A poem for TINT

As a person, but also as a writer, you sometimes hold on to prohibitions and certain beliefs about yourself. Mayonnaise is not for me. Hats don’t suit me. I know how to tell stories, but only ones that are not particularly funny, but usually quite weird. Above all, I’m not a poet. I’d love to write poetry, and I’d even rather write in the language of my favourite poets and musicians. But: I’m not a poet. And as a non-native speaker, I should definitely stay away from writing poetry in English.
Then the following happened: Fate had two years in store for me, in which not only did nothing go according to plan, but some of my strongest beliefs were shaken.
A manuscript that was much longer than any of my previous ones gave me stability in the midst of the turmoil, like a large building in which I took refuge. At the same time, I started fishing: For all the fleeting impressions and bits of stories and capturing them in very short prose texts. At some point, patterns crept in, rhythms, and the emptiness around and between the lines, through which the wind blew, became part of the whole. Suddenly I was no longer fishing for words, but for everything in between. People now tell me that these attempts might be poems.
And now TINT journal shakes my last commandment: Thou shalt not write poetry, and certainly not in English.

„Dear Anke, We at Tint loved your submission, „To be found on Achill (November only),“ and seek permission to publish the piece on our online journal’s website, tintjournal.com, as part of our upcoming issue.“

What do I learn from this? Question everything you think you know about yourself, again and again. Or else:

Do whatever you want. Just pretend. Maybe one of the silver fish will slip through to where you dreamed it would go.

photo: pixabay

Stipendium für die Nachtschwimmer

Seit 1973 steht der Förderkreis Deutscher Schriftsteller für Literatur im Ländle, wie die Baden-Württemberger ihre Region liebevoll nennen. Wer hier lebt, darf sich literarisch glücklich schätzen, denn neben Lesungsförderungen und Preisen steht den Schreibenden hier auch die Möglichkeit offen, sich für eines der Arbeitsstipendien des Förderkreises zu bewerben.

Ich freue mich besonders, dass mir zum Ende dieses Jahres für das Romanprojekt „Die Nachtschwimmer“ ein solches Arbeitsstipendium zuerkannt wurde. Der Handlungsverlauf des in Arbeit befindlichen fünfteiligen Manuskripts erstreckt sich über einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren. Es geht um alte und neue dörfliche Außenseiter, um Freundschaft, um Freiheit, und um die schicksalhaften Zusammenhänge zwischen Schuld, Tod, Sehnsucht und Verlust. Eine einzige Handlung, ins nachtschwarze Wasser der Zeit geworfen, schlägt in dieser Geschichte ihre konzentrischen Wellen. Nichts im Leben einer Gruppe von Freunden, welche jene Handlung zu verantworten haben, bleibt in Zukunft von ihr unberührt – und doch haben sich die kaleidoskopischen Teilchen, die sich in die Zukunft hinein verschieben, bereits weit in der Vergangenheit zu einer Konstellation formiert, welche den Verlauf der Ereignisse unausweichlich erscheinen lässt.

Ich danke der Jury für die hochwillkommene Unterstützung des Projekts und vor allem für Anerkennung und Ermunterung, die jede/r Schreibende auf der langen Strecke des Romanschreibens dringend braucht.

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Märchen, Sex und Gender

Im Juli erschien eine Anthologie erotischer Märchen im Wiener Quest Verlag, einem Imprint der Vienna Academic Press unter dem Titel „Im Fadenkreuz der Archetypen – Märchen, Sex und Gender“. Der sehr akademisch anmutende Titel verweist auf die große Bandbreite und den Anspruch der Sammlung. Wie Therese Bauer, die Herausgeberin der Sammlung, stellt ihrem Vorwort ein Zitat G.K. Chestertons voran:

„Märchen sind mehr als wahr, nicht, weil sie uns sagen, dass es Drachen gibt, sondern weil sie uns sagen, dass Drachen besiegt werden können.“

In meinem Text „Im Weißdorn“ wird eine Frau während der Menopause „weder zur weisen Alten noch zur hässlichen Hexe, sondern sie bleibt lüstern und begehrenswert“, wie Theresa Bauer in ihrem Vorwort weiter schreibt. Wie in dieser Geschichte, die den Auftakt zur Sammlung macht, geht es im gesamten Buch märchenhaft-archetypisch zu und doch wird die Welt auch lustvoll-anarchistisch gegen den Strich gebürstet. Dornröschen wird nicht nur wachgeküsst. Mit dem Erwachen der Frau erwacht die Welt:

Und satt rekelte ich mich, unser Bett ein Pfuhl auf verlassener Lichtung. Ich roch ihn, den Schlamm, die sumpfigen Niederungen, ich roch den Laich und die Sporen. Ich drehte den Kopf und leckte den salzigen Rand von den Knöcheln deiner Hand.

Wie er sie so berührt hatte, da erhob sich die dreizehnte Fee von ihrem Lager und erkannte ihre Macht. Und wie sie sich erhob, da sprang zur selben Zeit die Katze vom Sofa im grünen Salon. Die Fliegen begannen zu surren, das Feuer tobte lodernd im Kamin. Sonnenlicht perlte durch den Baldachin des Weißdorns zum Fenster herein, und die Vögel flogen herbei und ließen sich darin nieder, spreizten ihr Gefieder und sprangen von Ast zu Ast.

In der Dämmerung breiteten sie die Flügel aus und flogen davon.  

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Mit Hammer und Spraydose für die englisch-deutsche Freundschaft (english version see below)

Hammerschläge schallen durch die Werkstätten des Arts Department am Cheshire College South & West: Eine Gruppe von Studentinnen Design+Kunst Akademie Reutlingen machen neben englischen Studierenden große Konservendosen platt. „Fühlt sich therapeutisch an“, sagt jemand – und alle kommen an den Schraubstöcken ganz schön ins Schwitzen. Die Anstrengung dient aber noch einem ganz anderen Zweck – doch dazu später mehr.

Kreativität und Ideen – unter Druck

Es ist der erste Besuchstag im Rahmen eines Kunstaustauschs zwischen den beiden Partnerstädten Ellesmere Port und Reutlingen. Beim Rundgang durch das College sind die Besucher gebührend beeindruckt von den gut ausgestatteten Werkstätten, Ateliers, Film- & Fotostudios. In den Klassenräumen findet sich die neueste Technik für Mediendesign und digitale Kunst – und dennoch gibt es bis zu einer Altersgrenze von 19 Jahren keine Studiengebühren. Klar wird aber auch schnell, welches Ausmaß an Ideenreichtum und Anstrengung hier nicht nur in der Lehre, sondern vor allem beim Fundraising aufgebracht wird, um den hohen Standard zu halten – und das mitten im englischen Norden, wo die sogenannte „Cost of Living Crisis“ (übersetzt in etwa: „Lebenshaltungskostenkrise“) überall deutlich spürbar ist.

Hochherrschaftlich und zwanglos

Untergebracht waren die kleine Gruppe deutscher Studentinnen und die beiden Dozentinnen der Reutlinger Design+Kunst Akademie in den ökologisch gestalteten Außengebäuden von Old Trafford Hall, einem denkmalgeschützten Herrenhaus, das heutzutage als Jugendherberge dient. Im Lloyds Bishops Palace, einem Fachwerkpalast aus der Tudorzeit im Zentrum von Chester, wurde die deutsche Gruppe dann später von ihren englischen Freunden mit selbst gekochtem Chilli sin Carne, Bier und Cider bewirtet.

Inklusiv und divers – ganz unangestrengt

Bunt, vielfältig und kreativ ging es am Samstag weiter, nun beim Africa Oye – einer Mischung aus Weltmusikfestival, Jahrmarkt und städtischem Familienpicknick – zwischen uralten Bäumen und auf grünem Rasen im berühmten Sefton Park von Liverpool. Das Publikum? Bei freiem Eintritt und strahlendem Sonnenschein tummelte sich hier buchstäblich jeder – von jung bis alt, mit und ohne Behinderung, aus allen Gesellschaftsschichten und ethnischen Gemeinschaften der Heimatstadt der Beatles – und feierte gemeinsam bis in den späten Abend hinein.  

Hier kamen dann auch die zuvor im College plattgedrückten und -gehämmerten Dosen zum Einsatz: Als Ausgangsmaterial für bunte Tin Faces im Rahmen eines Kinderworkshops.

Kunst machen, Freunde gewinnen, Netzwerke knüpfen!

Die deutschen Teilnehmerinnen waren jedoch nicht nur beim Festival in gemeinschaftsstiftende Kunstaktionen eingebunden. Diese Aktionen sind Ian Prewitt, seines Zeichens Herz und Seele des Kunstbereichs am College, seit jeher besonders wichtig. Auch Rachael Roberts, Mediendozentin und zweite Betreuerin des Projekts auf englischer Seite betonte, dass es bei den sogenannten Community Art Projects vor allem um eins gehe: Menschen zusammen zu bringen, an Kunst zu beteiligen und Freundschaftsnetzwerke aufzubauen.

Zwei weitere Workshops im Boat Museum von Ellesmere Port standen deshalb am letzten Tag des Besuchs unter einem ähnlichen Motto. Hier kreierte man in einem Street Art Projekt großformatige Arbeiten in multimedialer Technik zum Thema Schifffahrt und Wasserstraßen: Mal wurde durch Schablonen gesprayt, mal mit Pinsel, Filzstiften und Kreide nachgearbeitet. Auch bei dieser Gelegenheit kam es zwischen den dekart-Studierenden und dem interessierten Publikum zu zahlreichen Kontakten und Gesprächen. Bei einem weiteren gemeinsamen Abschiedsessen im alten Bishops Lloyds Palace stießen dann alle noch einmal miteinander an: Auf all das gemeinsam Erlebte und die deutsch-englische Freundschaft. 

Danke sagen!

Wir möchten uns gemeinsam bei den Organisatoren auf beiden Seiten herzlich bedanken: Bei der Stadt Reutlingen, der Stadt Ellesmere Port, der Ellesmere Port/Reutlingen Friendship Group, dem Cheshire College South & West und natürlich der dekart.

Unser besonderer Dank gilt all denjenigen, die unseren Aufenthalt vor Ort zu einem so wunderbaren Erlebnis gemacht haben: Zuallererst Ian Prewitt und Rachael Roberts, die das Programm auf die Beine gestellt und uns stets begleitet haben, Toni Cioma und Fritz Schäfer, die sich seit vielen Jahren beharrlich für dieses Projekt einsetzen, sowie alle anderen, die während dieser schönen Tage die sprichwörtliche Extrameile für uns gegangen sind und mit denen wir so viel Spaß hatten:  Ronnie (Ronito), Zara, Warren, Evie, Jenny und Jeff.  

Die diesjährigen Teilnehmerinnen des Kunstaustauschs waren Nilüfer Ates, Jenny Holder, Anna-Lena Kurz, Marilyn Schneider und Amelie Schneider sowie die beiden Dozentinnen der Design+Kunst Akademie Reutlingen Livia Scholz Breznay und Anke Laufer.

With hammer and spray can in favour of English-German friendship

Hammer blows resound through the workshops of the Arts Department at Cheshire College South & West: a group of Design+Kunst Akademie Reutlingen students are flattening large tin cans alongside English students. „It feels therapeutic,“ says someone – and everyone is sweating profusely at the vices. However, the effort serves a completely different purpose – but more on that later.

Creativity and ideas – under pressure

It is the first day of visits as part of an art exchange programme between the two twin towns of Ellesmere Port and Reutlingen. On the tour of the college, the visitors are duly impressed by the well-equipped workshops, art studios, film and photo studios. The latest technology for media design and digital art can be found in the classrooms – and yet there are no tuition fees up to the age of 19. However, it quickly becomes clear just how much ingenuity and effort is invested here, not only in teaching, but above all in fundraising, in order to maintain the high standard – and this in the middle of the English North, where the so-called „cost of living crisis“ is clearly noticeable everywhere.

Stately and informal

The small group of German students and the two lecturers from the Reutlingen Design+Art Academy were accommodated in the ecologically designed outbuildings of Old Trafford Hall, a listed manor house that now serves as a youth hostel. At Lloyds Bishops Palace, a magnificent half-timbered palace from the Tudor period in the centre of Chester, the German group was later entertained by their English friends with home-cooked chilli sin carne, beer and cider.

Inclusive and diverse – effortlessly 

The colourful, diverse and creative events continued on Saturday at Africa Oye – a mixture of world music festival, funfair and urban family picnic – between ancient trees and on green lawns in Liverpool’s famous Sefton Park. The audience? With free admission and bright sunshine, literally everyone – from young to old, with and without disabilities, from all walks of life and ethnic communities in the Beatles‘ hometown – came together to celebrate late into the evening. 

This is also where the cans that had previously been flattened and hammered at college were used: as the starting material for colourful tin faces as part of a children’s workshop.

Making art, making friends, socialising!

However, the German participants were not only involved in community-building art activities at the festival. These activities have always been particularly important to Ian Prewitt, the heart and soul of the art department at the college. Rachael Roberts, media lecturer and second supervisor of the project on the English side, also emphasised that the community art projects are primarily about one thing: Bringing people together, involving them in art and building friendship networks.

Therefore, two further workshops at the Boat Museum in Ellesmere Port had a similar theme on the final day of the visit. In a street art project, large-format works were being created using multimedia technology on the subject of shipping and waterways: At times they were sprayed using stencils, at other times reworked with brushes, felt-tip pens and chalk. This was yet another opportunity for the dekart students and the interested public to socialise and talk. At one last farewell dinner in the old Bishops Lloyds Palace, everyone clinked glasses and toasted each other yet again: To all the shared experiences and the English-German friendship.

To say a huge thank-you!

We would like to thank the organisers on both sides: the town of Reutlingen, the town of Ellesmere Port, the Ellesmere Port/Reutlingen Friendship Group, Cheshire College South & West and of course dekart.

Our special thanks go to all those who made our stay such a wonderful experience: First and foremost Ian Prewitt and Rachael Roberts, who set up the programme and accompanied us at all times, Toni Cioma and Fritz Schäfer, who have been persistently committed to this project for many years, and everyone else who went the proverbial extra mile on our behalf during these wonderful days (and with whom we had so much fun): Ronnie (Ronito), Zara, Warren, Evie, Jenny and Jeff. 

This year’s art exchange participants were Nilüfer Ates, Jenny Holder, Anna-Lena Kurz, Marilyn Schneider and Amelie Schneider as well as the two lecturers from the Design+Kunst Akademie Reutlingen Livia Scholz-Breznay and Anke Laufer.

Night at the Imperial / Nacht im Imperial

In diesem Jahr feiert die Künstlerkolonie Stiwdio Maelor im nordwalisischen Corris nahe Machynlleth, mitten im Snowdonia National Park, ihr zehnjähriges Bestehen. Ich selbst war dort etwa zwei Jahre nach ihrer Gründung zu einem Aufenthalt eingeladen, der zeitlich mit der Brexitabstimmung zusammenfiel.

Als wir „Ehemaligen“ nun dazu aufgerufen wurden, einen Text für die Jubiläumsanthologie zu liefern, dachte ich sofort an meine Geschichte „Nacht im Imperial“, die sowohl als die Geschichte einer enttäuschten Liebe, als auch als eine Allegorie auf den Brexit gelesen werden kann. Es freut mich deshalb besonders, dass der Text nun zuerst im Vereinigten Königreich erscheint.

Oscar leads the way through a swing door and up flights of stairs interspersed with landings, dim hallways and heavy fire doors; he talks you through the weaknesses of an insane floorplan, gestures towards the east wing, the former ballrooms and suites that have long since been carved up, patiently explains conversion and renovation projects, and draws your attention several times to the emergency exit signs as you follow him steeply upwards, then down again at an angle, this time descending a staircase of polished wood. You experience a brief, illogical epiphany when he reveals why the corridor with the lily wallpaper appears to make a dizzying U-turn, and why the servants’ spiral staircase winds upwards from that point –

And there he breaks off suddenly in mid-flow.“

©foto: ankelaufer2022

Seascape

Im Mai erschien die sehnlichst erwartete neue Ausgabe des „Dichtungsring“, nunmehr sage und schreibe das 65.Heft im 44.Jahr. Der Dichtungsring glänzt nicht nur mit guten Texten, sondern auch mit einer schönen Gestaltung. Ich freue mich sehr, in dieser Ausgabe zum Thema Meer wieder als Autorin dabeisein zu können.

Der Ansturm des Ozeans, die Strandhütten, die wie verwitterte Vogelkästen in den Fußhügeln der Klippen hängen, das Brausen des Windes und über uns der verschwenderische Himmel, in dem die Seevögel jauchzen. Weil er sich nicht entscheiden kann, setzt der Tag auf Spektakel, prahlt abwechselnd mit dunklem Wolkengestrudel und trunkener Helligkeit, der Großkotz, und die See schlägt sich auf die Schenkel und beschließt, den Wetteinsatz zu erhöhen, bringt die Klippen zum Wanken in sprühendem Licht, fährt mit schaumigem Maul und silbernen Tentakeln durch all die Murmeln in der Bucht, spielt das uralte Spiel: Grollendes Aufwärtsschieben, Aneinanderklackern, zischender Sog, und ihr rennt Hand in Hand mitten hinein, in die weit geöffneten Fangarme der tobsüchtigen Brandung. Mit dem Kind an der Hand beschwörst du die heranrollenden Brecher, tanzt mit ihm um die Schaumzungen, die an deinen abgelaufenen Schuhen lecken, fünf vor, sieben zurück, the best things in life are free, beim achten Schritt rückwärts ist er da, mein Stein, robbengrau und schädelgroß knirscht er sich unter deinem Gewicht noch ein wenig tiefer in den Kies, und da liegt er mit dunkelgläsernem Auge, aus dem das salzige Wasser rinnt, als wären es Tränen.“

Eine fantastisch rebellische Nacht

erlebten all jene, die sich am 3.Mai 2024 im Sunny High, in der Bahnhofstraße 14-18 in Stuttgart einfanden. Extinction Rebellion Stuttgart lud zusammen mit einem Netzwerk verschiedener Künstler zu einer magischen audiovisuellen Performance ein, welche die Bedrohung der Tiefsee durch den zukünftigen Abbau von Rohstoffen auf dem Meeresgrund thematisierte. Spendenerlöse kamen dem Netzwerk „Global Coastal Rebellion“ zugute. Ich selbst war mit meinem Text „Wie viele Meilen unter dem Meer“ beteiligt, der HIER nachzulesen ist.

The hall under the river/ Der Saal unter dem Fluss

Als mich der junge Filmemacher und Kameramann Johannes Pfau zum ersten Mal kontaktierte – das muss wohl etwas mehr als zehn Jahre her sein – hatte ich gerade meinen ersten Kurzgeschichtenband „Die Irritation“ veröffentlicht. Johannes war damals in der Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und fragte mich, ob er die Titelgeschichte des Buches verfilmen dürfe.

Natürlich war ich hellauf begeistert, auch, weil ich 2015 bei einem der Drehtage mit am Set sein durfte. Mein Bericht von damals und einige Szenenfotos sind HIER nachzulesen und zu sehen.

Inzwischen hat sich Johannes zusammen mit seiner Regiekollegin Melissa Budweg Duarte noch eine weitere meiner Geschichten als literarische Vorlage für einen Film vorgenommen, nämlich „Der Saal unter dem Fluss“:

Sie wusch ihnen die Gesichter und trug Make-up auf, mehrere Lagen, wo es die Blutergüsse notwendig machten. Obwohl man ihr gesagt hatte, dass es nicht nötig sei, ordnete sie ihnen die Kleider, faltete Hände und band Schnürsenkel, die sich im Kampf gelöst hatten.“

Beim Berlin Independent Film Festival, das im Rahmenprogramm der Berlinale läuft, wurde der Film „The hall under the river/Der Saal unter dem Fluss“ nun vor wenigen Tagen mit dem Preis Best Sci-Fi Short ausgezeichnet. Meine Gratulation geht an Johannes, Melissa, die Hauptdarstellerin Sarah Siri Lee König und das gesamte Filmteam. Ich freue mich riesig mit euch und bin sehr stolz, dass meine kleine Geschichte euch zu einem so großartigen Film inspiriert hat.

Mehr über Johannes´ vielfältige Arbeit finden Sie HIER. Mehr zum Film unter https://johannespfau.de/dersaalunterdemfluss/ Weitere Details zur Crew und Besetzung unter https://www.crew-united.com/de/Der-Saal-unter-dem-Fluss__257304.html

Was, verdammt, ist denn jetzt ´Pataphysik?

Einige unerhörte und unerwartete Veröffentlichungen

Manche Jahre sind besonders. Voller spezieller Erfahrungen. Der ganz neuen – grauenhaften wie wundersamen Art. Der steilen Höhen und Tiefen. Ebenso grell wie finster, schwindelerregend, kräftezehrend. Raus aus der Komfortzone, hinein ins Unbekannte. Wir hatten nun alle ein paar solcher Jahre. Wie viele hatte ich gehofft, 2023 würde ein etwas gewöhnlicheres Jahr werden, etwas langweilig, dafür aber auch etwas entspannter. Pustekuchen.

Das Gute daran ist: Auch in Sachen Veröffentlichungen haben sich Überraschungen ergeben. Was Pataphysik ist, ja, auch darauf komme ich noch, versprochen.

Die Hoffnung auf die Veröffentlichung meiner beiden Short Stories im an der Pennsylvania State University herausgegebenen Trafika Europe Literaturmagazin hatte ich trotz unterschriebenem Vertrag beinahe schon aufgegeben. Meine Freundin und Literaturübersetzerin Ruth Martin hatte die Texte dort eingereicht, wohin ich mich nie vorgewagt hätte, denn nach eigenem Bekunden veröffentlicht das vierteljährlich erscheinende Onlinemagazin nur „die beste Literatur Europas“ in englischer Übersetzung. Meine Vorfreude auf das Erscheinen von „The Island“ (als Erstveröffentlichung) und „The silver moth“ war daher groß. Doch dann geschah lange nichts. Erst ein Jahr später, im August 2023, erfuhr die Öffentlichkeit den Grund für den Stillstand. Auf der Seite von Trafika Europe wurde der Tod Andrew Singers, des Gründers und der Seele des Projekts, nach schwerer Krankheit bekannt gegeben. Erst im Spätsommer erschien dann eine Doppelausgabe des Magazins, das HIER zu durchblättern und zu lesen ist (und die meine beiden Texte dann doch noch enthält.)

Aus: The Island

Meine Story „Nicht-Sommer“, die ich zur Ausschreibung „Scooter“ des österreichischen Literaturmagazins DUM (Das ultimative Magazin) eingereicht hatte, hielt ich ebenfalls für vergessen, bis mir das Magazin vor ein paar Tagen ins Haus flatterte und ich sie darin abgedruckt fand.

Aus: Nicht-Sommer

(P.S. DUM enthält auch eine Porträtaufnahme von mir, die viel zu alt ist und ich daher viel zu jung aussehe, wenig überraschend. Ich hatte vergessen, dass DUM keine Zusagen verschickt und daher auch keine Updates in Sachen Autorenfotos und Kurzbiografien erhält.)

Und ja – was ist denn nun eigentlich ´Pataphysik? Vor 75 Jahren entstand mit dem Collège de ’Pataphysique in Paris ein Zuhause der Bewegung. Vielleicht sollte das Alfred Jarry, der Begründer der Pataphysik, das Ganze erklären: „La ´Pataphysique est la science des solutions imaginaires qui accorde symboliquement aux linéaments les propiétés des objets décrits par leur virtualité.“ („Die ´Pataphysik ist die Wissenschaft der imaginären Lösungen, welche die Denkskizzen symbolisch mit den Eigenheiten von Objekten, beschrieben durch ihre Möglichkeit, in Zusammenklang bringt.“)

Ist Ihnen jetzt alles klar? Nein? Ehrlich gesagt, mir auch nicht. Alles, was ich von ´Pataphysik weiß, ist eher eine Ahnung. Kein Wunder.

Véritable portrait de Monsieur Ubu nach einer Zeichnung von Alfred Jarry (1873-1907)

Irritation und Wunder sind hier sozusagen Programm. Dabei ist ´Pataphysik durchaus eine Wissenschaft – und das genaue Gegenteil davon. Es ist die absolute Herrschaft und Anarchie – der Fantasie nämlich. ´Pataphysik ist todernst und zum Totlachen. ´Pataphysik ist reine Absurdität. ´Pataphysik ist älter als Dada und Surrealismus und doch wäre beides nicht ohne Jarry und seinen König Ubu denkbar – Das 1896 uraufgeführte Drama wurde vom Surrealismus und Dadaismus gefeiert. Jarry, der sich im späteren Leben immer mehr mit seiner Figur identifizierte, signierte am Ende sogar mit Ubu.

Als ich meinen Texte „Notate zur versuchten Ausrottung der Sommersprossen“ bei der diesjährigen Ausschreibung der Zeitschrift der Wiener Schule für Dichtung einreichte, war ich nicht sicher, ob das, was ich da getan hatte, denn wirklich als ´Pataphysik zu bezeichnen ist. Doch ich hatte im Verlauf dieses speziellen Jahres in nicht ganz wissenschaftlich haltbaren Selbstversuchen erfahren, dass Surreales, Dadaistisches und nun auch ´Pataphysikalisches allen Nahrungsergänzungsmitteln und jeder Ratgeberliteratur überlegen sind. Und überhaupt, wie heißt es so treffend im Vorwort von Fritz Ostermayer?

„…und per definitionem seien zudem diejenigen die wahren pataphysiker:innen, die sich ihrer pataphysischen natur gar nicht bewusst wären.“

Na also.

Seascape – vom Schreiben am Klippenrand

Irgendwann im Oktober, kurz vor meinem Aufbruch zu dieser Reise, erschien sie mir auf einmal als ein größenwahnsinniges, unmögliches Vorhaben. Es galt durch so viele brennende Ringe zu springen, selbst nach der erfolgreichen Bewerbung für einen der unter Künstlern, Filmemachern, Komponisten und Schriftstellern so begehrten Aufenthalte im Böll Cottage auf Achill Island. Alles schien angesichts meiner Erschöpfung plötzlich zu groß, zu schwer, zu weit: eine emotionale und schriftstellerische Überforderung schien sich anzubahnen, wahrscheinlich sogar ein grandios-dramatisches Scheitern oder, womöglich, ganz und gar klägliches Aufgeben.

Tatsächlich hatte ich mir zusammen mit meinem alten Mini einiges vorgenommen, weit mehr als die besungenen 900 Meilen – nämlich 2500 – umgerechnet rund 4000 Kilometer. Unterwegs schwächelten wir zuweilen, mein Mini und ich, mal waren es Öl und Batterie, mal Einsamkeit und Selbstzweifel.

Groß und dramatisch war dann an dieser Reise einiges, aber nicht das Scheitern. Wir haben durchgehalten, der Mini und ich. Überwältigend waren sie beide, die Landschaften nah der stürmischen, winterlichen See, wenn auch so grundverschieden: Das vertraute und doch so geheimnisvolle Devon – voller Geschichten und Gedichte, voller Gespräche mit klugen Freunden, aber auch nächtlicher Irrfahrten in überfluteten, von uralten Hecken gesäumten Sträßchen. Und dann die wilde und wintereinsame Insel Achill im irischen Westen, der Sehnsuchtsort Heinrich Bölls. Hier hat sich dann auf seltsame Weise etwas in mir verschoben, wie sich die Fracht auf einem Boot in stürmischer See verschiebt und einen neuen Schwerpunkt findet. Hier füllten sich meine Notizbücher. Neue Texte entstanden, die mir jetzt ebenso unbezähmbar und unergründlich vorkommen wie die Insel selbst. Selbst zum Zeichnen und Malen bin ich hier nach langen Jahren zaghaft zurückgekehrt – wenn der Sturm nach einem langen Tag die Worte fortgeblasen hatte und es doch noch vieles zu sagen gab. Unbestreitbare Unbeholfenheit und die Angst vor dem Scheitern, all das muss keine Rolle mehr spielen unter jenen großen Himmeln, am Rand der ins Bodenlose abfallenden Klippen, unter dem Blick des purpurfarbenen Mount Slievemore, über den die Wolkenschatten fliegen. Denn wer sich klein und unbedeutend fühlt wie nie, der ist auch seltsam frei.

achill island, november 2023

My thanks to John McHue, John Smith, the Heinrich Boell Foundation, County Mayo and the Arts Council of Ireland. Thank you for letting me stay in this place of wonder and beauty for a little while.

I also want to thank my friends in Devon. Alan, for his generous hospitality, Moira, Owen & Lucie for cake and company and especially Matt Bryden, for his friendship, support and appreciation in difficult times.