Nachtprotokolle

Neuerscheinung im Blitz-Verlag!k800_p1130358-2

Ein Fotograf, der eine grauenhafte Entdeckung macht. Ein Optiker, der sich aus Liebe ganz Ozeanien auf die Brust tätowieren lässt. Ein afrikanischer Warlord, der in einem Koffer endet. Eine alte Dame, die ihre Zwillingsschwester tötet. Ein selbsternannter Superheld, der den Penis eines Pottwals entführt. Wir treffen sie in Hochhaussiedlungen, in Hotelzimmern, in Imbissbuden und auf unwirtlichen Inseln – Verfolgte und Mörder, Eigensinnige und Phantasten.

Poetisch, beunruhigend, spannend: Die mehrfach ausgezeichneten Erzählungen dieses Buches leben von einer pulsierenden Unterströmung, die dem Leser immer wieder den Boden unter den Füßen wegreißt. „Die ausgereifte Sprache und Symbolik (…) orientiert sich an Edgar Allan Poe und Oscar Wilde und baut eine ähnlich dunkle Romantik der Atmosphäre auf.“ (Die Mörderischen Schwestern, 2014)

Erschienen als exklusive Sammleredition in der Reihe Phantastische Storys, bestellbar über den Verlag HIER

oder direkt bei mir per Email unter laufer_anke@hotmail.com

Darüber hinaus ist das Buch als e-book erschienen und als Download erhältlich bei allen großen Onlineportalen.

Singende Horizonte: Ein Schreibzimmer in Wales

Wales Millenium Centre, Cardiff: In These Stones Horizons Sing Foto: A.L., 2012
Wales Millenium Centre, Cardiff: In These Stones Horizons Sing Foto: A.L., 2012

 

Zusage! Rwyf mor – Ich freue mich so  – (man muss dem Online-Übersetzer auch mal vertrauen können 😉

Nun geht es im Juni für mich zum Schreiben ins landschaftlich atemberaubende Nordwales, mitten in den Snowdonia National Park, genauer gesagt nach Corris in der Nähe von Machynlleth.

Das Stiwdio Maelor  ist eine vom Arts Council von Wales finanzierte Künstlerkolonie. Bildende Künstler und Autoren aus aller Welt können sich dort für einen Arbeitsaufenthalt von einer bis hin zu acht Wochen bewerben. Es geht dem Projekt darum, den Künstlern Ateliers und Zeit zur Verfügung zu stellen, um ihre Arbeit ungestört voranzutreiben.  Ablenkungen gibt es offiziell keine – kein Internet, kein Fernseher jedenfalls – obwohl die Gesellschaft netter Kollegen, die Neugier auf deren Arbeit und die wunderschöne Umgebung wohl auch als solche gelten können.

Ich bedanke mich bei Veronica Calarco, der Koordinatorin von Stiwdio Maelor, der Auswahljury und dem Arts Council von Wales für die Unterstützung meiner Arbeit.

https://stiwdiomaelor.wordpress.com/

Hafan / Home

„Self-made-Superman“ in der Endauswahl beim 20. Münchner Kurzgeschichtenwettbewerb

Meine Geschichte „Self-made-Superman“ ist unter den 23 für die Endauswahl vorgesehenen Texten beim Münchner Kurzgeschichtenwettbewerb 2015. Nach Angaben der Veranstalter wurden in diesem Jahr über 1000 Beiträge eingereicht.

Die Jury besteht aus Micha Schachner (Lektorin Droemer-Knaur), Annette Walter (Lektorin Deutsche Verlags-Anstalt), Prof. Kathrin Bleuler (Universität Salzburg), Dr. Uwe Kullnick (Freier Deutscher Autorenverband) und Heike Hauf (freie Lektorin). Die Jury wird bis Anfang November vier der Geschichten für eine Lesung aus, die am 21. November in München stattfindet. Unter: http://www.zuendeln.de/?page_id=1937) kann man sich einen Platz an einem der Tische sichern. Jeder Text wird erst musikalisch (live) eingeführt, dann von Schauspielern gelesen, schließlich von einem Koch in einem Menügang interpretiert. Es wird also vier solcher Gänge geben. Das Publikum wählt zum Schluss den Sieger, der das Preisgeld (1000 Euro) und ein verlängertes Wochenendstipendium in einem von den Veranstaltern noch nicht bekannt gegebenen  Elfenbeinturm gewinnt, sowie (Zitat) „auflagenstark veröffentlicht“ wird. Zusätzlich vergibt der Freie Deutsche Autorenverband Bayern (FDA, www.fda-lv-bayern.de) den Jurypreis (250 Euro). Die Autoren der Siegerrunde werden zur Autorenlesung und zum Lesungsabend nach München eingeladen.

Natürlich gehe ich nicht davon aus, dass ich unter den Preisträgern bin – die Auswahl von 23 aus über tausend Texten verspricht eine überaus harte Konkurrenz und mein Superman ist (das muss ich zugeben) ein durchaus zwiespältiger Charakter, mit dem man sich nicht so recht identifizieren mag. Zudem werden im Verlauf der Geschichte durchaus unappetitliche Dinge erzählt, die mit einem gestrandeten Pottwal und dessen Penis zu tun haben. Hier nur so viel:

„Ist nur so eine Macke von mir. Ich habe noch nie jemanden gerettet. Vor dem Tod oder so. Würde ich gerne, es hat sich nur noch nichts ergeben.“

„Hört sich an, als hätten Sie jede Menge Zeit.“

„Ich hab eine Spendenhotline und eine Mitgliedschaft.“ Er schob eine blaurote Visitenkarte über den Tisch. Fünf Pfund für Superman, las ich, dahinter eine Telefon- und eine Kontonummer.

„Er lebt davon, dass er ein netter Kerl ist“, sagte Fred, während er sich die Hände wusch.

„Neuartiges Geschäftskonzept. Es reicht gerade so, damit ich über die Runden komme. Die Arbeit macht nicht reich, aber dafür zufrieden. Die meiste Zeit, wenigstens.“ Jetzt schwieg er. Endlich.

a.l., 2009
a.l., 2009

„Die Irritation“ – Der Film

Nach der Titelstory meines Erzählungsbandes entsteht zur Zeit ein Film. Ich bedanke mich herzlich bei dem jungen Team um Johannes Pfau vom Bayerischen Rundfunk, das mich meine Geschichte mit ganz neuen Augen sehen lässt.

Darsteller sind: Beate Kellmann, Hannah Baus, Fabian Bäcker, Dieter Rupp, Sebastian Dorn, Maske: Tamara Buschendorf, Ton: Fabian Stoffers, Aufnahmeleitung, Transport: Ramona Kisiela, Licht, Bühne, Fotografie: Konstantin Höhne und Lena Eser. Drehbuch, Regie, Kamera, Produktion & Schnitt: Johannes Pfau

Meine Geschichte wurde ans Ufer der Isar verlegt, wo ich an einem kühlen Junitag bei den Dreharbeiten zu Gast sein durfte.

Fotos: © Konstantin Höhne, Elodie Cruz, Anke Laufer

http://www.konstantinhoehne.dehttp://www.konstantinhoehne.de

„An einem Morgen im späten Juni 2010 fiel eine junge Frau von der Fähre Pride of Canterbury in den Ärmelkanal.“

http://www.konstantinhoehne.de

„Die Passagierlisten sind überprüft worden, die Polizei befragt seit zwei Tagen Personal und Mitreisende, die sich im Warteraum drängen. Trotzdem konnten die Personalien der jungen Frau nicht festgestellt werden.“

„Sie stand lange reglos am Geländer und sah zu, wie sich die Konturen der englischen Küste allmählich auflösten, um schließlich ihren Blick auf das Wasser zu senken.“K1024_P1070719„Sie war schön, wirkte jedoch ausgezehrt, als läge eine große Anstrengung hinter ihr. Gleichzeitig flackerte ihr langes, hellblondes Haar im Wind wie ein Leuchtfeuer und zog die Aufmerksamkeit der umstehenden Männer auf sich.“ Weiterlesen „„Die Irritation“ – Der Film“

Das Text- und Illustrationslabor 1-2015

Ein Gemeinschaftsprojekt der Künstlerin Livia Scholz-Breznay und mir geht in ein weiteres Jahr:  Im Rahmen des ersten Text- und Illustrationslabors 2015 bereiteten sich im Rahmen des Vorstudiums der DEKART junge Erwachsene auf ihre Eignungsprüfungen für Studien- und Ausbildungsgänge im kreativ-gestalterischen Bereich vor. Neben der Entwicklung geeigneter Mappenbeiträge wurden die persönlichen Biografien und wichtige Impulse für die eigenen künstlerischen Motivationen erforscht und im Zusammenhang mit dem angestrebten Studiengang bildnerisch (siehe Beispiele unten) und in Textform (Motivationsschreiben, Bewerbungsschreiben) umgesetzt.  Das Spiel und die Reflektion zwischen Wort, Storytelling und Bild führten dabei auch dieses Mal zu interessanten Ergebnissen. ÜBRIGENS: Das Text- und Illustrationslabor steht neben angehenden Studenten allen anderen Interessierten zwischen 13 und 99 offen. Persönliche Vorlieben und Schwerpunkte zwischen Schreiben und Gestalten finden dabei individuelle Berücksichtigung. Das Seminar findet mindestens einmal jährlich in den Fastnachtsferien bzw. Herbstferien statt. Anmelden kann man sich bei der VHS Reutlingen.

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P1060896 Weiterlesen „Das Text- und Illustrationslabor 1-2015“

Begegnung mit mörderischen Schwestern

Die ganze Unternehmung stand unter keinem guten Stern. Zwar schien erst alles geregelt, dann streikten die Lokführer. Ich hatte mir ausgemalt,  im Zug zu schreiben. Schreiben würde ich, den ganzen Weg, hin und zurück, vorbei an Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Frankfurt undsoweiterundsofort. Manch einer soll  ja schon längere Erzählungen, vielleicht sogar einen Kurzroman, auf einer einzigen Zugfahrt fertiggestellt haben, redete ich mir ein.

Aber dann kam es doch ganz anders und ich musste mich hinters Steuer setzen.

Um die Sache interessant zu gestalten, hätte wenigstens das zu einem Abenteuer mit widerwärtigem Wetter und Staus von zwanzig Kilometer Länge führen müssen.  Aber nein, dramaturgisch gesehen war auch das ein totaler Reinfall: Um halb sechs losgefahren brach keine einzige der von den Medienpropheten angesagten Katastrophen auf Deutschlands Straßen über mich herein. Ganz im Gegenteil: Gegen halb neun brach die Sonne aus dem Nebel und ich hielt ein kleines Schläfchen auf einer Raststätte im Siegerland.

Ich sollte die mörderischen Schwestern in einem Hotel in Unna treffen, wo ihre diesjährige Hauptversammlung stattfand. Nun hatte ich selbstverständlich ein Hotel vor Augen, das dieser Vereinigung eine angemessene Kulisse bieten würde. Muffige Gerüche, Spinnweben. Solcher Kram. Zufall oder nicht: Genau so ein Hotel ist Teil einer der Geschichten, für die mir die mörderischen Schwestern in diesem Sommer ihr erstes Arbeitsstipendium zugesprochen hatten (der Anlass für diese Reise, nur ganz nebenbei bemerkt):

„Sehen Sie, mein verehrter imaginärer Leser, als Schriftsteller bemüht man sich im Leben wie im Schreiben vorzugsweise um einen gleichförmigen Takt, eine Symmetrie des Denkens und der Routine. Es ist nicht weiter wichtig, ob einschneidende oder gar verstörende Ereignisse die Taktschläge bilden, wichtig allein sind Gleichmäßigkeit und angemessene Pausen, die man mit Schreiben füllt. Dieses sehr altmodische Hotel scheint mir dafür außerordentlich gut geeignet. Verwinkelte, mit Rosentapeten ausstaffierte Zimmer, Flure, auf denen der Teppichboden von unzähligen Schritten fadenscheinig geworden ist, gemeinschaftliche Toiletten und Bäder auf jedem Stockwerk.“ Weiterlesen „Begegnung mit mörderischen Schwestern“

Nanowrimo, der ganz normale Schreibwahnsinn…

Es ist wieder so weit. Heute war unser erstes Treffen bei Unterwegs e.V. in der Wilhelmstraße 3 in Tübingen, wo wir uns während des Monats wohl regelmäßig Samstags um 11 einfinden werden. Danke an Beth und alle Mitarbeiter von Unterwegs für Kaffee, Pancakes und Gastfreundschaft!

Wie Kinder auf Halloween freuen sich Kreative und Fantasten, denen der Alltag zu wenig Spielraum lässt, alle Vielschreiber mit ausgeprägtem sportlichen Ehrgeiz und die vielen ausgepowerten Berufsschreiber, die eine Pause von Ernsthaftigkeit und hartem Überarbeiten brauchen, auf das alljährliche Novemberschreiben, den National Novel Writing Month. In einem Monat einen kleinen (wenn auch unvollkommenen) Roman von 50 000 Wörtern zustande zu bringen ist eine Herausforderung, die immer mit viel Spaß und Anstrengung verbunden ist – eine Gesundheitskur für Fantasie und Hirn. Alles da drin wird beim ungebremsten und unzensierten Schreiben gründlich durchgeklopft, -gespült und -gelüftet. Im Dezember fühlen sich dann alle Teilnehmer zugleich erschöpft, entspannt und glücklich. Mehr zum Nanowrimo unter http://nanowrimo.org/

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Der Brief aus Schottland

Vor ein paar Tagen ist der Brief endlich ins Haus geflattert. Nein, keine Mail, ein echter Brief aus dickem, beigen Briefpapier mit Wasserzeichen und dem Konterfei der Queen auf der taubenblauen Briefmarke:  Der Bescheid des Hawthornden International Retreat for Writers. Den Brief endlich aufzumachen war gar nicht so leicht, zu sehr hatte ich mir gewünscht, für eines der Aufenthaltsstipendien 2015 ausgewählt zu werden – und zu sehr fürchtete ich mich davor, enttäuscht zu werden. Doch manchmal werden Stoßgebete erhört. Was ich nicht zu hoffen gewagt hatte, ist eingetroffen. Ich darf mich doch tatsächlich im nächsten Jahr auf einen Monat ungestörter Schreibzeit auf dem malerischen Hawthornden Castle in Midlothian freuen! Bis dahin heißt es nun sich vor-freuen, abwarten und Tee trinken.

Es gibt Zeiten, da ist der Himmel eines Schreiberlings leuchtendblau wie die schottische Flagge…

 

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Rumors Bildserie

Der Fünfte Nordhessische Autorenpreis stand unter dem Motto: „Himmel, Hölle, Heimatkunde“. Der Wettbewerb verzeichnete einen Rekordzugang an Einsendungen – und so ist es umso erfreulicher, dass meine Erzählung „Rumors Bildserie“ es in die Endrunde der besten Sieben geschafft hat und im kommenden Jahr in der gleichnamigen Anthologie veröffentlicht wird. Aktualisierung: „Rumors Bildserie“ hat eine weitere Jury überzeugt: Diesmal ist der Text unter den ersten Zehn beim Förderpreis des Lionsclub Hamburg-Moorweide, der in diesem Jahr unter dem Motto „Spinnweben“ stand. Auch hier wird es eine Anthologie geben, die am 27.05.2015 im Warburghaus Hamburg öffentlich präsentiert wird.

„Rumors Bildserie“ ist die Geschichte eines Abtrünnigen, der Zeuge eines Verbrechens wird. Am Ende muss sich der Protagonist zwischen Geschwisterliebe und Gerechtigkeit entscheiden. Eine schwere Prüfung, wie sich herausstellt, obwohl er sich doch längst von seiner Familie und „denen da drüben“ losgesagt zu haben glaubte:P1040646

Bild 1-3, Nachtaufnahmen. Stativ. ISO 100. Man kann sehen, wie in der Hagrosenhalde die Lichtkegel der Taschenlampen über Hauswände gleiten, durch wogende Baumkronen, an dunklen Buchsbaumhecken entlang. Das ist die Meute der Heuchler, die sich jetzt jede Nacht zusammenrottet. Ihr Anführer Rombach-Knaus hat der Lokalzeitung ein Interview gegeben und gesagt, dass ihre Patrouillengänge „zur Beruhigung der verunsicherten Nachbarschaft beitragen“. Schwachsinn. Jede Ecke da drüben ist gespickt mit Sicherheitstechnik.

Was man nicht sieht: Wie mir kotzübel wird, als ich noch einen Schluck aus der Wodkaflasche nehme, wie mir die ganze verfluchte Aussicht entgegenkippt, das Setting eines Videospiels, ein grenzenloser Bildschirm. Die protzigen Villen, die Pools in den Gärten, türkisfarben und leuchtend, die gepflasterten Auffahrten, in denen Scheinwerfer aufflammen, während der Trupp weiterwandert.“

Vom Fußball und Hollywood

Heute ist es so weit: Es wird sich erweisen, ob es für unsere Nationalmannschaft ein Happy End oder doch eine dramatische Wendung geben wird, die sich der Autor bis ganz zuletzt aufgehoben hat. Wäre der Fußballgott ein Schriftsteller und ich eine Literaturkritikerin so müsste ich angesichts dieser Weltmeisterschaft in Lobeshymnen ausbrechen, denn sie hat uns alles geboten, was eine gut erzählte Geschichte ausmacht. Schon vor Beginn das Aufbegehren der durch das Spektaktel Benachteiligten, der Sturz einstiger Helden zum Auftakt, dann große Gesten und flatternde Banner, sowohl gerechte als auch ruchlose Szenen auf dem Schlachtfeld, ehrliche Tränen und falsche Töne, Verbannung und Verletzungen, Jubel und  Ekstase.

Und nun also der große Showdown.  Zur Hölle mit der Tatsache, dass eine letzte Wendung für die Geschichte besser wäre. Zur Hölle mit dem Anspruch. Ich will Hollywood. Ich will mein Happy End.

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