Die Zähmung der Null – ein Rückblick

Es war die Präsentation der neuen Anthologie des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden Württemberg und gleichzeitig die eines außergewöhnlichen Kunstprojekts der Geschwister-Scholl-Schule Tübingen, die in der Gestaltung des Buchcovers mündete. Ein wunderbarer Abend mit Kollegen, die man zu selten sieht (danke, Christa Degen!), einem lebhaften und interessierten Publikum, Marmorkuchen, Schaumwein und Würstchen im Schlafrock.

Der eigentliche Star des Abends jedoch war dieser Ort, dem man sich nicht entziehen konnte.

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Heute! LiteRatten und Barazi & Her Boys – Kulturnacht Tübingen

24.5.2014: Liebe Blogfreunde und Kulturnachtbegeisterte, P1040535-1

gestern war unser letzter Probeabend für unseren Kulturnachtauftritt. Jetzt geht es endlich los und wir freuen uns, alle Liebhaber guter Jazzmusik und brandneuer Texte zu uns einladen zu dürfen.

Zeit: Musikalische Lesung 1 beginnt um 20 Uhr

die zweite Runde schließt sich um 21.00 Uhr an

Zur Beachtung: Die Texte in Lesung 1 und 2 wiederholen sich, die Musik wird variiert.

Ort: Gemeindezentrum St. Johannes Tübingen
Bachgasse 5
72072 Tübingen

Der Veranstaltungsraum  ist barrierefrei.

Unser Proberaum war das eher nicht, wie man hier sehen kann (Foto  1 und 6: Raphaela Weber)

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Die Himmelslaternenverordnung

Aus dem Gemeindeboten:

„Das Aufsteigenlassen von Himmelslaternen ist jedoch grundsätzlich gemäß einer am 24.1.2012 in Kraft getretenen Polizeiverordnung des Innenministeriums zur Verhütung von Gefahren durch unbemannte ballonartige Leuchtkörper (Himmelslaternenverordnung) verboten. P1000008

Die Zähmung der Null

Im Juni wird die neue Anthologie des Förderkreises Deutscher Schriftsteller in BadenWürttemberg unter dem Titel „Die Zähmung der Null“ erscheinen. Darin enthalten sind Texte der im vergangenen Jahr für eine Förderung ausgewählten Autoren, unter anderem ein Auszug aus meinem aktuellen Romanprojekt (ein Zitat daraus finden Sie unten).

Schüler des Kunstprofils der Klasse 10 des Gymnasiums an der Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen konnten Entwürfe für die Einbandgestaltung einreichen, die jetzt zusammen mit dem Buch präsentiert werden.  Weiterhin wird es eine Lesung mit Markus Orths geben. Die Vernissage findet am 3.Juni 2014 um 19.00 Uhr  in der Güterhalle des alten Güterbahnhofs  (Eisenbahnstraße 21 in 72072 Tübingen) statt. (Der Eingang liegt  auf der Rückseite der Halle, Parkplätze gibt es in ausreichender Zahl vor dem Gebäude.) Alle Interessierten sind eingeladen zu dieser besonderen Veranstaltung an einem ungewöhnlichen Ort.

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Die Straße war ein zugiger Korridor, abschüssig und menschenleer, der in einen Abgrund aus Wolken und Licht mündete. Auf diesen Fluchtpunkt ging Beck zu, während ihm der Wind die Haare aus der Stirn blies. Er fühlte sich jetzt besser. Allmählich schoben sich Bilder der Stadt in sein Bewusstsein, bruchstückhaft und fremd. Manche der alten Häuser schienen vor unbestimmter Zeit von den Bewohnern verlassen worden zu sein. Vor anderen lag Spielzeug aus grellbuntem Plastik, auf Stufen, die zu zerschrammten Türen führten. In mehreren Eingängen standen Topfpflanzen als hätten sie sich dorthin vor dem Wind geflüchtet, manche kümmerlich, manche wie exotische Miniaturinseln, üppig und dicht. Hoch oben, auf Simsen, Mauerabsätzen und zwischen den Kaminen, drängten sich die Nester der Möwen. Die Dächer waren weiß gesprenkelt vom Kot. Brutpaare machten durch ihr Geschrei deutlich, wem die Straße wirklich gehörte. Das vorletzte Gebäude auf der rechten Straßenseite, ein schmales, hoch aufragendes Haus, war zu vermieten. Das Schild des Immobilienmaklers pries den Seeblick aus Klippenhöhe, doch tatsächlich versperrte die düstere Rückseite eines alten Hotels den Großteil der Aussicht.“

(Aus: Hotel Royal. In: Die Zähmung der Null. Förderband 13, Karlsruhe,  2014)

 

 

Lesenacht in der Stadtbibliothek Schwenningen

Unter dem Motto ‚Nacht der Lieblingsbücher‘ findet am Mittwoch, 30. April, von 20 bis 23 Uhr in der Stadtbibliothek am Muslenplatz die erste Lesenacht für Erwachsene statt. An diesem Abend stellen Persönlichkeiten aus Villingen-Schwenningen und Umgebung anlässlich des Welttags des Buches ihr Lieblingsbuch vor. Dieses Gemeinschaftsprojekt entstand durch die Zusammenarbeit von drei Studentinnen der Hochschule Furtwangen University mit der Stadtbibliothek Villingen-Schwenningen. Der Eintritt zur Lesenacht ist frei.

Beteiligt sind Persönlichkeiten aus der Region wie der Oberbürgermeister der Doppelstadt, Dr. Rupert Kubon, Landrat Sven Hinterseh, Dr. Lucy Lachenmaier, Dozentin an der Fakultät Wirtschaft der Hochschule Furtwangen und Direktorin des Studienschwerpunktes „Hispanische Welt“,  sowie Christof Weiglein, ein weiterer Autor aus der Region.  Weitere Infos zur Lesenacht und den vorgestellten Büchern finden Sie hier.

Ich selbst werde bei der ‚Nacht der Lieblingsbücher‘ aus dem Erzählband ‚Nicht das Ende der Welt‘ von Kate Atkinson vorlesen. Diese hierzulande wenig bekannten Geschichten treffen den Leser ins Mark, eben weil ihre größte Kraft zwischen den Zeilen lauert. Unter der eigentlichen Story liegen so viele feine Bedeutungsschichten, dass mehrmaliges Lesen zu immer neuen Entdeckungen führt – denn was nur angedeutet oder sogar ausgespart wird, wächst in der Vorstellungskraft des Lesers und wird übermächtig.

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Story Pics London II – Trugbild

P1040779 Es war bloß auf einem seiner gewöhnlichen Streifzüge gewesen. Er hatte das Kraftwerk fotografiert, die sich auffächernden Schienenstränge am nahegelegenen Bahnhof und eben jene Feuertreppe an der Rückseite eines unscheinbaren Backsteingebäudes in der High Street.

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Er bevorzugte Metallkonstruktionen. Er liebte ihre unmissverständliche Klarheit. Auch mochte er die vielen Farbtöne, die zum Vorschein kamen, wenn der Lack abzublättern begann und der Rost erblühte.

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Im Grunde vermied er es, Menschen zu fotografieren. Es wäre ihm peinlich gewesen. Er ließ sich selbst nicht gerne ablichten und wollte es auch niemand anderem zumuten. Dass ihm jemand auf das Bild geraten war, entdeckte er erst am Abend, als er die Qualität seiner Aufnahmen auf dem Bildschirm überprüfte und dabei Details heranzoomte. P1040780cSie war nur ein Detail. Sie war nur ein Schemen hinter einer Milchglasscheibe. Aber ihr unbestimmter Blick setzte sich in ihm fest. Als er in jener Straße nachfragte, sagte man ihm, dass die betreffenden Räume, in denen ein Fitnesscenter untergebracht gewesen war, schon seit Monaten leer stünden und für niemanden zugänglich seien. Niemand erkannte die Frau auf dem Bild, als er es herumzeigte.

Nachdem er alles versucht hatte, gab er etwa eindreiviertel Jahre später seine Suche nach der Frau auf. Jetzt versuchte er nur noch, ihr Trugbild heraufzubeschwören, indem er das Haus und die Feuertreppe wieder und wieder fotografierte, zu ganz unterschiedlichen Tageszeiten, bei verschiedenen Wetterlagen und Lichtverhältnissen. Er fotografierte kaum noch ein anderes Motiv.

Doch sie erschien ihm nie wieder.

 

StoryPics London I

 

© a.l.,2014Als Samuel Schwartz nach fast zwei Jahrzehnten wieder vor dem Laden seines Vaters stand, wollten sich keine sentimentalen Gefühle einstellen. Nicht nur der Laden war verlassen. Fast alle Gebäude in der Straße schienen unbewohnt.

P1040751Die frühen Arbeiten der im Untergrund tätigen Künstlergruppe Flash Trash zeichneten sich dadurch aus, wie subtil sie sich ins Stadtbild einfügten. P1040730Bald entstanden aufwändigere Installationen aus unterschiedlichsten Materialien. Die Gruppe geriet dadurch zunehmend ins Visier der städtischen Ordnungsbehörden.

P1040728Abfalltüten blieben ein Markenzeichen der Gruppe, die sich nicht nur in künstlerischer, sondern auch in politischer Hinsicht radikalisierte. Erklärtes Ziel war die weltweite Verordnung des allgemeinen und verbindlichen Recyclings aller Materialen. Samuel Schwartz gehörte zu den Rädelsführern der ersten Stunde, dessen Spur sich inzwischen wieder verloren hat.

 

Agatha-Christie Krimipreis: Heute hier, morgen Mord

Eben erschienen: Das Buch mit den für den Agatha-Christie-Krimipreis nominierten Einsendungen 2014 bei S.Fischer als Taschenbuch und als Fischer E-Book.

Darin findet sich mein Text  „Unaussprechlich“ (Hommage an Margaret Thatcher):

Die Vorstellung bereitet mir großes Vergnügen, wie Sie, mein verehrter imaginärer Leser, mit Ihrer Mitwisserschaft zurechtkämen, würden Sie diese Aufzeichnungen jemals zu Gesicht bekommen. Möglich, dass Sie daran dächten, die Behörden zu informieren. Viel wahrscheinlicher wäre es jedoch, dass Sie das soeben Festgehaltene für einen absonderlichen Auswuchs meiner schriftstellerischen Fantasie hielten. Sie würden die Idee als vollkommen absurd verwerfen, dass ein derart planvolles Vorgehen in der wirklichen Welt so lange unentdeckt bliebe.
Aber glauben Sie mir: Sie irren sich.“

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