich von anderen digitalen Formaten? Wie sollten ihn Kreative nutzen? Dieser Kurs beschäftigt sich schwerpunktmäßig nicht mit technischen Aspekten, sondern bietet eine inhaltliche Orientierung für Anwender aus dem gestalterischen Bereich. Nach einer knappen Einführung in die Grundelemente des Blogs beschäftigen wir uns mit dem Zusammenspiel von Gestaltung und Text. Dazu gibt es eine Typologie garantiert interessanter Blogbeiträge und Tipps wie man sie schreibt. Außerdem im Programm: Ohne Verbiegen und Verstellen: Sich und die eigenen Werke gekonnt und authentisch in Szene setzen. Minenfelder: Ideenklau und Urheberrecht. Soziale Netzwerke genial nutzen: kooperativ, großzügig und effektiv.

4 Abende, 06.11.2018 – 27.11.2018
Dienstag, wöchentlich, 19:15 – 21:30 Uhr

Haus der Volkshochschule, Spendhausstraße 6, 72764 Reutlingen, Raum: 206, 2. OG ♿ barrierefreier Zugang

dekart: 106,00 €

 

Vorankündigung: Wochenkurse 2019 Volkshochschulheim Inzigkofen, zur Anmeldung ab Herbst 2018

Im Schreiben daheim:  Die etwas andere Schreibwerkstatt  1. – 6. April 2019

Wir alle sehnen uns danach, innerlich anzukommen und uns zu Hause zu fühlen: Alteingesessene, Zugezogene, Geflohene. Manchmal ist das Zuhausesein gleichbedeutend mit Familie, Landschaft, Straßenzügen, dem Wechsel der Jahreszeiten, der eigenen Sprache. Manchmal ist Heimat auch nur ein einziger Mensch. Doch auch ein (vielleicht nur erträumter) Sehnsuchtsort kann Zuflucht und geistige Heimat sein. Nicht zuletzt ist für den Schriftsteller das Schreiben selbst eine Heimat, während er Geschichten aufspürt und erfindet.

Hintergründig, abenteuerlich, sogar unheimlich kann das Schreiben über Heimat sein, aber auch bodenständig, authentisch und unverwechselbar. Dabei ist alles erlaubt: Den Regionalkrimi kennt jeder – aber wieso nicht mal einen lokal verorteten Science Fiction, Western oder eine Liebesschnulze schreiben? Scheinbar Vertrautes wirkt aufregend und fremd, wenn es aus ungewöhnlicher Perspektive geschildert wird.

Wir nähern uns dem Thema über spielerische Schreibanregungen und über das Skizzieren, Weiterspinnen und Ausarbeiten von Geschichtenideen. Innovative Übungen unterstützen den kreativen Schreibprozess und bringen jeden zum Fabulieren – garantiert! Ein gemeinsames Lektorat wichtiger Schlüsselszenen und Einführungen in theoretische Schreibgrundlagen ergänzen das Programm.

Die Kursleiterin ist Kulturwissenschaftlerin und zweifache Gewinnerin des Schwäbischen Literaturpreises. Mehr dazu unter: ankelaufer.com

 

Mein Gartentagebuch – Ein Kurs zwischen Schreiben und Gestalten  30. Mai – 2 Juni 2019

Ein Garten führt uns Schönheit und Vergänglichkeit zugleich vor Augen. Überall gibt es pflanzliches Wachstum zu beobachten und tierische Mitbewohner zu entdecken, es gilt Saat-, Pflanz-, Blüh- und Erntezeiten zu dokumentieren und zu skizzieren. Im Garten lässt es sich aber auch ganz wunderbar träumen und frei fabulieren. Aber wie geht man konkret an die Planung eines Gartentagebuchs heran? Wie findet man frische Perspektiven und ungewöhnliche Themen? Welcher „rote Faden“ soll Sie durch Ihr ganz persönliches Gartenjahr führen? Wir erkunden die vielfältigen Möglichkeiten des Gartentagebuchs am Beispiel des Kräutergartens von Inzigkofen: Vor Ort wird gezeichnet, gemalt, fotografiert, naturkundlich recherchiert, gedichtet und fabuliert. Jeder Teilnehmer setzt ganz eigene Schwerpunkte und wird von beiden Dozentinnen tatkräftig dabei unterstützt, individuell stimmige Text- und Gestaltungsformen zu finden. Ein besonderes Kurserlebnis in zauberhafter Umgebung für Ihr traumhaft schönes Gartentagebuch!

Dr. Anke Laufer
Livia Scholz-Breznay

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Vorankündigung: Angebot der Rheuma-Liga Baden-Württemberg (auch für Nichtmitglieder)

Schreiben mit allen Sinnen

„Glück hat die Farbe des Septemberlichts“

Datum/Zeit: 13.-15.09.2019

KVJS-Tagungshaus 71083 Herrenberg-Gültstein

In diesem Kurs schreiben wir Geschichten und Szenen, die man nicht nur lesen und sehen, sondern auch hören, riechen, schmecken und fühlen kann. Diese Auszeit inmitten einer idyllischen Landschaft bietet uns die Möglichkeit, heilsame Perspektiven für Körper und Geist zu entdecken und den Blick für häufig missachtete Details ebenso zu schärfen wie für das literarisch und atmosphärisch Außergewöhnliche. Ziel ist es, das eigene Schreiben authentisch, lebendig und „hautnah“ zu machen. Wahrnehmungsübungen in der Natur leicht anwendbare Schreibübungen sorgen für Experimentierfelder und Schreibanregungen. Hieraus entstandene Notate, Tagträume, Fotos und Gedankenblitze liefern uns die Keime für persönliche, wunderbare oder auch herrlich absurde Texte. Dabei beschäftigen wir uns auch näher mit der sogenannten Synästhesie, also der Fähigkeit, die Wahrnehmung verschiedener Sinne (literarisch) zu koppeln.

Kursgebühr: EUR 100,- für Mitglieder/EUR 150,- für Nichtmitglieder

Veranstalter: Rheuma-Liga Baden-Württemberg e.V. Kaiserstr. 20,
76646 Bruchsal

Tel. 0 72 51-91 62-0,
Fax 0 72 51-91 62-62

kontakt@rheuma-liga-bw.de

 

Eine Nominierung, Umzugskisten und herumstreunende Bücher

Autoren sind eitel. Klar sind wir das! Vielleicht hungern wir sogar noch viel mehr als andere Berufsgruppen nach einer gewissen Anerkennung. Im Normalfall begnügen wir uns schon mit wenig Beachtung und einer kleinen Leserschaft, reich werden die meisten von uns ohnehin nicht. Umso seltsamer scheint es, wenn eine Autorin keinen Wind davon bekommt, dass ihr Buch für einen Preis nominiert war.

Peinlich, aber mir ist das tatsächlich passiert. Nur zu erklären durch ein schweres Trauma, ein Koma?

Naja. Nicht ganz so dramatisch. Manchmal taucht man eben ab, tief in einen Plot, beispielsweise. Von Zeit zu Zeit reißt auch das „echte“ Leben Löcher in die Schreibzeit. In meinem Fall war das im letzten Jahr ein Umzug, eine neue Umgebung, ein neues Zuhause – ein altes Haus, ein alter Garten und alte Bäume!

Seit ich vor Jahrzehnten mein Elternhaus verlassen habe, bin ich unzählige Male umgezogen. Nie hatte ich vor, irgendwo länger zu bleiben. Die Vorstellung sesshaft zu werden war mir geradezu unheimlich. Nun ist es anders, diesmal will ich bleiben. Dabei habe ich festgestellt, dass dieser Vorsatz die Sache verändert. Der Ort wacht auf, wirft sich herum und überwältigt dich. Ergreift von dir Besitz. Kaufverträge sind das eine, Zuwendung, Ausblicke, alte Bäume und Gartenerde an den Händen sind das andere.

Ich bin empfänglich für Orte. Orte waren immer der Ausgangspunkt meiner Geschichten. Reisen, Bruchstücke aufklauben, zurückkehren, schreiben. Die Atmosphäre eines Ortes trägt mich durch meine Geschichten und nicht selten sind Orte die heimlichen Hauptakteure meiner Stories. Kein Wunder also, dass ich mein Buch aus den Augen verloren habe.

„Die Nachtprotokolle“ haben sich derweil aufgemacht, ein wenig herumzustreunen wie ein vernachlässigtes Haustier. Eigenartig und eigensinnig waren seine Geschichten sowieso, halsstarrig geradezu – wie die Verfasserin. (Nur so nebenbei: Einmal habe ich bei ihrer Entstehung meine liebenswerte Autorengruppe, die LiteRatten, fast vergrault. Anlass waren die sperrigen Zitate in der Geschichte „Die Auslöschung“ – keiner der anderen wollte so recht einsehen, warum die stehen bleiben sollten, obwohl sie den Lesefluss und das Abtauchen des Lesers in die Geschichte immer wieder so rüde unterbrachen.)

Obwohl ich „Die Nachtprotokolle“ also nicht mit adequatem Futter versorgt habe  (kein Klinkenputzen, keine Bettelbriefe an Rezensenten) ist das Buch zu meiner Überraschung doch von manchen gelesen worden. Jedenfalls öffnete ich irgendwann die neue (ziemlich alte und undichte) Haustür und es kam hereingeschlüpft: Zerflederrt, voller Eselsohren, erschöpft, aber ganz offensichtlich zufrieden. Es ließ sich wortlos auf den Bettvorleger fallen und schlief ein.

Was so ein Buch ganz allein an Abenteuern erleben kann, das haben mir „Die Nachtprotokolle“ hinterher erzählt. Zunächst waren sie für den Vincent-Preis nominiert. Der Vincent-Preis ist ein Publikumspreis, der jedes Jahr die besten literarischen Werke der Genre Horror und Unheimliche Phantastik auszeichnet. „Die Nachtprotokolle“ standen dort auf der Liste der Storysammlungen, etwas verschämt, weil sich das Ganze die Horrorliste nennt Unheimlich ja, phantastisch zuweilen, aber der Horror, das sei doch eine Frage des Empfindens, meinten sie hinterher, bei ihnen gehe es ja eher um das Unterschwellige.

Blieben aber, wo sie waren und warteten geduldig die Entscheidung ab. Nein, kein Preis, am Ende, ein wenig enttäuscht, das seien sie schon gewesen, aber doch mitgemacht, gell?, das sei doch die Hauptsache, jedenfalls behaupteten das doch immer alle – und jedenfalls ohne die geistesabwesende Autorin, die gerade mit Umzugskisten, Pinsel und Farbe, Zuchini und Mohrrüben beschäftigt war!

Und dann ist da noch diese Rezension im Internetführer in Sachen Fantastik. Da hat ein Rezensent, der sich Cronn nennt, jede einzelne Geschichte sehr genau gelesen und besprochen. Nein, er übersieht dabei keine noch so kleine Textschwäche. Umso mehr wissen wir (die Nachtprotokolle und ich) sein großes Lob zu schätzen:

„In der deutschen Phantastikszene als Kurzgeschichtenautor wahrgenommen zu werden, bedarf einer eigenen Stimme. Diese eigene Stimme, ein schwer zu definierender Sprachfluss in Kombination mit stilistisch eigenem Ausdruck und spezieller Wortwahl, sollte sich vom reinen Fan-Fiction-Allerlei abheben. Sie zu finden, ist eine der lohnenswertesten Angelegenheiten, denen sich ein Autor verschreiben kann. Anke Laufer ist eine Autorin, die mit ihrem Buch Nachtprotokolle diese eigene Stimme bereits gefunden hat. Damit kann schon jetzt eine Empfehlung für alle diejenigen Leser ausgesprochen werden, die sich für anspruchsvolle Literatur interessieren.“