anke laufer

wort – bild – storytelling

Archiv für das Schlagwort “Anke Laufer”

Singende Horizonte: Ein Schreibzimmer in Wales

Wales Millenium Centre, Cardiff: In These Stones Horizons Sing Foto: A.L., 2012

Wales Millenium Centre, Cardiff: In These Stones Horizons Sing Foto: A.L., 2012

 

Zusage! Rwyf mor – Ich freue mich so  – (man muss dem Online-Übersetzer auch mal vertrauen können 😉

Nun geht es im Juni für mich zum Schreiben ins landschaftlich atemberaubende Nordwales, mitten in den Snowdonia National Park, genauer gesagt nach Corris in der Nähe von Machynlleth.

Das Stiwdio Maelor  ist eine vom Arts Council von Wales finanzierte Künstlerkolonie. Bildende Künstler und Autoren aus aller Welt können sich dort für einen Arbeitsaufenthalt von einer bis hin zu acht Wochen bewerben. Es geht dem Projekt darum, den Künstlern Ateliers und Zeit zur Verfügung zu stellen, um ihre Arbeit ungestört voranzutreiben.  Ablenkungen gibt es offiziell keine – kein Internet, kein Fernseher jedenfalls – obwohl die Gesellschaft netter Kollegen, die Neugier auf deren Arbeit und die wunderschöne Umgebung wohl auch als solche gelten können.

Ich bedanke mich bei Veronica Calarco, der Koordinatorin von Stiwdio Maelor, der Auswahljury und dem Arts Council von Wales für die Unterstützung meiner Arbeit.

https://stiwdiomaelor.wordpress.com/

Hafan / Home

Advertisements

Das Text- und Illustrationslabor in den Faschingsferien

Bald ist es wieder so weit: In der kommenden Woche tauchen Livia Scholz-Breznay und ich  – zusammen mit unseren jungen Teilnehmern – wieder ab ins Text- und Illustrationslabor.

Street Art in Bogotá, Kolumbien: Spiel zwischen Wort und Bild

Street Art in Bogotá, Kolumbien: Spiel zwischen Wort und Bild

Texte zum Bild werden heute überall gebraucht, wo Kunst gemacht wird. In diesem Kurs wechseln wir zwischen Wort und Bild, setzen typografisch um, was zunächst als Bild gedacht war, bebildern fremde sowie eigene Texte/Storys und schreiben ganz neue. Das ist – nicht nur für zukünftige Kommunikations-Designer – ein wichtiges Übungsfeld, in dem sich ganz frei experimentieren lässt! Egal ob beim ersten Ausprobieren oder als Studienvorbereitung: Ihr werdet bei Euren eigenen Vorhaben intensiv von beiden Kursleiterinnen unterstützt. Den Fortgeschrittenen bieten wir als neuen Service zur Mappenvorbereitung eine Abstimmung von gestalterischen und schriftlichen Inhalten an (Anschreiben/Motivationsschreiben), was Eure Bewerbung zu einer „runden Sache“ macht.

Mo, 03.03., bis Fr, 07.03.2014, 14:00-17:15

Zur Anmeldung geht es HIER

Wales Millenium Centre, Cardiff:  In These Stones Horizons Sing Foto: A.L., 2012

Wales Millenium Centre, Cardiff: In These Stones Horizons Sing Foto: A.L., 2012

„Das Zwinkern der Venus“ ausgezeichnet

„Das Zwinkern der Venus“ ist eine Erzählung über einen jugendlichen Außenseiter, der sich vor dem Nachrichtensprecher mehr gruselt als vor Lovecrafts „Flüsterer im Dunkeln“. Er wartet  auf ein Zeichen, das er schließlich im „Zwinkern der Venus“ zu erkennen glaubt – dem flackernden Licht des Planeten am winterlichen Himmel. Was dann geschieht, wird nicht verrraten. Nur so viel: Ein Rentner samt Dackel, eine Meerjungfrau und eine Tafel Schokolade im XXL-Format, Sorte Vollnuss, werden daran beteiligt sein, ihm das Leben zu retten.

England ManchesterBeim Literaturwettbewerb der keb zum Thema „Mensch.Werden.Lernen.“ wurde meiner Erzählung jetzt der 2.Preis zugesprochen. Ich bedanke mich bei der Jury und den Veranstaltern. Die Preisverleihung samt Lesung fand am 19.April 2013 um 17.00 Uhr im Kolpinghaus in Stuttgart, Heusteigstraße 66, statt. Erster Preisträger war mein Kollege Walle Sayer (Mitte), dritte Preisträgerin war Anja Munding aus Köln (zweite von links). Weiterhin zu sehen: Dr. Michael Krämer, Literaturwissenschaftler, Leiter der keb und Initiator des Preises (links) und Gabriele Pennekamp, Vorsitzende der keb (rechts).   Preisverleihung 3. keb Literaturwettbewerb

Claudia Salden vom Schwäbischen Tagblatt schrieb dazu am 25.4.2013: „Anke Laufer war bereits 2011 unter die zehn Finalisten gekommen. `Wenn man ehrlich ist, schaut man bei so einem Wettbewerb immer auch, ob man etwas Passendes in der Schublade hat´, sagte die Schriftstellerin, der die keb-Jury eine `ethnologische Sensibilität für die Jugend´bescheinigt hat. Für die studierte Ethnologin steht eine andere Komponente ihrer Arbeit im Vordergrund: `Ich fabuliere einfach gern und schlüpfe dabei in unterschiedliche Rollen. ´“

Die prämierten Texte sowie eine weitere Auswahl erscheinen demnächst im Rahmen der Stuttgarter Hefte.

„Die Irritation“ ist Kultschatz der Kult-Literaten

Kult-Literaten – der Blog für Kultautoren, Popliteratur und Independent –  hat „Die Irritation“  besprochen:

„(…) Es sind Geschichten, denen es mit dem ersten Satz gelingt, den Leser auf eine fesselnde Reise mitzunehmen. Erzählungen, die zwar in ein paar Minuten gelesen sind, aber sehr lange nachhallen. Geschichten, die zu neuen Geschichten inspirieren. Texte, von denen man nicht weiß, wie sie enden werden und die einen immer wieder überraschen. Ereignisse, die man mit sich nehmen wird. (…)  Laufer kennt keine Grenzen, lässt Gegenwart mit Vergangenheit und Zukunft verschwimmen, verschmilzt die Psyche der Figuren mit ihrer umliegenden Realität zu einer wirklichen Irritation. Erschafft Geschichten, die erstaunen, fremd sein müssten, aber es nicht sind. (…) Anke Laufer nimmt mit ihrer bildhaften und brillanten Sprache den Leser mit in fremde und doch vertraute Welten. Inspirierend und trotz verstörender Schicksale wunderschön. Unbedingt Lesen!“

Die gesamte Rezension finden Sie unter: http://www.kult-literaten.de/irritation

Weitere und neue Rezensionen finden Sie unter: http://www.amazon.de/product-reviews/3935259301/ref=cm_cr_dp_see_all_btm?ie=UTF8&showViewpoints=1&sortBy=bySubmissionDateDescending

 

Die Irritation – ein Lieblingsbuch des Wiener Büchermagazins Eselsohren

Das Online-Büchermagazin Eselsohren hat „Die Irritation“ unter seine Lieblingsbücher vom Juni 2012 gewählt: http://www.eselsohren.at/2012/07/01/unsere-lieblingsbucher-vom-juni-2/

Aus der Besprechung von Chefredakteur Werner Schuster:

„Lesen ist Abenteuer im Kopf“ lautete einmal ein Slogan, der die Lesekultur ankurbeln sollte. Wenn dieser Slogan auf ein Buch zutrifft, dann auf „Die Irritation“ von Anke Laufer. Bei deren Erzählungen kann man sich nämlich nie sicher sein, wohin die Reise geht. Meistens findet man sich unweigerlich im Ungewissen, Unheimlichen wieder. (…) Bei anderen Erzählungen ist die Sachlage klarer, dennoch wird man vom Fortgang der Handlung überrascht. Warum hat in „Die Irritation“ die nette alte Dame das verliebte Mädchen vom Schiff ins Meer gestoßen? Wie hätte die Frau in „Der Papiervater“ verhindern können, dass ihr die Tochter die Schuld daran gibt, dass der Vater die Familie verlassen hat? (…)  Die Menschen bewegen sich bei Laufer auf sehr dünnem Eis.

Eine Rezensentin auf amazon:

„Solche Geschichten erzählt uns die Autorin und führt uns in Welten, die uns so lange fremd erscheinen, bis wir merken, wie irritierend nah sie neben der gewöhnlichen Alltagswelt liegen.Der brustwarzengepiercte Alleinunterhalter und die nicht nur vom Schlachthausgeruch traumatisierte Adoptivtochter; der Hundertjährige in der Zukunft, der dafür lebt, sich immer neue Ersatzteile implantieren zu lassen und der Klomann, der sich ein Kind leistet, „trotzdem“; die Forscherin aus einer zukünftigen Kinder-Diktatur, die in einem prächtigen Hotel aus vergangener Epoche mit Alter und Vergänglichkeit konfrontiert wird; die Kosmetikerin, die tote Männer, Frauen, Kinder in einem Saal unter dem Fluß schminkt … Sie treten auf unsere innere Bühne, wir sehen sie „am Klippenrand“ oder in einer Zwischenwelt und erkennen sie als Stellvertreter für unser eigenes inneres Theater. Nicht immer läßt die Vergangenheit, die nicht vergangen ist, ein versöhnliches Ende zu, in dem der Himmel „zu leuchten, dann zu brennen beginnt, in tiefem Rosarot“.Fazit: Anke Laufer erfüllt, was in einer ihrer Geschichten über einen verbotenen Autor gesagt wird: „Es ist diese Stimme. Es ist die Art, wie (seine) Worte sich auf der Buchseite in Bewegung setzen und die Sätze beim neuerlichen Lesen in etwas ganz anderes verwandeln.“ (Bonifacia) Die gesamte Rezension finden Sie unter: http://www.amazon.de/product-reviews/3935259301/ref=cm_cr_dp_see_all_btm?ie=UTF8&showViewpoints=1&sortBy=bySubmissionDateDescending

Forum Würth in Arlesheim bei Basel – ein Gespräch zum Würth-Literaturpreis

             

Ein warmer Frühsommerabend in Arlesheim bei Basel – das Forum Würth hatte am 10.5. zu einem Gespräch zwischen Prof. Hans-Ulrich Grunder und mir über den Würth-Literaturpreis geladen. Inmitten der Ausstellung „Liebe auf den ersten Blick“ (mit Werken von Max Liebermann, Max Beckmann, Pablo Picasso, Max Ernst, Paul Klee, Roy Lichtenstein, David Hockney, Gerhard Richter und Anselm Kiefer) berichteten wir beide jeweils aus der Sicht der Jury und der einreichenden Autoren.  Daraus wurde ein abwechslungsreiches, von zahlreichen Anekdoten durchbrochenes Ping-Pong-Spiel, das dem Publikum einen lebendigen Einblick in die Welt der Literaturwettbewerbe gab.

Während ich selbst von den jeweils sehr unterschiedlichen Entstehungsgeschichten meiner vier Würth-Texte berichtete und damit die Frage nach dem „Woher“ der Ideen zu beantworten versuchte, erzählte Hans-Ulrich-Grunder unter anderem von den entscheidenden Treffen der Jury im Tübinger Hölderlinturm und dem schrittweisen Ausscheidungsverfahren, das die Siegertexte nach und nach einkreist. Wir versuchten, den Charakter eines guten Wettbewerbstextes ebenso zu beschreiben wie die letztendlich unberechenbare Vielfalt der Einsendungen, die zu einer bestimmten Themenstellung eingehen. Dabei stimmten wir darin überein, dass eine genaue sprachliche Durcharbeitung mindestens ebenso wichtig ist wie die Originalität einer Geschichte.  Hans-Ulrich Grunder berichtete vom diesjährigen Wettbewerb, an dem sich über 1000 Autoren beteiligt hätten. Das sei so noch nie der Fall gewesen und läge eindeutig an der Themenstellung. Das offene und eher an romantische Gefühle apellierende Thema Brigitte Kronauers „Es gibt eine Zeit der Sehnsucht, wo ihr Gegenstand noch keinen Namen trägt“ habe dazu geführt, dass sehr viele sich inspiriert fühlten. Bei spröden Themenstellungen wie jenem, das Peter Esterhazy seinerzeit mit dem „Kuttelkompromiss“ verkündete, sei die Anzahl der Einsendungen erheblich geringer.  Auch die Qualität der eingereichten Texte variiere daher bei einem offeneren  Thema sehr viel stärker.
           

Die „Stimmigkeit“ der Gesamtgeschichte in Stil und Tonfall, die emotionale Beteiligung des Lesers, Spannungsaufbau und Humor sind weitere Elemente, die zum Erfolg eines Wettbewerbstextes beitragen können. Es gibt hierzu kein Rezept, wohl aber ein paar einfache Tipps, die häufig nicht genug berücksichtigt werden. So sollte man zwar nicht sklavisch am gestellten Thema hängen (ein Literaturwettbewerb ist kein Schulaufsatz), es aber auch nicht einfach ignorieren. Auch ist es besser, sich Zeit zu lassen, um eine ungewöhnliche Interpretation des gestellten Themas zu finden, als die erstbeste und offensichtliche Variante zu wählen. Nach dem ersten Schreiben sollte noch Zeit sein, so viele Überarbeitungsschritte wie nötig einzulegen. Es ist besonders hilreich, den Wettbewerbsbeitrag in einem halbwegs fertigen Zustand mehreren kritischen und erfahrenen Lesern vorzulegen, die noch einmal viele Schwachstellen aufspüren werden. Diese kann der Autor unter Umständen selbst nicht mehr wahrnehmen, weil er den eigenen Text zu oft bearbeitet hat und nun ein wenig „betriebsblind“ geworden ist.            

Der Abend wurde abgerundet durch eine Lesung aus meinem eben erschienenen Buch „Die Irritation“. Ich las die Titelgeschichte sowie „Am Klippenrand“, den Siegertext des Würth-Preises.

Zum Abschluss meines Besuchs in Arlesheim brach ich am nächsten Morgen ganz früh zu einem wunderbaren Spaziergang durch die Ermitage auf – einem bereits 1785 angelegten, wunderbaren Landschaftsgarten. Weiterlesen…

Jetzt mit den genauen Daten!

anke laufer


Wie arbeitet die Jury eines renommierten Literaturwettbewerbs? Welche Auswirkungen hat die Themenstellung auf die Qualität der eingereichten Texte? Welche kreativen Prozesse werden angesichts von festen Vorgaben (wie Thema, Umfang des Textes und Umfeld/Charakter eines Literaturpreises) eigentlich bei den Autoren in Gang gesetzt? Und was passiert, wenn es tatsächlich geklappt hat und der ersehnte Preis gewonnen wurde?

Diesen und anderen Fragen werden Hans-Ulrich Grunder und ich während eines Gesprächs nachgehen. Professor Grunder ist Erziehungswissenschaftler und langjähriges Mitglied der Jury  des Würth-Literaturpreises, ich selbst war Preisträgerin 2011.

Der Würth Literaturpreis, 1996 ins Leben gerufen, wird seither am Ende jeder Tübinger Poetik-Dozentur ausgeschrieben. Das Thema stellt der/die jeweilige Poetikdozent/in in der letzten der Tübinger Vorlesungen.

In den letzten Jahren waren unter den Poetik-Dozenten Daniel Kehlmann, Ilija Trojanow, Jonathan Franzen, Susan Sontag und die Nobelpreisträger Herta Müller und Günter Grass.

Zur Teilnahme aufgerufen sind alle Autorinnen und Autoren, die sich literarisch-produktiv mit dem gestellten…

Ursprünglichen Post anzeigen 112 weitere Wörter

Stelldichein der Schemen

a.l.,2010

“Wer ist Gruber?” fragt Nelly, als sie am nächsten Tag den Rollstuhl mit der alten Frau  vor sich her in den Wintergarten schiebt. Keine Antwort. Sie stellt den Rollstuhl an Ednas Lieblingsplatz und zieht für sich selbst einen der Korbstühle heran.

“Wer also ist Gruber?” fragt sie noch einmal.

Edna starrt durch sie hindurch. Nelly fragt sich einmal mehr, ob sie ihre Frage nicht verstanden hat oder nicht hören will.

“Da ist ein Dachreiter auf dem Haus”, sagt Edna plötzlich, “Ein Indianer. Er zielt mit Pfeil und Bogen auf das Meer hinaus.”

“Auf dem Dach des Hauses mit dem Namen Laterna Magica?”

Edna nickt. “Mein Bruder nennt ihn Winnetou.”

“Das Haus lag also am Meer?”

“Oh – ja, natürlich!” Edna hat etwas Wesentliches wiedergefunden. “Immer habe ich Sand zwischen den Zehen. Es sind unsere Ferien. Neunzehnhunderteinundzwanzig.”

“Und Gruber?”

Edna schlägt mit der flachen Hand auf die Armlehne des Rollstuhls. “Er lässt mich nicht in Ruhe”, sagt sie. “Er kann einfach keine Ruhe geben. So wie die Zwillinge. Genau wie die Zwillinge.”

“Waren die Zwillinge auch dort, in diesem Haus?”

Edna kneift die Augen zusammen.

“Die Zwillinge sitzen im Speisesaal am Nebentisch. Sie schmatzen. Sie furzen sogar. Ich habe mich beschwert.”

Edna isst jetzt allein zu Mittag, weil sie das so will. Ein Plastiktablett liegt vor ihr auf dem Tisch, darauf unterschiedlich geformte Schälchen. Das Plastikförmchen mit dem Fischfilet ist groß und rechteckig, das mit dem Brokkoli-Möhren-Gemüse klein und rund, das mit dem Reis quadratisch.

“Alles hübsch angerichtet”, bemerkt Nelly, aber Edna wirft dem Tablett einen abschätzigen Blick zu, greift dann nach dem nierenförmigen Puddingschälchen und dem Dessertlöffel. Der Pudding ist rosa und gelb, Erdbeere und Vanille. Edna isst langsam. Ihre Hand zittert. Vanillepudding bleibt ihr im Mundwinkel hängen. Nelly wendet den Blick ab, steht auf und sagt, sie werde sich einen Kaffee holen. Edna antwortet nicht.

Draußen, auf dem Flur, riecht es schwach nach Urin, Pfefferminzpastillen und Allesreiniger. Nelly lässt sich den Weg zum Kaffeeautomaten erklären, verläuft sich aber anschließend doch, weil jeder der Flure wie der andere aussieht. Schließlich findet sie den Automaten in einem dämmrigen Nebenraum, wo auch eine Voliere untergebracht ist. Kanarienvögel fliegen umher, picken Körner auf, wetzen die Schnäbel an den Sitzstangen. Zwei alte  Frauen, einander verblüffend ähnlich, sitzen dicht vor dem Gitter. Ein einzelner Vogel beginnt zu singen.

“Das ist Caruso. Dort oben, auf dem Ast, beim Pickstein.”

“Nein, du irrst dich. Das ist Pavarotti.”

“Unsinn! Ich werde doch unseren Caruso erkennen.”

“Ich sage dir, das ist nicht Caruso. Carusos Gesang ist viel eleganter.”

Die gleichen, dunkelblauen Strickkleider, derselbe Lippenstift, zwei karmesinrote Münder in den schlaffen, weißen Gesichtern. Das also sind sie, die Zwillinge, denkt Nelly.

“Guten Tag, meine Liebe”, sagt eine der beiden.

“Sie sind es also”, sagt die andere. “Die Schriftstellerin.”

Nelly nickt.

“Hat sie es Ihnen schon gesagt?”

“Was denn?”

“Wann Sie an der Reihe sind.”

“An der Reihe?”

“Man sagt, sie weiß, wer von uns als nächstes an der Reihe ist”, sagt eine der beiden.

“Oh, ja, das weiß sie, ganz gewiss”, fügt die andere eifrig hinzu, “Sie kennt sich aus mit den Toten.”a.l., 2009

Aus: Stelldichein der Schemen. Erzählung. Erscheint Ende April 2012 in: Anke Laufer: „Die Irritation“ worthandel : verlag, Dresden. Bereits vorbestellbar!

„Schreiben, einreichen, gewinnen?“ Ein Gespräch zum Würth-Literaturpreis


Wie arbeitet die Jury eines renommierten Literaturwettbewerbs? Welche Auswirkungen hat die Themenstellung auf die Qualität der eingereichten Texte? Welche kreativen Prozesse werden angesichts von festen Vorgaben (wie Thema, Umfang des Textes und Umfeld/Charakter eines Literaturpreises) eigentlich bei den Autoren in Gang gesetzt? Und was passiert, wenn es tatsächlich geklappt hat und der ersehnte Preis gewonnen wurde?

Diesen und anderen Fragen werden Hans-Ulrich Grunder und ich während eines Gesprächs nachgehen. Professor Grunder ist Erziehungswissenschaftler und langjähriges Mitglied der Jury  des Würth-Literaturpreises, ich selbst war Preisträgerin 2011.

Rosa ist das Grau der Optimisten

rosa ist das grau der optimisten

Der Würth Literaturpreis, 1996 ins Leben gerufen, wird seither am Ende jeder Tübinger Poetik-Dozentur ausgeschrieben. Das Thema stellt der/die jeweilige Poetikdozent/in in der letzten der Tübinger Vorlesungen.

In den letzten Jahren waren unter den Poetik-Dozenten Daniel Kehlmann, Ilija Trojanow, Jonathan Franzen, Susan Sontag und die Nobelpreisträger Herta Müller und Günter Grass.

Zur Teilnahme aufgerufen sind alle Autorinnen und Autoren, die sich literarisch-produktiv mit dem gestellten Thema auseinandersetzen wollen. Für die Ausschreibung 2010/2011 wählte die Poetikdozentin Juli Zeh das Thema ‚Rosa ist das Grau der Optimisten.‘ Mein Text „Am Klippenrand“ gewann den ersten Preis,  nachdem ich es mit drei anderen Texten in den letzten Jahren bis in die Anthologie geschafft hatte. War das Glück, Hartnäckigkeit, Fleiß, Gespür?  Auch dazu kann sich das Publikum wohl am Ende des Abends eine Meinung bilden.

An diesem Abend werde ich auch meinen Erzählungsband „Die Irritation“ präsentieren, der unter anderem alle meine vier Würth-Texte enthält.

Austausch-Apero im Anschluss

Termin: Donnerstag, 10.Mai 2012

Eintritt frei

Anmeldung erwünscht

Forum Würth Arlesheim
Würth AG
Corporate Communications
Dornwydenweg 11
CH-4144 Arlesheim
T +41617059118
F +41617059122

forum@wuerth-ag.ch

www.wuerth-ag.ch


						
					

Das Reisetagebuch – Erinnerungen kreativ bewahren

Der besondere Samstagskurs an der Volkhochschule Reutlingen mitten in der schönsten Reisezeit – zwischen den Oster- und den Pfingstferien!

Wie duftete es auf diesem Markt? Wie war es, das Gefühl, da oben auf dem Berggipfel? Was habe ich geträumt, damals, während dieses Schläfchens am Strand?

Ferientage sind nur scheinbar unvergesslich – zwischen Schnappschüssen geht vieles verloren. Aber  Fundstücke, Texte und Fotos lassen sich zu wunderbaren Erinnerungsbüchern verarbeiten. Welche Gestaltung und Form wir für diese Bücher wählen, bleibt ganz uns überlassen. In diesem Kurs gilt es, die eigene Form dafür zu finden und eine erste Planung in Angriff zu nehmen.

Dabei geht es nicht um das Spektakuläre, sondern darum, die ganz eigene, sehr persönliche Sicht auf das „Besichtigte“, auf Land und Leute zu entwickeln und zu sehen, welche Art des Schreibens sich dafür eignet – ob der witzige Fotokommentar, die rasch dahingeworfenen Zeilen am Caféhaustisch, die schlaglichtartige „2-Minuten-Impression“, oder der an ruhigen Abenden bei einem Glas Wein verfasste ausführliche Text, in dem man all das Erlebte, all die Sinneseindrücke und Begegnungen noch einmal Revue passieren lässt.

Häufig ergibt sich dann ganz von selbst ein Endprodukt: das später immer wieder durchblätterte Familienalbum, das intime und liebevoll gestaltete Buch, der Internet-Blog oder vielleicht sogar der veröffentlichungsreife Reisebericht.

Wir lesen Beispieltexte bekannter Autoren, kombinieren als Einstieg kleine Schreibübungen mit Fantasiereisen und planen Struktur und Gestaltung unserer Bücher.

Bitte mitbringen: Skizzen- /Notiz – /Tagebuch blanko unliniert, ab DIN A5 oder größer  – ganz nach eigenem Geschmack.

Anmeldung bei der Volkshochschule Reutlingen unter  Telefon 07121 336-0 oder per Online_Formular unter:

http://www.vhsrt.de/Fachbereiche/Kunst%2C+Kultur%2C+Kreativit%C3%A4t.html 

Beitragsnavigation