Behütet
Bildsprache. Sprechende Bilder, allgegenwärtig (unten: Nathan Bowen. oben: unbekannt, unbenannt., Brick Lane, 2014)
Jemand wollte mir etwas über Mauern mitteilen. Und hat dabei vergessen, dass auch die vergänglich sind.
daily bangla times. Einer hält Ausschau.
Te amo. Verloren gegangene Liebe.
Report to Yard Supervisor, Block R.
Es war bloß auf einem seiner gewöhnlichen Streifzüge gewesen. Er hatte das Kraftwerk fotografiert, die sich auffächernden Schienenstränge am nahegelegenen Bahnhof und eben jene Feuertreppe an der Rückseite eines unscheinbaren Backsteingebäudes in der High Street.
Er bevorzugte Metallkonstruktionen. Er liebte ihre unmissverständliche Klarheit. Auch mochte er die vielen Farbtöne, die zum Vorschein kamen, wenn der Lack abzublättern begann und der Rost erblühte.
Im Grunde vermied er es, Menschen zu fotografieren. Es wäre ihm peinlich gewesen. Er ließ sich selbst nicht gerne ablichten und wollte es auch niemand anderem zumuten. Dass ihm jemand auf das Bild geraten war, entdeckte er erst am Abend, als er die Qualität seiner Aufnahmen auf dem Bildschirm überprüfte und dabei Details heranzoomte.
Sie war nur ein Detail. Sie war nur ein Schemen hinter einer Milchglasscheibe. Aber ihr unbestimmter Blick setzte sich in ihm fest. Als er in jener Straße nachfragte, sagte man ihm, dass die betreffenden Räume, in denen ein Fitnesscenter untergebracht gewesen war, schon seit Monaten leer stünden und für niemanden zugänglich seien. Niemand erkannte die Frau auf dem Bild, als er es herumzeigte.
Nachdem er alles versucht hatte, gab er etwa eindreiviertel Jahre später seine Suche nach der Frau auf. Jetzt versuchte er nur noch, ihr Trugbild heraufzubeschwören, indem er das Haus und die Feuertreppe wieder und wieder fotografierte, zu ganz unterschiedlichen Tageszeiten, bei verschiedenen Wetterlagen und Lichtverhältnissen. Er fotografierte kaum noch ein anderes Motiv.
Doch sie erschien ihm nie wieder.
Als Samuel Schwartz nach fast zwei Jahrzehnten wieder vor dem Laden seines Vaters stand, wollten sich keine sentimentalen Gefühle einstellen. Nicht nur der Laden war verlassen. Fast alle Gebäude in der Straße schienen unbewohnt.
Die frühen Arbeiten der im Untergrund tätigen Künstlergruppe Flash Trash zeichneten sich dadurch aus, wie subtil sie sich ins Stadtbild einfügten.
Bald entstanden aufwändigere Installationen aus unterschiedlichsten Materialien. Die Gruppe geriet dadurch zunehmend ins Visier der städtischen Ordnungsbehörden.
Abfalltüten blieben ein Markenzeichen der Gruppe, die sich nicht nur in künstlerischer, sondern auch in politischer Hinsicht radikalisierte. Erklärtes Ziel war die weltweite Verordnung des allgemeinen und verbindlichen Recyclings aller Materialen. Samuel Schwartz gehörte zu den Rädelsführern der ersten Stunde, dessen Spur sich inzwischen wieder verloren hat.
Das Erzählen mit Bildern ist eine hohe Kunst, für den Schriftsteller schon deshalb faszinierend, weil er in einer anderen Sprache zu sprechen gezwungen ist. Verdi ist es zu verdanken, dass einige der Mitglieder der Gewerkschaft sich an diesem Wochenende darin versuchen dürfen, auch ich, als einzige Autorin in der Runde des Seminars. Unser Führer in die Welt der Fotografie ist der Kameramann und Fotograf Willi Dillschneider. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich die Ergebnisse der ersten Versuchsanordnung nicht für mich behalten will, nicht einmal bis zum Ende des Seminars.
Nicht ohne Stolz darf ich berichten, 2014 mit zum „Schwarzwälder Hausschatz“ zu gehören, der seit vielen Jahren „Historisches, Heimatkundliches, Unterhaltendes aus der und über die schwäbischalemannische Region“ versammelt. Unter dem Titel „Keine Literatur zum Einschlafen“ hat Michael J.H. Zimmermann hat ein engagiertes Porträt meiner Arbeit verfasst. Dabei beschränkte er sich nicht nur auf die Schriftstellerei, sondern erwies auch einigen meiner Fotografien die Ehre der Erstveröffentlichung. Dass der Schwarzwälder Hausschatz („Ein Kalender und Nachschlagebuch für Jedermann. Mit Mondkalender“) trotz seines auf den ersten Blick der Tradition verpflichteten Konzepts ganz und gar nicht verstaubt daherkommt, zeigt unter anderem die Auswahl dieser Bilder, die Industriebrachen und Streetart ebenso thematisieren wie zufällige und intime Einblicke in ansonsten in Seitenstraßen verborgenes Alltagsleben – hierzulande wie anderswo.
Aus dem Porträt:
„Stilsicher, einfühlsam, abgründig sind die meist düsteren Meistererzählungen einer guten Psychologin.“
„Magisch schlagen Laufers Geschichten mit Tiefgang und Unterhaltungswert den Leser in Bann…“
„Unverkennbar ist der Einfluss der lateinamerikanischen Literatur mit Autoren wie Jorge Luis Borges und Julio Florencio Cortázar und der angelsächsischen Erzähltradition. Verdankte die Autorin ihren schwarzen Humor nicht der im Schwäbischen geübten Beobachtungsgabe, möchte man ihn für eine Anleihe bei den Briten halten.“
„Mehrfaches Lesen der aspektereichen „short stories“ wird einen nicht reuen: Nie ist es langweilig, dieser Schriftstellerin auf die Schliche zu kommen…“
Michael J.H. Zimmermann: Keine Literatur zum Einschlafen. Porträt der preisgekrönten Schriftstellerin Anke Laufer aus Villingen. In:
Der „Schwarzwälder Hausschatz. Ein Kalender und Nachschlagebuch für Jedermann. Mit Mondkalender“ – für 6,30 Euro plus Versand HIER zu beziehen
Unter dem Titel „Sommerfrisch Schwerelos Schreiben“ leite ich in diesem Jahr einen Schreibworkshop im Rahmen der internationalen Sommerakademie der Universität Tübingen, die einen Teilbereich der internationalen Sommerkurse bildet. Neben der Literatur sind weitere Themenmodule der Akademie eine Einführung in das deutsche Rechtssystem, Wirtschaft und Gesellschaft, Interkulturelle Kommunikation, Theologie: Interreligiöser Dialog und zeitgenössische Philosophie.
Die Kurse für Studierende aus aller Welt sollen intensives Sprachtraining, das Erwerben von interkultureller Kompetenz und landeskundlichem Wissen und natürlich viel Spaß miteinander verbinden. Mein Workshop richtet sich an fortgeschrittene Deutsch-Lernende ab Niveau B2, die mehr Sicherheit im freien Schreiben bekommen möchten.
Textimpulse und eine Reihe meiner Fotografien aus Tübingen liefern viele Anregungen für „spannende, romantische und völlig verrückte Geschichten“. Anschließend werden erste Ideen auf einer gemeinsamen Text-/Bildplattform zusammengeworfen und aufgeschrieben. Wem nicht gleich etwas einfällt, dem helfen die anderen Teilnehmer beim Austausch auf die Sprünge. Mal erfindet man die Biografie einer auf einem Foto entdeckten Person, mal schreibt man die Szene weiter, die ein anderer mit ein paar Sätzen skizziert hat. Danach wird es Zeit geben, in Ruhe an der eigenen Story zu arbeiten.
Ich freue mich schon sehr auf die Teilnehmer und ihre Ideen und Geschichten!
Wer war der Mann mit dem hintergründigen Lächeln auf dessen Grabstätte sich steinerne in echte Tauben verwandeln – oder umgekehrt? Weiterlesen „Graveyard Walk“