Die Zähmung der Schwalben

Meine Story: „Die Zähmung der Schwalben“ ist eben in der neuesten Ausgabe des Wiener Literaturmagazins DUM erschienen, die unter dem Motto „Pantoffel statt Pandemie“ dazu aufgerufen hatte, Prosa und Lyrik zum Thema „Neue Häuslichkeit“ einzusenden.

(Und wofür steht eigentlich DUM? Es ist Das Ultimative Magazin, was sonst?)

Die Zähmung der Schwalben erzählt von Quint. Einem Mann, der sich abschottet, niemanden mehr an sich heranlässt. Bis eines Tages diese Neue bei EssenZ anfängt, dem Lieferdienst, der ihm die Einkäufe bis vor die Tür bringt…

Quint hielt Ausschau, bis er sie weit über den Hügeln ausmachte. Erst kamen sie einzeln, dann flogen sie dichter, ritzten Linien ins Firmament, flüchtig bloß, eingebildet.

Er verlagerte das Gewicht, nahm weiter Schwung, half mit den Beinen nach. Mit jedem Ausschlag gewann das Schaukelpendel an Höhe, eroberte sich rostig jauchzend ein weiteres Stück des Sommerhimmels. Höher und höher flog er auf seinem Trapez. Unter ihm schwankte die Hecke hin und her wie eine feierliche Prozession grüngeschmückter Elefantenrücken. Er war Quint. Er war der König der Artisten. Er war der Dompteur der Schwalben.“

Landschaft

Im Herbst 2020 ist meine Übersetzung des Gedichts „Landscape“ des englischen Lyrikers Matt Bryden in der Literaturzeitschrift Dichtungsring erschienen. Matt und ich haben uns während unseres Aufenthalts auf Hawthornden Castle im November 2015 kennengelernt, für das uns beiden ein Aufenthaltsstipendium der Drue Heinz Stiftung zugesprochen worden war. Unsere Freundschaft und der rege Austausch schlagen sich seither immer wieder auch in gemeinsamen Projekten nieder, unter anderem in gegenseitigen Übersetzungen und Sprachkursen an deutschen Hochschulen.

Matt Bryden, Lyriker und Lehrer für Literatur und Englisch als Fremdsprache, lebt und arbeitet in Somerset, England. 2018 wurde er mit dem Literature Matters Award der Royal Society of Literature ausgezeichnet, 2019 erhielt er den Charroux Memoir Prize und den William Soutar Prize, letzteren für das von mir erstmals ins Deutsche übertragenen Gedicht „Landscape“, das ich hier noch einmal vorstellen möchte. Mehr über Matts Arbeit in englischer Sprache auf: http://www.mattbryden.co.uk

„Das Zeichen“ ist Text des Monats Januar 2021 im Literaturhaus Zürich

Die „Großen Zwölf“ ist in diesem Jahr der Literaturwettbewerb des Literaturhauses in Zürich betitelt. Ende jeden Monats beurteilen drei Jurymitglieder – die Jury besteht aus Gesa Schneider und Isabelle Vonlanthen vom Literaturhaus Zürich sowie Florian Bissig, Catharina Fingerhuth, Elisa Fuchs, Christoph Kuhn, Jens Nielsen und Davina Rodgers – die Beiträge und wählen den «Text des Monats» aus. Dieser wird im Folgemonat auf der Website publiziert. Ich freue mich sehr, dass mein Text mit dem Titel „Das Zeichen“ es in diesem Januar zum Thema „Hoffnung“ auf das Siegertreppchen geschafft hat.

Besonders freue ich mich auch über das Lob der Jury: „Ihr Text hat uns sehr beeindruckt – in der Leichtigkeit des Erzählens und dem Tiefgang dahinter, dem Umgang mit dem Thema Hoffnung, einer frischen und mitreissenden Erzählstimme.“

Die MonatssiegerInnen werden voraussichtlich zum Jahresbeginn 2022 für eine Lesung ihrer Texte ins Literaturhaus eingeladen. Die Texte werden zudem in einer Anthologie publiziert.

Die Museumsgesellschaft wurde 1834 als Lesegesellschaft gegründet. Sie betreibt im eigenen Haus am Limmatquai einen grossen Lesesaal, eine Ausleihbibliothek und seit dem Jahr 1999 das Literaturhaus Zürich. Bild: wikipedia

außer.dem ein Hund

Meine Story „Der Hund“ ist im Herbst 2020 im Literaturmagazin außer.dem (Heft 27) erschienen.

„die münchner literaturzeitschrift außer.dem ist an zeitgenössischen modernen texten interessiert, die über die üblichen klassischen muster hinausreichen und an markanten stellen das gängige schema von lyrik und prosa verlassen. außer.dem veröffentlicht auch texte, die sich außerhalb des eingeführten literaturbetriebes sehen; texte, die der üblichen lyrik und prosa überraschende und innovative textalternativen gegenüberstellen.“

Aus bekannten Gründen wurde das Heft dieses Mal nicht live, sondern im Rahmen einer Radiosendung präsentiert – nämlich im Rahmen von ON AIR bei Radio Lora. Auch ein von mir eingelesener Ausschnitt meines Textes war zu hören.

Die spannende Präsentation der (Video-) Autorenlesungen gibt es jetzt HIER auf YouTube. (Meine eigene Lesung aus „Der Hund“ beginnt in Minute 55.12)

Der Hund (Auszug)

Hatte eingekauft, heut früh, wollt danach zum Strand, konnte dann nicht. War´s gewohnt, dem Hund zuzusehen. Steine, überall kollernde Steine, die haben dem Hund Spaß gemacht, er hetzte los, suchte einen aus, brachte ihn im Maul, warf ihn mir vor die Füße, guckte so, hechelte, brachte mich zum Lachen, guckte dann immer wie Damian. Der wollte auch immer getätschelt werden, der Streuner, auch wenn der irgendwann gar nix mehr mitbrachte, keine Walfischknochen, nicht mal Steine.

Bin dann also zum Palace Pier, stattdessen, ging so rum, zwischen den Imbissbuden und Fahrgeschäften, guckte den Leuten zu, weiß, kaffeebraun, schwarz, Eltern und Kinder, schwule Pärchen, Teenager, die knutschen. Brighton ist so, im Sommer, überall flattrige junge Dinger, frisch aus dem Kokon, Sprachstudentinnen, sowasalles, überallher, bloß weil sie in ein Loch gefallen sind, glauben die, sie sind in der Wunderwelt. Aber es ist die Stadt, die alte Schlampe, merkst nicht, dass du schon in ihrem Schlund steckst und verschluckt wirst, spurlos, einfach weg.

Lange her, das Lagerhaus, der Hafen, die Möwen und Damian, lange her. Die Holzstiege, weiter, immer weiter ging´s rauf, außer Atem, bis in den Himmel, oben der Dachboden, der Gasofen, fauchte die ganze Nacht, das Ungeheuer. Und Haufen, Türme aus Gerümpel, Damians Kram, er verkaufte manchmal was, wenn wir Geld brauchten. Hörten das Krallenscharren, Poltern, wenn die Hafenratten nachts rumkletterten, riesige Biester waren das, hat uns aber nix ausgemacht, haben uns nur fester umarmt, so war das.“

 

„Entflogen“ zu den Bieler Gesprächen 2021

Die Bieler Gespräche sind eine literarische Veranstaltung, die immer zum Jahresbeginn stattfindet und bei der sich im Literaturinstitut Biel Schreibende aus den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz und den angrenzenden Ländern treffen, um in einer Reihe von Ateliers über Texte und Übersetzungen zu diskutieren.

Meine Texte „Entflogen“ und „Nicht-Paul“ wurden in diesem Jahr für die Diskussion in den Ateliers ausgewählt. Ich freue mich sehr über die Einladung und auf die spannende Zusammenarbeit mit den anwesenden AutorInnen und ÜbersetzerInnen.

Hier ein Auszug aus „Entflogen“:

Das Frösteln begann sich in Stiften zu manifestieren, Follikeln, welche die oberste Schicht durchdrangen, durch Sommersprossen und Hautfalten stießen.

Es ließ sich nicht aufhalten, Samsa hätte es wohl gar nicht erst versucht.

Aus den Blutkielen schoben sich Schäfte, brachen auf und entfalteten beiderseitige Fahnen, Äste, schimmernde Bogen- und Hakenstrahlen.“

a.l., 2013

Komm schon, beiß zu

Meine Story „Komm schon, beiß zu“ ist im März 2021 im Heft 80 der traditionsreichen Literaturzeitschrift „Am Erker“ erschienen.

Am Erker, gegründet 1977 von Joachim Feldmann und Michael Kofort, erscheint zweimal jährlich (Frühjahr & Herbst). Die Zeitschrift wurde vom Deutschen Literaturfonds gefördert und 1998 mit dem Hermann-Hesse-Preis für Literaturzeitschriften ausgezeichnet.

Hier eine Kostprobe aus meinem Text:

Es riecht regenfeucht, dein Zimmer, nach gebrauchten Laken und Zeit, blätternde Schichten aus Sonne und Mond. Mein Haar ist ein Schlangennest auf dem Kissen. Dein kupferfarbener Körper neben mir, die Flanke, die sich hebt und senkt, Ausdünstungen wie von Torf und Moor.

Im Morgengrauen sehe ich zu, wie das erste Licht im seidigen Flaum deiner Brust versickert. Deine Glieder liegen lang und weit gereckt, bedecken mich, dein Schwanz ruht schlaff auf der Innenseite meines nackten Schenkels. Aber ich spüre zugleich, dass du unter der Haut hellwach bist, deine Sehnen hart als wären sie auf einen Bogen gespannt, sprungbereit.

„The newest normal“ in neolith #5

Meine Story „The newest normal“ ist im Herbst 2020 in neolith, der Jahresschrift für neue Literatur an der Bergischen Universität Wuppertal erschienen.

Meine Online-Lesung des Textes (Auszug) fand im Rahmen der Präsentation des Magazins statt und ist HIER auf Youtube zu finden. Die Gesamtpräsentation ist HIER abrufbar.

Aufruf: Beiträge für neolith #5

Der dreizehnjährige Bo durchstreift das unterirdische Labyrinth menschlicher Behausungen der Zukunft, immer auf der Suche nach Verwertbarem. Er stößt auf einen uralten Kassettenrekorder, den er mit Hilfe seiner greisen Nachbarin Vera zum Laufen bringt. Während die beiden die im Gerät verbliebene Kassette abspielen öffnen sich in der Geschichte eine zweite und dritte Zeitebene: Auf der Bandaufnahme mischen sich die Sprachnachrichten einer jungen Frau an ihren verschollenen Geliebten Ben und die Wiedergabe einer weitaus älteren Audiodatei, auf der die flammende Rede eines Endzeitpropheten zu hören ist.

Vera öffnet die Augen und drückt auf die Pausentaste. Bo kann sehen, dass ihr das zu schaffen macht. Ihm auch.

„Dieser Ben – “

Sie nickt. „Der war wohl drüben auf den Inseln.“

„Sollen wir echt weiter zuhören?“, fragt er. Sie nickt, betätigt die Taste und starrt auf den Rekorder.

„Erinnerst du dich an diesen Endzeittypen auf dem Pier? Wie der herumzappelte und die Faust in den Himmel stieß? Die Leute grinsten und manche tippten sich an die Stirn. Aber du nicht, Ben, du hast ihm zugehört.“

Die Krähe macht jetzt wieder Lärm und das Mädchen wartet, bis der Vogel sich beruhigt.

„Ich hab in der ganzen Zeit immer wieder an ihn denken müssen. Und daran, was du damals gesagt hast. Dass man Warnungen ernst nehmen soll, auch wenn sie einem verrückt vorkommen. Dass das wichtig sei, was der Kerl sagt, womöglich, und dass wir das aufzeichnen sollten. Jedenfalls: Hier ist er, ich hab die Audiodatei gefunden, ich spiel sie dir vor.“  Ein Knacken. Sturmrauschen, mittendrin Gebrüll –

„…da wird der vierte Engel seine Schale über die Sonne ausgießen…“  Die Krähe übertönt die Aufnahme einen Moment lang mit ihrem Gekrächze. „…und die Menschen werden versengt von der großen Hitze…“  Man hört jetzt, wie der Mann eine Menge Rotz die Nase hochzieht und das Ganze ausspuckt.

Vera verzieht das Gesicht.

Auf einmal vermischt sich alles und sie sind alle zur gleichen Zeit in Veras Abteil: Das Mädchen und ihr Freund Ben, der Verrückte, die Krähe, Vera und er selbst.“

Das Thema der Ausschreibung 2020 lautete „Fortschritt“.  Eingeladen wurde zur Auseinandersetzung mit Zukunftsentwürfen – eine Hommage an Friedrich Engels, dessen 200. Geburtstag Wuppertal in diesem Jahr feiert.

Sprachnachrichten an die Schwäne

Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

Friedrich Hölderlin

Mein Text „Sprachnachrichten“ wurde in die Anthologie zu Ehren des 250. Geburtstages von Friedrich Hölderlin aufgenommen. Hölderlins Gedicht „Hälfte des Lebens“ sollte als Anhaltspunkt für das Schreiben dienen. Die Anthologie ist das Resultat einer Ausschreibung des Schriftstellerhauses  Stuttgart, ausgewählt wurden die Texte von Astrid Braun und Moritz Heger. Das Buch wird im September 2020 unter dem Titel „An die Schwäne“ erscheinen.

Eine gekürzte Version meines Textes wird zudem im Rahmen der 57. Ausgabe des Literaturmagazins Dichtungsring zu lesen sein. Dichtungsring Heft 57

Hier stand die Auschreibung unter dem Motto eines Beethoven-Zitats:

Ach – Es gibt Momente, wo ich finde daß die Sprache noch gar nichts ist“ (Ludwig van Beethoven: „An die unsterbliche Geliebte“, 1812)

„Sprachnachrichten“ erzählt in poetischen Bildern von einem Familienurlaub, zugleich aber auch von Ohnmachts- und Endzeitgefühlen der Hauptfigur, einer Naturwissenschaftlerin:

In diesem Augenblick, im tiefen, kalten Wasser, sah sie ihre eigene Sterblichkeit, die sie umkreiste wie ein großer Fisch, sah auf einmal all die anderen Leben, die sie hätte leben können, silbrig aufscheinend wie die tausend Leiber eines Heringsschwarms, der eine Wendung vollzieht. Sie dachte an die Unsterblichkeit der Quallen, die neben und unter ihr schwammen. Und an das Artensterben, das die Welt mit Endgültigkeit tränkte, immer neue Breschen schlug, die Leere zwischen den Lebewesen vergrößerte, allem anderen Bedeutung und Zukunft nahm. Es gab keine Worte für das, was sie empfand, und doch war sie sich sicher, dass man für dieses Etwas, das sie jetzt vor sich sah, dieses große, grausame, ungeheuerliche Etwas, eine eigene Sprache finden musste.

File:FK Hiemer - Friedrich Hölderlin (Pastell 1792).jpg

Kurse zweites Halbjahr 2020 und Januar 2021 an der dekart Reutlingen

Die folgende Kurse können Sie HIER buchen.

Kreatives Schreiben für Künstler und Gestalter

Dr. Anke Laufer

Zunehmend rücken kreative Schreibaufgaben in den Fokus der Aufnahmeprüfungen an den künstlerischen und gestalterischen Hochschulen – wer ein „kreativer Kopf“ ist, erzeugt eben nicht nur ansprechende Bilder, sondern kann sich gedanklich mit Themen und Konzepten auseinandersetzen, Geschichten über die Welt erzählen und  sogar ganz neue Welten erfinden. Das freie Spiel mit Worten und Verfassen von Texten ist damit nicht allein eine Vorstufe der souveränen Präsentation der eigenen Werke nach außen (gegenüber Prüfungsgremien, Jurys oder der breiten Öffentlichkeit): Wer das kreative Schreiben trainiert, schärft systematisch die eigene Wahrnehmung und zapft bisher verborgene künstlerische Quellen an.
7 Abende, 04.11.2020 – 16.12.2020
Mittwoch, wöchentlich, 17:00 – 19:00 Uhr
vhsrt-Atelier, HM, Gustav-Werner-Straße 25, 72764 Reutlingen, Raum: 102,
1. OG

♿ barrierefreier Zugang

dekart: 159,30 €(Schüler*innen/Studierende 79,65 €)

Die Bewerbung für kreative Studiengänge: Selbstbild, Selbstdarstellung und Marketing in eigener Sache

Livia Scholz-Breznay & Dr. Anke Laufer

Spätestens in Motivationsschreiben und bei Gesprächen im Rahmen von Eingangsprüfungen wird großer Wert darauf gelegt, dass der Bewerber seine Begeisterung für den gewählten Studiengang klar und überzeugend formulieren kann. Im gestalterischen Umfeld kommt hinzu, dass man sich als kreative Persönlichkeit „verkaufen“ muss. Auch sollte man vermitteln, dass man fest entschlossen ist, diesen Berufsweg einzuschlagen – trotz der Unwägbarkeiten, die sich jungen Künstlern entgegenstellen. Wir arbeiten daran, sich über die eigene Ausgangssituation und Motivation klar zu werden und damit eine klare und positive Selbstdarstellung zu erreichen: Verbal, schriftlich und gestalterisch.
4 Tage, 24.11.2020 – 27.11.2020
Dienstag, 24.11.2020, 09:00 – 12:15 Uhr
Mittwoch, 25.11.2020, 09:00 – 12:15 Uhr
Donnerstag, 26.11.2020, 09:00 – 12:15 Uhr
Freitag, 27.11.2020, 09:00 – 12:15 Uhr
vhsrt-Atelier, HM, Gustav-Werner-Straße 25, 72764 Reutlingen, Raum: 102,
1. OG

♿ barrierefreier Zugang

dekart: 356,70 €(Schüler*innen/Studierende 178,35 €)

Das Text- und Illustrationslabor  – auch zur Mappenvorbereitung

Livia Scholz Breznay und Dr. Anke Laufer

In diesem Kurs wechseln wir immer wieder zwischen Wort und Bild und lernen dabei, die eigenen Vorstellungen sowohl gestalterisch als auch schriftlich überzeugend zu vermitteln. Nach Übungen aus dem kreativen Schreiben entstehen eigene Texte, die anschließend illustriert werden. Wir setzen typografisch um, was zunächst als Bild gedacht war und er(finden) Geschichten, die bereits in unseren Bildern stecken. Außerdem: Um was geht es eigentlich beim sogenannten Storytelling? Was ist ein Storyboard und wie setzt man es um?
Der Kurs bietet darüber hinaus Einblicke in die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten im Bereich Illustration, Bildgeschichten, Comics und Graphic Novels.
5 Tage, 18.01.2021 – 22.01.2021
Montag, 18.01.2021, 09:00 – 12:15 Uhr
Dienstag, 19.01.2021, 09:00 – 12:15 Uhr
Mittwoch, 20.01.2021, 09:00 – 12:15 Uhr
Donnerstag, 21.01.2021, 09:00 – 12:15 Uhr
Freitag, 22.01.2021, 09:00 – 12:15 Uhr
vhsrt-Atelier, HM, Gustav-Werner-Straße 25, 72764 Reutlingen, Raum: 102,
1. OG ♿ barrierefreier Zugang

dekart: 356,70 €(Schüler*innen/Studierende 178,35 €)

Online – Rundgang an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart

Seit Jahren betreue ich mit meinen Kolleg*Innen  an der Design + Kunst Akademie Reutlingen junge Erwachsene, die sich für ein Kunst- Design- oder Architekturstudium bewerben – unter anderem an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Wie herausfordernd und spannend dieser Bewerbungsprozess ist, wie fieberhaft gearbeitet wird, wie überwältigend die Glücksgefühle derjenigen sind, die dort angenommen werden, erlebe ich dabei in jedem Jahr neu.

Ist die Mappe mit künstlerischen Arbeiten für gut befunden und sind dann auch noch praktische und mündliche Prüfung bestanden, dann  – ja dann öffnet sich den jungen Studierenden eine ganz neue Welt künstlerischer Erfahrungen. Einblicke in diese Welt gibt alljährlich der sogenannte Rundgang, auf dem die Studierenden ihre Arbeiten präsentieren – normalerweise in den vielen Ateliers der Akademie – in diesem Jahr erstmals Online.

Was es für die jungen Künstler*Innen und Gestalter*Innen bedeutet hat, während des Lockdowns nicht in ihren Ateliers arbeiten zu dürfen und ihre Professor*Innen und Kommiliton*Innen nur online zu treffen – das können wir nur erahnen. Trotzdem wurde auch in diesem Jahr fieberhaft gearbeitet und Großartiges geschaffen. Deshalb:

Gehen Sie auf eine Reise durch junge Kunst. Besuchen Sie den Rundgang der ABK 2020.

https://rundgang.abk.live

Bildvorschau

Weitere Neuveröffentlichungen/Lesung

Meine Story „Der Hund“ erscheint im Herbst im Literaturmagazin außer.dem

„die münchner literaturzeitschrift außer.dem ist an zeitgenössischen modernen texten interessiert, die über die üblichen klassischen muster hinausreichen und an markanten stellen das gängige schema von lyrik und prosa verlassen. außer.dem veröffentlicht auch texte, die sich außerhalb des eingeführten literaturbetriebes sehen; texte, die der üblichen lyrik und prosa überraschende und innovative textalternativen gegenüberstellen.“

Der Hund (Auszug)

Hatte eingekauft, heut früh, wollt danach zum Strand, konnte dann nicht. War´s gewohnt, dem Hund zuzusehen. Steine, überall kollernde Steine, die haben dem Hund Spaß gemacht, er hetzte los, suchte einen aus, brachte ihn im Maul, warf ihn mir vor die Füße, guckte so, hechelte, brachte mich zum Lachen, guckte dann immer wie Damian. Der wollte auch immer getätschelt werden, der Streuner, auch wenn der irgendwann gar nix mehr mitbrachte, keine Walfischknochen, nicht mal Steine.

Bin dann also zum Palace Pier, stattdessen, ging so rum, zwischen den Imbissbuden und Fahrgeschäften, guckte den Leuten zu, weiß, kaffeebraun, schwarz, Eltern und Kinder, schwule Pärchen, Teenager, die knutschen. Brighton ist so, im Sommer, überall flattrige junge Dinger, frisch aus dem Kokon, Sprachstudentinnen, sowasalles, überallher, bloß weil sie in ein Loch gefallen sind, glauben die, sie sind in der Wunderwelt. Aber es ist die Stadt, die alte Schlampe, merkst nicht, dass du schon in ihrem Schlund steckst und verschluckt wirst, spurlos, einfach weg.

Lange her, das Lagerhaus, der Hafen, die Möwen und Damian, lange her. Die Holzstiege, weiter, immer weiter ging´s rauf, außer Atem, bis in den Himmel, oben der Dachboden, der Gasofen, fauchte die ganze Nacht, das Ungeheuer. Und Haufen, Türme aus Gerümpel, Damians Kram, er verkaufte manchmal was, wenn wir Geld brauchten. Hörten das Krallenscharren, Poltern, wenn die Hafenratten nachts rumkletterten, riesige Biester waren das, hat uns aber nix ausgemacht, haben uns nur fester umarmt, so war das.

Meine Story „Der Waldrapp“ erscheint demnächst in der neuen Berliner Literaturzeitschrift GYM  – http://gym-magazin.de/erste-ausgabe

Das Konzept von Gym: Texte, die zu viel Gewicht draufpacken und unaufgewärmt reißen. Erzählungen, die die Wirklichkeit anheben, um zu sehen, was dahinter liegt, sie verbiegen, erweitern. Lyrik, die will, dass man hinter ihrem Rücken über sie spricht. Figuren, die im Maschinenraum des Luxusliners Literatur schwere Hebel in Bewegung setzen.

Der Waldrapp (Auszug) https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/35/Waldrapp_01.jpg

„Ich würd´ ja gern fortgehen. Aber ich kann einfach nicht, weißt du.“

„Leute machen sowas jeden Tag.“

„Bleibst du denn noch lang?“ Sie deutet zum Block hinüber.

„Wieso?“

„Die da drüben bleiben nie lang. Ist so.“

„Ich gehe erst, wenn ich fertig bin.“

„Mit was musst du denn fertig werden?“

Da erzähle ich ihr von Elena, obwohl ich das gar nicht beabsichtigt habe. Am Ende berichte ich ihr sogar von meiner Arbeit, den Ergebnissen der Berechnungen und von meinen Schlussfolgerungen. Ich rede eine Menge und sie hört einfach zu. „Noch ein paar Jahre, dann ist alles aus dem Ruder gelaufen. Und niemand unternimmt ernsthaft etwas dagegen. Das macht mich fertig, ehrlich.“

„Kein Wunder“, sagt sie und schenkt mir noch einen Schnaps ein. Ich stürze ihn hinunter.

„Ich hab einen Waldrapp aus deiner Scheune kommen sehen. Neulich Nacht, im Traum.“ Ich beschreibe ihr das fettigschwarze Gefieder mit dem grünen Schmeißfliegenschillern, den faltigen roten Schädel, die langen Schopffedern, den Stocherschnabel.

Maries großer Kopf lehnt am Treppengeländer. Erst denke ich, sie sei eingeschlafen, aber dann sagt sie:

„Du hast den Nachtkrab gesehen. Das war der Nachtkrab.“

„Nein, Waldrapp, nicht Nachtkrab.“

Sie schüttelt den Kopf als versuche sie, einen lästigen Gedanken loszuwerden.

„Du bist nicht brav gewesen.“

„Brav?“

„Er kommt uns holen, wenn wir nicht tun, was man uns sagt.“

„Wer?“

„Du warst wieder nicht brav, hat sie gesagt, jetzt kommt er dich holen, hat sie gesagt und den Riegel vom Kohlenkeller zugeschoben. Im Finstern drin, auf einmal, da hab ich ihn gesehen, wie er sich über mich beugt. Schnipp, schnapp, so hat der gemacht mit seinem Schnabel. Wie mit einer langen Schere.“

Sie verstummt und dreht das Gesicht weg. Ich sage nichts, mir fällt nichts ein.

Nach einer Weile lege ich ihr vorsichtig den Arm um die Schultern.

Es wird schon hell. In einem der Apfelbäume beginnt eine Amsel zu singen.

Zur Lesung dieses Textes bin ich am 8.10.2020 auf die „Lesebühne Text Genuß & Schnaps“  in Hannover  eingeladen. Die Lesebühne Text Genuß & Schnaps + Vorträge wurde im Herbst 2018 von Jan Fischer und Gila Hofmann gegründet, für alle, die jenseits von Poetry Slam und Wasserglaslesungen für etablierte Autor*innen eine Bühne für Literatur vermissen.

„Literatur jenseits der Duldungsstarre, Vorträge jenseits muffiger Vorlesungen, Räusche auf unerforschtem Gebiet.“

Zur Lesebühne geht es HIER