„Spinnweben“ erscheint

Die Anthologie zur Literaturausschreibung des Lionsclub Hamburg-Moorweide ist nach Mitteilung der Veranstalter fertig gestellt. Sie enthält meinen Text „Rumors Bildserie“, die Geschichte eines Abtrünnigen, der Zeuge des Verbrechens an einer Außenseiterin wird. Am Ende muss sich der Protagonist zwischen Geschwisterliebe und Gerechtigkeit entscheiden. Eine schwere Prüfung, wie sich herausstellt, wo er sich doch längst von seiner Familie losgesagt zu haben glaubte. Zur Präsentation der Anthologie, die im Verlag Peter Rathke erscheint, wird es am 27.5.2015 um 19.00 Uhr eine Lesung im Warburghaus, Heilwigstraße 116, 20249 Hamburg, geben. Spinnweben Cover

Wechselwirkungen: Das Pendeln zwischen Wort und Bild.

Es ist kein Geheimis. Nichts, was ich für mich als Neuentdeckung beanspruche. Aber  – schon weil der Untertitel meines Blogs nicht zufällig auf den Zusammenhang zwischen Wort, Bild und Storytelling verweist – wird es Zeit, dass ich darüber ein paar Worte verliere und erzähle, wie dieses Pendeln zwischen den Medien bei meiner Arbeit aussieht. Auch im Rahmen meiner Seminare werde ich häufig mit Fragen nach der Entstehung von Ideen und dem kreativen Prozess konfrontiert. Die Frage „Wie macht man das?“ kann ich nicht beantworten – aber möglicherweise hilft das Folgende dem einen oder anderen Leser, durch den Vergleich der ganz eigenen Arbeitsweise auf die Spur zu kommen.

Manche Autoren schreiben nach ihrem eigenen Soundtrack. Für mich stellen fertige Geschichten eine Umsetzung von Bilderfolgen dar. Das heißt, beim Schreiben habe ich zu Beginn eine Art wilde Collage, dann eine Art Storyboard und am Ende einen Film vor Augen. Die Bilder in meinem Kopf habe ich vorher eichhörnchenartig gehortet. Bei Recherchen, vor allem aber unterwegs, hier oder irgendwo auf Reisen. Ich vergrabe sie in Schubladen und Dateien und vergesse sie für eine Weile.K1024_P1060909

Jahrelang habe ich auch reine Text-Notizbücher geführt, doch davon bin ich abgekommen. Meine ersten Notate zu einer Geschichte erscheinen mir rückblickend oft flach, blass und ausgesprochen mager im Vergleich zu einem Kameraschnappschuss oder einer (noch so unzulänglichen) Skizze. Der Ursprung meiner persönlichen Bilderflut ist ein oft bemühtes Klischee: Das Zeichnen und Malen stand in meiner Kindheit und Jugend lange weit über dem Schreiben. Das Fotografieren kam dazu, als mein Vater mir erlaubte, seine Kamera zu benutzen. Heute dagegen sollen Bilder in erster Linie eine Funktion erfüllen, die zunächst einmal nichts mit künstlerischem Anspruch zu tun hat. Sie sollen meine Gedächtsnisstütze sein (mein Erinnerungsvermögen ist nicht besonders), eine Spur, ein Fingerabdruck des Erlebten und Empfundenen. Hinzu kommen Fundstücke. Ein jüngeres Beispiel: Auf einer Wanderung im Dezember 2014 unterhalb der Klippen von Portland, Dorset, fanden meine Tochter Elodie und ich einen zu kleinen Schnipseln zerrissenen Einkaufszettel für ein bevorstehendes Weihnachtsessen. Diese Fetzen, die ich spontan aufsammelte und einsteckte, rufen heute noch zuverlässig eine Empfindung hervor, in welcher der Keim für eine meiner nächsten Storys stecken könnte.

Fundstück: Ein Einkaufszettel. Collage: Elodie Cruz
Fundstück: Ein Einkaufszettel. Collage: Elodie Cruz

Fotos schieße ich häufig aus der Hüfte und mit einer kleinen Kamera. Da ich so entstandene Bilder  – auch von Straßenszenen und Einzelpersonen – nie ohne entsprechende Verfremdung nach außen gebe  (beim Zeichnen geschieht das angesichts meiner begrenzten gestalterischen Fähigkeiten ganz zwangsläufig) halten sich meine Skrupel bei einem solchen Vorgehen in Grenzen.

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Reisetagebücher  stellen in meinem Fall ein Sammelsurium an Materialien dar, ganz im Sinne der sogenannten Scrapbooks. Es ist nützlich, sich dabei  klar zu machen, dass diese Tradition weiter zurückreicht als bis zu jener Bastelwelle, die seit ein paar Jahren aus Nordamerika zu uns herüberschwappt – nämlich bis hin zu den Reisetagebüchern der großen Weltreisenden, Schriftsteller und Künstler. Ich finde, man sollte allen Versuchungen widerstehen, solche Bücher zu rein dekorativen Vorzeigeprojekten mit bunt-beliebigen Bildchen verkommen zu lassen. Die Materialien auf einer Reise zu sammeln und vor Ort (oft unter Zeitdruck) zu verwerten hilft dabei, das Ganze in einem unmittelbaren und improvisierten Stadium zu belassen und Wichtiges von Belanglosem zu unterscheiden.P1060904

Die aus dem Design und Marketing stammenden Moodboards schließlich helfen mir, die Atmosphäre einer Geschichte herauszuarbeiten. Meistens haben Storys für mich schon in einem frühen Entwicklungsstadium eine gewisse „Anmutung“ (visuell, auditiv, olfaktorisch, haptisch), die aber zunächst recht fließend und vage ist. Moodboards helfen, solche Stimmungen aus dem noch unbestimmten Material herauszuschälen und in eine sinnliche und bildhafte Sprache umzusetzen. Auch diese Moodboards folgen nicht in erster Linie ästhetischen Ansprüchen, sondern sind persönliche Arbeitsgrundlagen für das Schreiben und speichern abschließend die lebhafte Erinnerung an den Entstehungsprozess einer Geschichte.

Ausschnitt aus dem Moodboard "Die Auslöschung" zu einer Geschichte, die im 19.Jh. auf den äußeren Hebriden spielt
Ausschnitt aus dem Moodboard „Die Auslöschung“ zu einer Geschichte, die im 19.Jh. auf den äußeren Hebriden spielt

 

 

Das Text- und Illustrationslabor 1-2015

Ein Gemeinschaftsprojekt der Künstlerin Livia Scholz-Breznay und mir geht in ein weiteres Jahr:  Im Rahmen des ersten Text- und Illustrationslabors 2015 bereiteten sich im Rahmen des Vorstudiums der DEKART junge Erwachsene auf ihre Eignungsprüfungen für Studien- und Ausbildungsgänge im kreativ-gestalterischen Bereich vor. Neben der Entwicklung geeigneter Mappenbeiträge wurden die persönlichen Biografien und wichtige Impulse für die eigenen künstlerischen Motivationen erforscht und im Zusammenhang mit dem angestrebten Studiengang bildnerisch (siehe Beispiele unten) und in Textform (Motivationsschreiben, Bewerbungsschreiben) umgesetzt.  Das Spiel und die Reflektion zwischen Wort, Storytelling und Bild führten dabei auch dieses Mal zu interessanten Ergebnissen. ÜBRIGENS: Das Text- und Illustrationslabor steht neben angehenden Studenten allen anderen Interessierten zwischen 13 und 99 offen. Persönliche Vorlieben und Schwerpunkte zwischen Schreiben und Gestalten finden dabei individuelle Berücksichtigung. Das Seminar findet mindestens einmal jährlich in den Fastnachtsferien bzw. Herbstferien statt. Anmelden kann man sich bei der VHS Reutlingen.

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P1060896 Weiterlesen „Das Text- und Illustrationslabor 1-2015“

Kurse zum Schreiben und Gestalten 2015: Mutmachen. Aufbauen. Grenzen überschreiten. Den spannenden Weg gehen. Veröffentlichen.

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An der Volkshochschule Reutlingen biete ich im ersten Halbjahr 2015 folgende Kurse an:  

(Änderungen vorbehalten – weitere und detaillierte Infos nach Erscheinen des VHS Frühjahr/Sommerprogramms.) Weiterlesen „Kurse zum Schreiben und Gestalten 2015: Mutmachen. Aufbauen. Grenzen überschreiten. Den spannenden Weg gehen. Veröffentlichen.“

Spannend schreiben

Das Neue Jahr beginnt mit

aufwühlenden, fesselnden,

doppelbödigen,

geheimnisvollen, ergreifenden,

abgründigen

und atemberaubenden Geschichten –     

und mit einer Schreibwerkstatt für alle, die sich an einer spannungsgeladenen Geschichte versuchen wollen.

Leicht anwendbare Übungen schüren die Schreibenergie, praktische Tipps aus meiner Schreibpraxis und die Komplizenschaft der anderen Teilnehmer werden Ihnen dabei helfen, die eigenen Ideen umzusetzen.

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Zeiten drei Abende, 15.01.2015 – 29.01.2015
Donnerstags, wöchentlich, 19:30 – 21:00 Uhr
Anzahl drei Termine
Leitung Anke Laufer
Nummer Lt5002
Ort Haus der Volkshochschule, Spendhausstraße 6, 72764 Reutlingen, Raum: 107, 1. OG
Preis 51,00 €, Anmeldung unter Telefon 07121 336-0 und online HIER

Mitten im Countdown …

Es war ein spannendes, aber auch ein unordentlich-struppiges  Jahr. Es sitzt auf meiner Schreibtischkante und schlenkert mit den Beinen, während die eine oder andere Erinnerung in meinem Gedächtnis aufploppt. Im April war da der Besuch auf der London Book Fair, im Mai versuchte ich mich als offizielle Fotografin bei der ver.di-Frauen Mitgliederversammlung in Stuttgart, im Juli hielt ich einen Vortrag zum Storytelling und besseren Schreiben im Beruf vor rund hundert Erzieherinnen in Reutlingen, im August nahmen internationale Studenten an meinem Schreibworkshop an der Universität Tübingen teil, im November war ich dann wieder selbst Zuhörerin beim Regionaltreffen der Mörderischen Schwestern mit Vorträgen geladener Experten zu polizeiliche Ermittlungsverfahren, menschlichen Hirnparasiten und Astronomie. Und über das ganze Jahr hinweg war da natürlich auch die  Arbeit mit all den schreibbegeisterten Teilnehmern meiner Kurse an der VHS Reutlingen und im Volkshochschulheim Inzigkofen. Hinzu kamen Lesungen und Veröffentlichungen, davon manche noch in Vorbereitung.

Besondere Belohnungen waren das Arbeitsstipendium der „Mörderischen Schwestern“, und ein Aufenthaltsstipendium im International Writers Retreat auf Hawthornden Castle für November 2015, die mir beide in diesem Jahr für die Arbeit an meinen Erzählungen zugesprochen wurden. Beide Auszeichnungen sind ein Ansporn, weiterzumachen. Denn um es mal deutlich auszusprechen: Solche Leuchtraketen am Autorenhimmel gibt es. Ab und zu. Selten.

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Nur wenn man unglaublich  stur ist, den Dschungel aus Selbstzweifeln mit der Machete in handliche Stücke hackt und sich traut, Texte immer wieder in die Welt hinauszuschicken. Auch wenn abzusehen ist, dass man sich nur kurze Zeit später unter hereinprasselnden Absagen ducken wird. Denn das tägliche Brot eines Autors sind nicht Preise und Stipendien, sondern Absagen. Höfliche Absagen und freundliche Absagen, „knapp daneben“-Absagen, über denen man vielleicht am längsten brütet. Und natürlich finsteres, eisiges Schweigen.

Kann sein, dass es da draußen Autoren und Autorinnen gibt, die das nicht (oder viel eher: nicht mehr) erleben. Begnadete Gestalten, denen jede Erstversion ihrer Manuskripte, kaum heruntergekritzelt, schon aus den Händen gerissen wird. Die sich daher nicht mit lästigem Gegrübel und Überarbeitungsgängen herumschlagen müssen. Doch das sind seltsame und vom Aussterben bedrohte Exemplare, von denen ich keins persönlich kenne. Ehrlich nicht.

„If you have difficulties with a book, try the element of surprise: attack it at an hour when it isn´t expecting it.“ H.G. Wells.

Begegnung mit mörderischen Schwestern

Die ganze Unternehmung stand unter keinem guten Stern. Zwar schien erst alles geregelt, dann streikten die Lokführer. Ich hatte mir ausgemalt,  im Zug zu schreiben. Schreiben würde ich, den ganzen Weg, hin und zurück, vorbei an Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Frankfurt undsoweiterundsofort. Manch einer soll  ja schon längere Erzählungen, vielleicht sogar einen Kurzroman, auf einer einzigen Zugfahrt fertiggestellt haben, redete ich mir ein.

Aber dann kam es doch ganz anders und ich musste mich hinters Steuer setzen.

Um die Sache interessant zu gestalten, hätte wenigstens das zu einem Abenteuer mit widerwärtigem Wetter und Staus von zwanzig Kilometer Länge führen müssen.  Aber nein, dramaturgisch gesehen war auch das ein totaler Reinfall: Um halb sechs losgefahren brach keine einzige der von den Medienpropheten angesagten Katastrophen auf Deutschlands Straßen über mich herein. Ganz im Gegenteil: Gegen halb neun brach die Sonne aus dem Nebel und ich hielt ein kleines Schläfchen auf einer Raststätte im Siegerland.

Ich sollte die mörderischen Schwestern in einem Hotel in Unna treffen, wo ihre diesjährige Hauptversammlung stattfand. Nun hatte ich selbstverständlich ein Hotel vor Augen, das dieser Vereinigung eine angemessene Kulisse bieten würde. Muffige Gerüche, Spinnweben. Solcher Kram. Zufall oder nicht: Genau so ein Hotel ist Teil einer der Geschichten, für die mir die mörderischen Schwestern in diesem Sommer ihr erstes Arbeitsstipendium zugesprochen hatten (der Anlass für diese Reise, nur ganz nebenbei bemerkt):

„Sehen Sie, mein verehrter imaginärer Leser, als Schriftsteller bemüht man sich im Leben wie im Schreiben vorzugsweise um einen gleichförmigen Takt, eine Symmetrie des Denkens und der Routine. Es ist nicht weiter wichtig, ob einschneidende oder gar verstörende Ereignisse die Taktschläge bilden, wichtig allein sind Gleichmäßigkeit und angemessene Pausen, die man mit Schreiben füllt. Dieses sehr altmodische Hotel scheint mir dafür außerordentlich gut geeignet. Verwinkelte, mit Rosentapeten ausstaffierte Zimmer, Flure, auf denen der Teppichboden von unzähligen Schritten fadenscheinig geworden ist, gemeinschaftliche Toiletten und Bäder auf jedem Stockwerk.“ Weiterlesen „Begegnung mit mörderischen Schwestern“

Nanowrimo, der ganz normale Schreibwahnsinn…

Es ist wieder so weit. Heute war unser erstes Treffen bei Unterwegs e.V. in der Wilhelmstraße 3 in Tübingen, wo wir uns während des Monats wohl regelmäßig Samstags um 11 einfinden werden. Danke an Beth und alle Mitarbeiter von Unterwegs für Kaffee, Pancakes und Gastfreundschaft!

Wie Kinder auf Halloween freuen sich Kreative und Fantasten, denen der Alltag zu wenig Spielraum lässt, alle Vielschreiber mit ausgeprägtem sportlichen Ehrgeiz und die vielen ausgepowerten Berufsschreiber, die eine Pause von Ernsthaftigkeit und hartem Überarbeiten brauchen, auf das alljährliche Novemberschreiben, den National Novel Writing Month. In einem Monat einen kleinen (wenn auch unvollkommenen) Roman von 50 000 Wörtern zustande zu bringen ist eine Herausforderung, die immer mit viel Spaß und Anstrengung verbunden ist – eine Gesundheitskur für Fantasie und Hirn. Alles da drin wird beim ungebremsten und unzensierten Schreiben gründlich durchgeklopft, -gespült und -gelüftet. Im Dezember fühlen sich dann alle Teilnehmer zugleich erschöpft, entspannt und glücklich. Mehr zum Nanowrimo unter http://nanowrimo.org/

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