Klauber unter Übersetzer*innen

Zu Gast bei der Literary Translation Summer School an der Universität Bristol

Mit guten Übersetzer*innen geht es mir wie mit guten Lyriker*innen: Ich bewundere und liebe sie für ihre Geduld, ihre Sorgfalt, ihre Fantasie und für ihre Hartnäckigkeit beim hingebungsvollen Umgang mit Sprache. Auch der Ich-Erzähler in meiner Geschichte „Klauber und die Füchsin“ lässt sich wohl zu diesem Menschentypus zählen.

So war es eine wunderbare Überraschung, als mich vor ein paar Wochen die Übersetzerin Ruth Martin kontaktierte. Sie fragte mich, ob ich bereit wäre, im Rahmen der Literary Translation Summer School der Universität Bristol den Teilnehmer*innen ihres Übersetzungsseminars Fragen zu genau diesem Text zu beantworten. Sie habe „Klauber und die Füchsin“ ausgewählt, sagte sie mir später, weil er „jedes klassische Übersetzungsproblem enthielte, das man sich nur vorstellen könne.“ Ruth hatte die Story selbst vor zwei Jahren ins Englische übersetzt.

Ruth ist eine bemerkenswerte Übersetzerin. Es ist eine schwer zu beschreibende Empfindung, den Klang der eigenen Autorenstimme so perfekt in einer anderen Sprache wiederzufinden, nachdem sie dorthin übertragen wurde – in eine andere Sprache, die man selbst gerade gut genug spricht, um sich der eigenen Unzulänglichkeit beim Umgang mit ihr bewusst zu sein. Die Magie einer guten Übersetzung ist mir deshalb manchmal fast ein wenig unheimlich.

Tatsächlich wurde das Online-Treffen mit ihr und den Teilnehmer*innen des Übersetzungsseminars für mich zum absoluten Vergnügen: Wann hat man je die Gelegenheit, gleich zwölf Menschen zu begegnen, die sich über Tage so intensiv mit etwas beschäftigen, das man selbst geschrieben hat? Und wann darf eine Autorin schon mal ganz entspannt und ausführlich über die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe des Textes plaudern, ohne andere zu langweilen?

Ruth erzählte, die Runde habe gleich am ersten Morgen zwei Stunden investiert, um die ersten zehn Zeilen zu übersetzen. Dabei gab es offenbar gleich eine längere Diskussion um die allererste Zeile: „Meine Zehen zappeln in den Pantoffeln. Sie führen ein geheimes Leben unter grauen Filzkappen.“

„It was a very long discussion about whether his toes were wriggling, wiggling or fidgeting”, schrieb sie mir später.   

Liebe Ruth, liebe Teilnehmer*innen von Bristol Translates: It’s been a pleasure!  

Die Website von Ruth Martin finden Sie HIER: http://www.german-to-english-translation.org/

Die Website von Bristol Translates finden Sie HIER: https://www.bristol.ac.uk/sml/translation-studies/bristol-translates/

Zeichnung: A.L.

Bieler Erleuchtungen

bieler gespräche   rencontres de bienne   incontri di bienne

Die Bieler Gespräche sind ein Ort der Begegnung zwischen Autor*innen, Übersetzer*innen, Literaturwissenschaftler*innen und Leser*innen. Mehrsprachig werden hier Texte, in ihrer Entstehung und/oder in Übersetzungsvarianten diskutiert. Autor*innen und Übersetzer*innen reichen vorab – anonym – Texte auf Deutsch, Französisch oder Italienisch ein. Die ausgewählten Texte werden in den verschiedenen Werkstätten während des Treffens besprochen. Anfang Juli 2021 fanden die Bieler Gespräche zum ersten Mal nicht vor Ort (im Schweizer Biel), sondern online statt – nachdem sie aus den bekannten Gründen vom Anfang des Jahres in die Jahresmitte verlegt worden waren.

Da ist dieses Biest von einem Text, das der Autorin immer wieder durch die Finger schlüpft:

Das stete Frösteln begann sich in Stiften zu manifestieren, Follikeln, welche die oberste Schicht durchdrangen, durch Sommersprossen und Hautfalten stießen …

Zunächst in Kurzprosa gehalten, erzählt es von einer Verwandlung, die rabiat ist, aber unausweichlich – womöglich ganz so wie die allmähliche Verwandlung der Autorin selbst, die nie eine Lyrikerin war (gerade weil sie eine beinahe lächerlich zu nennende Ehrfurcht gegenüber brillanter Dichtkunst hegt) – und es jetzt doch nicht leugnen kann: Das Biest von einem Text steckt nach zahllosen Überarbeitungen mitten in der Metamorphose zum Gedicht fest.

Schäfte, sich aus Blutkielen schiebend,

brachen auf entfalteten beiderseitige Fahnen, Äste,

schimmernde Bogen- und Hakenstrahlen …

Also schickt sie es los, das Biest, zu den Bieler Gesprächen, auf gut Glück.

Und findet sich auf einmal eben dort wieder. Erst fremdelt sie ein wenig und fragt dann, etwas verkrampft, in die Zoom-Runde: Ist das Biest ein Gedicht? Kann es eines werden? Soll ich – oder besser nicht?

Klar sollst du, kommt die Antwort.

Die Autorin atmet auf, sie kann Respekt und Wohlwollen mit Händen greifen, selbst im virtuellen Raum. Doch dann, gleich hinterher, klar, da kommt sie, die Textkritik, ganz unverblümt:

Aber da muss noch einiges gearbeitet werden. Einverstanden, denkt die Autorin, hätte ja sonst niemand etwas davon, und gleich danach: Hoffentlich wird´s jetzt nicht allzu schlimm.

Lass den Samsa besser aus dem Spiel, sagt jemand.  Streichen, notiert sich die Autorin.   

Ich würde mich an deiner Stelle auf den Teil fokussieren, in dem die Bilder und die Sprache am interessantesten sind, wo es weh tut … – und wo man es vor sich sieht, das – was auch immer es ist… Ja, das gefällt mir, denkt die Autorin

Da ist ein Perspektivbruch, finde ich, seht ihr das? Ups, denkt die Autorin.

Der Sinn dieser Klammern erschließt sich mir nicht, die könnte man doch herausnehmen, meint ihr nicht? Was habe ich mir bloß bei diesen Klammern gedacht, denkt die Autorin.  

Nimm den Lesenden die Deutung besser nicht ab. Erklär ihnen nichts. Oje, denkt sich die Autorin und, mit einem innerlichen Aufstöhnen: Anfängerfehler!  

Möchtest du noch etwas über dieses Gegenüber sagen, das im Text angesprochen wird? Lieber nicht, denkt die Autorin und äußert sich ausweichend.   

Weißt du, diese beiden letzten Zeilen – dass irgendwie alles mit dem Schreiben zu tun hat, das hat man so oder so ähnlich schon tausendfach gehört. Ihr habt ja so recht, denkt die Autorin.

Kill your fucking darlings!, notiert sie sich. Und das fühlt sich am Ende verdammt gut an.

Schnaps im Dornröschen (und eine Lesung)

Die Lesebühne Text Genuß & Schnaps + Vorträge ist eine unregelmäßig und an wechselnden Orten stattfindende Lesebühne in Hannover. Sie ist Mitglied im Netzwerk Unabhängige Lesereihen. Die Veranstalter hatten mich im vergangenen Jahr eingeladen, weil ihnen mein im neuen Berliner Literaturmagazin Gym veröffentlichter Text „Der Waldrapp“ aufgefallen war. Leider musste meine Lesung dann verschoben werden – oder sollte ich nicht eher sagen: Glücklicherweise?

Denn dieses Mal hatte die Lesebühne an einen wahrhaft märchenhaften Ort geladen: Den Biergarten Dornröschen, idyllisch am Flussufer der Leine gelegen (Die Bilder sprechen für sich). Es ist wohl der klugen Auswahl der Veranstalter – Jan und Milena – zu verdanken, dass die Texte der eingeladenen Autor*innen ebenso märchenhaft zusammenfanden – und passten. Auch er dargebotene Schnaps war vom Feinsten. Kein Wunder also, dass das Publikum bester Stimmung war. Es lasen:

Moritz Brunken, der nicht nur als Texter, sondern auch mit der Freien Theatergruppe Thermoboy FK unterwegs ist.

Freya Petersen, Schriftstellerin und Illustratorin für Fantasy, Comic, Prosa, die zurzeit in Hildesheim Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus studiert.

Lisa Raabe, freiberufliche Texterin und Redakteurin, die zur Zeit ebenfalls in Hildesheim studiert – und zwar Literarisches Schreiben und Lektorieren.

…und ich selbst. Ich las diesmal meine Story „Elfmal Emma und Eve“, die eine Geschichte von Freundschaft und Liebe zwischen zwei Hochhausbalkonen und Textnachrichten erzählt – in der Hitze des Sommers 2021.

alle Fotos (bis auf 1) © Lamin Njie, https://www.instagram.com/blvcktvty/?hl=de

außer.dem ein Hund

Meine Story „Der Hund“ ist im Herbst 2020 im Literaturmagazin außer.dem (Heft 27) erschienen.

„die münchner literaturzeitschrift außer.dem ist an zeitgenössischen modernen texten interessiert, die über die üblichen klassischen muster hinausreichen und an markanten stellen das gängige schema von lyrik und prosa verlassen. außer.dem veröffentlicht auch texte, die sich außerhalb des eingeführten literaturbetriebes sehen; texte, die der üblichen lyrik und prosa überraschende und innovative textalternativen gegenüberstellen.“

Aus bekannten Gründen wurde das Heft dieses Mal nicht live, sondern im Rahmen einer Radiosendung präsentiert – nämlich im Rahmen von ON AIR bei Radio Lora. Auch ein von mir eingelesener Ausschnitt meines Textes war zu hören.

Die spannende Präsentation der (Video-) Autorenlesungen gibt es jetzt HIER auf YouTube. (Meine eigene Lesung aus „Der Hund“ beginnt in Minute 55.12)

Der Hund (Auszug)

Hatte eingekauft, heut früh, wollt danach zum Strand, konnte dann nicht. War´s gewohnt, dem Hund zuzusehen. Steine, überall kollernde Steine, die haben dem Hund Spaß gemacht, er hetzte los, suchte einen aus, brachte ihn im Maul, warf ihn mir vor die Füße, guckte so, hechelte, brachte mich zum Lachen, guckte dann immer wie Damian. Der wollte auch immer getätschelt werden, der Streuner, auch wenn der irgendwann gar nix mehr mitbrachte, keine Walfischknochen, nicht mal Steine.

Bin dann also zum Palace Pier, stattdessen, ging so rum, zwischen den Imbissbuden und Fahrgeschäften, guckte den Leuten zu, weiß, kaffeebraun, schwarz, Eltern und Kinder, schwule Pärchen, Teenager, die knutschen. Brighton ist so, im Sommer, überall flattrige junge Dinger, frisch aus dem Kokon, Sprachstudentinnen, sowasalles, überallher, bloß weil sie in ein Loch gefallen sind, glauben die, sie sind in der Wunderwelt. Aber es ist die Stadt, die alte Schlampe, merkst nicht, dass du schon in ihrem Schlund steckst und verschluckt wirst, spurlos, einfach weg.

Lange her, das Lagerhaus, der Hafen, die Möwen und Damian, lange her. Die Holzstiege, weiter, immer weiter ging´s rauf, außer Atem, bis in den Himmel, oben der Dachboden, der Gasofen, fauchte die ganze Nacht, das Ungeheuer. Und Haufen, Türme aus Gerümpel, Damians Kram, er verkaufte manchmal was, wenn wir Geld brauchten. Hörten das Krallenscharren, Poltern, wenn die Hafenratten nachts rumkletterten, riesige Biester waren das, hat uns aber nix ausgemacht, haben uns nur fester umarmt, so war das.“

 

„Entflogen“ zu den Bieler Gesprächen 2021

Die Bieler Gespräche sind eine literarische Veranstaltung, die immer zum Jahresbeginn stattfindet und bei der sich im Literaturinstitut Biel Schreibende aus den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz und den angrenzenden Ländern treffen, um in einer Reihe von Ateliers über Texte und Übersetzungen zu diskutieren.

Meine Texte „Entflogen“ und „Nicht-Paul“ wurden in diesem Jahr für die Diskussion in den Ateliers ausgewählt. Ich freue mich sehr über die Einladung und auf die spannende Zusammenarbeit mit den anwesenden AutorInnen und ÜbersetzerInnen.

Hier ein Auszug aus „Entflogen“:

Das Frösteln begann sich in Stiften zu manifestieren, Follikeln, welche die oberste Schicht durchdrangen, durch Sommersprossen und Hautfalten stießen.

Es ließ sich nicht aufhalten, Samsa hätte es wohl gar nicht erst versucht.

Aus den Blutkielen schoben sich Schäfte, brachen auf und entfalteten beiderseitige Fahnen, Äste, schimmernde Bogen- und Hakenstrahlen.“

a.l., 2013

Kurse zweites Halbjahr 2020 und Januar 2021 an der dekart Reutlingen

Die folgende Kurse können Sie HIER buchen.

Kreatives Schreiben für Künstler und Gestalter

Dr. Anke Laufer

Zunehmend rücken kreative Schreibaufgaben in den Fokus der Aufnahmeprüfungen an den künstlerischen und gestalterischen Hochschulen – wer ein „kreativer Kopf“ ist, erzeugt eben nicht nur ansprechende Bilder, sondern kann sich gedanklich mit Themen und Konzepten auseinandersetzen, Geschichten über die Welt erzählen und  sogar ganz neue Welten erfinden. Das freie Spiel mit Worten und Verfassen von Texten ist damit nicht allein eine Vorstufe der souveränen Präsentation der eigenen Werke nach außen (gegenüber Prüfungsgremien, Jurys oder der breiten Öffentlichkeit): Wer das kreative Schreiben trainiert, schärft systematisch die eigene Wahrnehmung und zapft bisher verborgene künstlerische Quellen an.
7 Abende, 04.11.2020 – 16.12.2020
Mittwoch, wöchentlich, 17:00 – 19:00 Uhr
vhsrt-Atelier, HM, Gustav-Werner-Straße 25, 72764 Reutlingen, Raum: 102,
1. OG

♿ barrierefreier Zugang

dekart: 159,30 €(Schüler*innen/Studierende 79,65 €)

Die Bewerbung für kreative Studiengänge: Selbstbild, Selbstdarstellung und Marketing in eigener Sache

Livia Scholz-Breznay & Dr. Anke Laufer

Spätestens in Motivationsschreiben und bei Gesprächen im Rahmen von Eingangsprüfungen wird großer Wert darauf gelegt, dass der Bewerber seine Begeisterung für den gewählten Studiengang klar und überzeugend formulieren kann. Im gestalterischen Umfeld kommt hinzu, dass man sich als kreative Persönlichkeit „verkaufen“ muss. Auch sollte man vermitteln, dass man fest entschlossen ist, diesen Berufsweg einzuschlagen – trotz der Unwägbarkeiten, die sich jungen Künstlern entgegenstellen. Wir arbeiten daran, sich über die eigene Ausgangssituation und Motivation klar zu werden und damit eine klare und positive Selbstdarstellung zu erreichen: Verbal, schriftlich und gestalterisch.
4 Tage, 24.11.2020 – 27.11.2020
Dienstag, 24.11.2020, 09:00 – 12:15 Uhr
Mittwoch, 25.11.2020, 09:00 – 12:15 Uhr
Donnerstag, 26.11.2020, 09:00 – 12:15 Uhr
Freitag, 27.11.2020, 09:00 – 12:15 Uhr
vhsrt-Atelier, HM, Gustav-Werner-Straße 25, 72764 Reutlingen, Raum: 102,
1. OG

♿ barrierefreier Zugang

dekart: 356,70 €(Schüler*innen/Studierende 178,35 €)

Das Text- und Illustrationslabor  – auch zur Mappenvorbereitung

Livia Scholz Breznay und Dr. Anke Laufer

In diesem Kurs wechseln wir immer wieder zwischen Wort und Bild und lernen dabei, die eigenen Vorstellungen sowohl gestalterisch als auch schriftlich überzeugend zu vermitteln. Nach Übungen aus dem kreativen Schreiben entstehen eigene Texte, die anschließend illustriert werden. Wir setzen typografisch um, was zunächst als Bild gedacht war und er(finden) Geschichten, die bereits in unseren Bildern stecken. Außerdem: Um was geht es eigentlich beim sogenannten Storytelling? Was ist ein Storyboard und wie setzt man es um?
Der Kurs bietet darüber hinaus Einblicke in die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten im Bereich Illustration, Bildgeschichten, Comics und Graphic Novels.
5 Tage, 18.01.2021 – 22.01.2021
Montag, 18.01.2021, 09:00 – 12:15 Uhr
Dienstag, 19.01.2021, 09:00 – 12:15 Uhr
Mittwoch, 20.01.2021, 09:00 – 12:15 Uhr
Donnerstag, 21.01.2021, 09:00 – 12:15 Uhr
Freitag, 22.01.2021, 09:00 – 12:15 Uhr
vhsrt-Atelier, HM, Gustav-Werner-Straße 25, 72764 Reutlingen, Raum: 102,
1. OG ♿ barrierefreier Zugang

dekart: 356,70 €(Schüler*innen/Studierende 178,35 €)

Online – Rundgang an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart

Seit Jahren betreue ich mit meinen Kolleg*Innen  an der Design + Kunst Akademie Reutlingen junge Erwachsene, die sich für ein Kunst- Design- oder Architekturstudium bewerben – unter anderem an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Wie herausfordernd und spannend dieser Bewerbungsprozess ist, wie fieberhaft gearbeitet wird, wie überwältigend die Glücksgefühle derjenigen sind, die dort angenommen werden, erlebe ich dabei in jedem Jahr neu.

Ist die Mappe mit künstlerischen Arbeiten für gut befunden und sind dann auch noch praktische und mündliche Prüfung bestanden, dann  – ja dann öffnet sich den jungen Studierenden eine ganz neue Welt künstlerischer Erfahrungen. Einblicke in diese Welt gibt alljährlich der sogenannte Rundgang, auf dem die Studierenden ihre Arbeiten präsentieren – normalerweise in den vielen Ateliers der Akademie – in diesem Jahr erstmals Online.

Was es für die jungen Künstler*Innen und Gestalter*Innen bedeutet hat, während des Lockdowns nicht in ihren Ateliers arbeiten zu dürfen und ihre Professor*Innen und Kommiliton*Innen nur online zu treffen – das können wir nur erahnen. Trotzdem wurde auch in diesem Jahr fieberhaft gearbeitet und Großartiges geschaffen. Deshalb:

Gehen Sie auf eine Reise durch junge Kunst. Besuchen Sie den Rundgang der ABK 2020.

https://rundgang.abk.live

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Weitere Neuveröffentlichungen/Lesung

Meine Story „Der Hund“ erscheint im Herbst im Literaturmagazin außer.dem

„die münchner literaturzeitschrift außer.dem ist an zeitgenössischen modernen texten interessiert, die über die üblichen klassischen muster hinausreichen und an markanten stellen das gängige schema von lyrik und prosa verlassen. außer.dem veröffentlicht auch texte, die sich außerhalb des eingeführten literaturbetriebes sehen; texte, die der üblichen lyrik und prosa überraschende und innovative textalternativen gegenüberstellen.“

Der Hund (Auszug)

Hatte eingekauft, heut früh, wollt danach zum Strand, konnte dann nicht. War´s gewohnt, dem Hund zuzusehen. Steine, überall kollernde Steine, die haben dem Hund Spaß gemacht, er hetzte los, suchte einen aus, brachte ihn im Maul, warf ihn mir vor die Füße, guckte so, hechelte, brachte mich zum Lachen, guckte dann immer wie Damian. Der wollte auch immer getätschelt werden, der Streuner, auch wenn der irgendwann gar nix mehr mitbrachte, keine Walfischknochen, nicht mal Steine.

Bin dann also zum Palace Pier, stattdessen, ging so rum, zwischen den Imbissbuden und Fahrgeschäften, guckte den Leuten zu, weiß, kaffeebraun, schwarz, Eltern und Kinder, schwule Pärchen, Teenager, die knutschen. Brighton ist so, im Sommer, überall flattrige junge Dinger, frisch aus dem Kokon, Sprachstudentinnen, sowasalles, überallher, bloß weil sie in ein Loch gefallen sind, glauben die, sie sind in der Wunderwelt. Aber es ist die Stadt, die alte Schlampe, merkst nicht, dass du schon in ihrem Schlund steckst und verschluckt wirst, spurlos, einfach weg.

Lange her, das Lagerhaus, der Hafen, die Möwen und Damian, lange her. Die Holzstiege, weiter, immer weiter ging´s rauf, außer Atem, bis in den Himmel, oben der Dachboden, der Gasofen, fauchte die ganze Nacht, das Ungeheuer. Und Haufen, Türme aus Gerümpel, Damians Kram, er verkaufte manchmal was, wenn wir Geld brauchten. Hörten das Krallenscharren, Poltern, wenn die Hafenratten nachts rumkletterten, riesige Biester waren das, hat uns aber nix ausgemacht, haben uns nur fester umarmt, so war das.

Meine Story „Der Waldrapp“ erscheint demnächst in der neuen Berliner Literaturzeitschrift GYM  – http://gym-magazin.de/erste-ausgabe

Das Konzept von Gym: Texte, die zu viel Gewicht draufpacken und unaufgewärmt reißen. Erzählungen, die die Wirklichkeit anheben, um zu sehen, was dahinter liegt, sie verbiegen, erweitern. Lyrik, die will, dass man hinter ihrem Rücken über sie spricht. Figuren, die im Maschinenraum des Luxusliners Literatur schwere Hebel in Bewegung setzen.

Der Waldrapp (Auszug) https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/35/Waldrapp_01.jpg

„Ich würd´ ja gern fortgehen. Aber ich kann einfach nicht, weißt du.“

„Leute machen sowas jeden Tag.“

„Bleibst du denn noch lang?“ Sie deutet zum Block hinüber.

„Wieso?“

„Die da drüben bleiben nie lang. Ist so.“

„Ich gehe erst, wenn ich fertig bin.“

„Mit was musst du denn fertig werden?“

Da erzähle ich ihr von Elena, obwohl ich das gar nicht beabsichtigt habe. Am Ende berichte ich ihr sogar von meiner Arbeit, den Ergebnissen der Berechnungen und von meinen Schlussfolgerungen. Ich rede eine Menge und sie hört einfach zu. „Noch ein paar Jahre, dann ist alles aus dem Ruder gelaufen. Und niemand unternimmt ernsthaft etwas dagegen. Das macht mich fertig, ehrlich.“

„Kein Wunder“, sagt sie und schenkt mir noch einen Schnaps ein. Ich stürze ihn hinunter.

„Ich hab einen Waldrapp aus deiner Scheune kommen sehen. Neulich Nacht, im Traum.“ Ich beschreibe ihr das fettigschwarze Gefieder mit dem grünen Schmeißfliegenschillern, den faltigen roten Schädel, die langen Schopffedern, den Stocherschnabel.

Maries großer Kopf lehnt am Treppengeländer. Erst denke ich, sie sei eingeschlafen, aber dann sagt sie:

„Du hast den Nachtkrab gesehen. Das war der Nachtkrab.“

„Nein, Waldrapp, nicht Nachtkrab.“

Sie schüttelt den Kopf als versuche sie, einen lästigen Gedanken loszuwerden.

„Du bist nicht brav gewesen.“

„Brav?“

„Er kommt uns holen, wenn wir nicht tun, was man uns sagt.“

„Wer?“

„Du warst wieder nicht brav, hat sie gesagt, jetzt kommt er dich holen, hat sie gesagt und den Riegel vom Kohlenkeller zugeschoben. Im Finstern drin, auf einmal, da hab ich ihn gesehen, wie er sich über mich beugt. Schnipp, schnapp, so hat der gemacht mit seinem Schnabel. Wie mit einer langen Schere.“

Sie verstummt und dreht das Gesicht weg. Ich sage nichts, mir fällt nichts ein.

Nach einer Weile lege ich ihr vorsichtig den Arm um die Schultern.

Es wird schon hell. In einem der Apfelbäume beginnt eine Amsel zu singen.

Zur Lesung dieses Textes bin ich am 8.10.2020 auf die „Lesebühne Text Genuß & Schnaps“  in Hannover  eingeladen. Die Lesebühne Text Genuß & Schnaps + Vorträge wurde im Herbst 2018 von Jan Fischer und Gila Hofmann gegründet, für alle, die jenseits von Poetry Slam und Wasserglaslesungen für etablierte Autor*innen eine Bühne für Literatur vermissen.

„Literatur jenseits der Duldungsstarre, Vorträge jenseits muffiger Vorlesungen, Räusche auf unerforschtem Gebiet.“

Zur Lesebühne geht es HIER

Endlich schreiben: Die schönsten Reisen finden im Kopf statt

Eine Online-Schreibwerkstatt

Viele wünschen sich in dieser Zeit einen kreativen Zufluchtsort. Zugleich vermissen wir – in der Sommerzeit besonders – das Reisen.

In diesem Kurs machen wir uns auf zu einer Reise in die eigene Vorstellungskraft. Nichts ist abenteuerlicher, tiefer und farbiger, denn hier werden Traumziele und erträumte Orte lebendig – und die eigenen vier Wände zugleich zum aufregenden Neuland. Innovative Impulse zur Themen wie Ort und Atmosphäre sowie Methoden aus der
Kreativitätsforschung helfen der Fantasie auf die Sprünge und dienen als Auslöser für Notate, Skizzen, Kurzgeschichten und Konzepte für längere Erzählformen. Die gegenseitige Unterstützung ermutigt zum Durchhalten und Experimentieren. Handwerkliche Grundlagen werden anhand konkreter Beispiele aus entstandenen Texten vermittelt und nach Bedarf vertieft.

Die Werkstatt wird über Zoom durchgeführt. Ein Laptop mit Kamera und Mikro oder ein Smartphone/Tablet ist zur Teilnahme nötig. Wer Zoom noch nicht kennt: Es ähnelt einer Skype-Sitzung, alle Teilnehmer der Werkstatt können sich gegenseitig sehen und hören. Ich selbst habe seit März 2020 zahlreiche Kurse und Ateliersitzungen über Zoom geleitet, die Handhabung der Technik ist meiner Erfahrung nach unproblematisch und die Umgewöhnung mühelos. Nähere Informationen zur technischen Durchführung erhalten Sie nach der Kursanmeldung.

Termine: 4 Abende, 08.07.2020 – 29.07.2020

Zoom

Mittwoch, wöchentlich, 19:00 – 21:00 Uhr

Kursgebühr: 56,90 €

Anmeldung unter: https://www.vhsrt.de/Veranstaltung/cmx5ea3445749248.html

 

Open-Air-Kurs:  Sommerfrisch schwerelos Schreiben
Schreiben mit allen Sinnen

Flanieren, beobachten, hören, riechen, schmecken: Eine Einführung in das „Schreiben mit allen Sinnen“ und gezielte Wahrnehmungsübungen sind der Ausgangspunkt für diesen ungewöhnlichen Workshop. Unter freiem Himmel lassen wir uns zu intensiven Notaten, Szenen und Geschichten inspirieren. Ziel ist es, konkret, bildhaft und „hautnah“ zu beschreiben, aber auch schwer Fassbares greifbar zu machen. Eine Vorlese- und Austauschrunde wird unsere Fantasie weiter beflügeln.

Bitte mitbringen: dem Wetter angepasste Kleidung, Schreibmaterial evtl. Unterlage. Wir trotzen mit unserer Schreiblust auch möglichen Regenschauern.

1 Nachmittag, 11.07.2020
Samstag, 14:00 – 17:45 Uhr

Treffpunkt in Reutlingen, Haus der Volkshochschule

Kursgebühr: 33,00 €

Anmeldung unter: https://www.vhsrt.de/Veranstaltung/cmx5ea40ce226976.html

Nah dran – Workshops im Rahmen des Kreativwettbewerbs von gÖrls e.V.

Am 25. Januar 2019 leite ich einen Schreibworkshop im Mädchencafé im Haus der Jugend, Museumsstraße 7 in Reutlingen.

Elodie Cruz – ihr Kunstworkshop findet am 31.1. von 14-18 Uhr im Mädchencafé statt

Eine knappe Woche später, am 31.1.2019 gibt es einen Kunstworkshop mit Elodie Cruz Laufer, meiner Tochter und Kooperationspartnerin in diesem Projekt. Elodie studiert Bildende Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

Wir beide haben ein spannendes Konzept erarbeitet, das euch jede Menge Anregungen bietet. Daneben gibt es professionelle Tipps zur Umsetzung eurer Ideen. Man kann an beiden Workshops oder auch nur einem der beiden teilnehmen. Und: Man kann Ideen, angefangene Texte und Bildentwürfe mitbringen oder ganz neu starten – für jede von euch ist etwas dabei.

Mitmachen können bei den für euch kostenlosen Workshops alle Mädchen ab 14 Jahren, die Lust aufs Schreiben und auf Kunst haben. Schaut rein!

Die Workshops finden im Rahmen eines Kreativwettbewerbs statt, bei dem es um EURE Stimme geht. Was wollt ihr als junge Frauen den Politiker*Innen schon immer mal mitteilen? Was beschäftigt euch, was inspiriert euch, was braucht ihr, was muss sich dringend ändern – im Land, in eurer Stadt?

Egal ob Text oder Bild: Die Ergebnisse können bis zum 12.Februar an info@mädchencafé-reutlingen.de geschickt werden und nehmen damit am Wettbewerb teil. Die besten und ausdrucksvollsten Beiträge werden in einem Heft abgedruckt und veröffentlicht. Zum Weltfrauentag am 8.März werden sie außerdem im Reutlinger Rathaus der Öffentlichkeit vorgestellt – Politikerinnen aller Ebenen werden dabei sein. Nutzt die Chance euch Gehör zu verschaffen! Für die drei besten Kreativbeiträge gibt es außerdem Geld und Sachpreise im Wert von 50-500 Euro.

Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Soziales und Integration Baden Württemberg.

Zur den Details der Ausschreibung geht es HIER