anke laufer

wort – bild – storytelling

Nachlese: Morde und Mysterien

Vom 13.-18.Juli fand im Kloster Inzigkofen ein besonderes Seminar statt: Eine Woche lang drehte sich zwischen mir und meinen Teilnehmern alles darum, den potentiellen Leser mit rätselhaften und spannenden Geschichten zu fesseln. Ich danke meinen Teilnehmern für eine ebenso amüsante wie nervenzerreißend spannende  Woche, in der wir frei nach Thomas de Quincey  (1785–1859) Morde und Mysterien „als eine schöne Kunst“ betrachteten. Die folgenden Geschichtenschnipsel sollen nun auch den Lesern meines Blogs Appetit machen: auf das eigene Schreiben, auf die Vorstellungswelten anderer und auf die Möglichkeit, sich im Kreis Gleichgesinnter wahrhaft unerhörte Dinge auszudenken!K1024_P1070943

„Labyrinth der Gänge, verschlossene Türen – wo hängen die Schlüssel? Wie kann ein Außenstehender an sie herankommen? Räume, die auf dem Plan fehlen oder auf dem Plan verzeichnet sind, aber in der Realität fehlen. Türen, die scheinbar in ein Zimmer führen, tatsächlich aber einen neuen Gang zu einem angebauten Haus eröffnen.“  Sigrid Kohler

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„Beim Anblick der Schere in Schwester Brigittas Hand beginnt Martha zu zittern. Ihre Zöpfe fallen. Tränen tropfen auf das tote Haar.“                         A. Funck

„Der Altar war mit Frauenmantel geschmückt, und mit … Maiglöckchen! Das Gesicht der heiligen Jungfrau leuchtete hell; sie segnete mich und schenkte mir Ihre Tränen. Ich sah mich um – ich war allein – die Maiglöckchen verschwanden in der Tasche meines Habits. –  Du trankst den Tee ohne Arg.“                   X. Reichelt

K1024_P1050409„Die schnarrenden Geräusche eines Vogels hören sich an, wie eine Rassel aus alten Kindertagen. Selbst ein Vogel kann nicht gut singen, wenn er so etwas mit anhören muss.“                            R. Runge

„Er klettert die Treppe hinauf, über Steine und Schutt und der Gestalt hinterher, bis sie zu den anderen stoßen, die es sich auf Picknickdecken bequem gemacht haben, dort wo das Dach des ehemaligen Klosters nicht mehr existiert. Einige von ihnen haben dunkel gefärbte Plastikbrillen auf und starren erwartungsvoll in den Himmel, hinauf zur Sonne, die in wenigen Augenblicken vollständig verdeckt sein wird.“                                                     P. Turrey

„Erst als die ganze Suchaktion, eure Hundertschaft, die Suchhunde, der Infrarotheli und alles, erst als das ein paar Tage später ins Leere lief, erst dann brachte er Elke Berger in einer Nacht-und-Nebelaktion in den Klosterpark zurück, wo er sie unter dem Gras- und Brennnesselhaufen in der Hecke bei der Gruft vergraben hat.“              R. Jäger

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„Vorsichtig ließ er die Scheibe aus der Papierhülle gleiten. Mit dem Daumen der rechten Hand hielt er die Platte am Rand, mit dem Zeigefinger stütze er sie beim Loch in der Mitte. Behutsam zwischen den Fingerspitzen balancierend wollte er sie auf die schwarze Gummimatte legen. In seinem Kopf hörte er bereits das erste Riff von «Brown Sugar».“   A. Vogel

„Ich muss ihr Zeit lassen, sie wird dann erkennen, dass wir füreinander bestimmt sind. Aber so lange dieser Samuelbock vor ihrer Nase rumschwänzelt wird sie nicht zur Besinnung kommen.“               M. Wieser

„Und die Landärzte hier, die die Todesfälle auf die Schnelle untersuchen, werden ruckzuck den Totenschein ausstellen. Herzinfarkt, Versagen der Nieren oder anderen Innereien, keine ungewöhnlichen Tode. Nein. Ich werde kein böser Mörder sein.“                                     T. Werner

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„Er schlug sie nicht, er betrog sie nicht. Er arbeitete hart. Was wollte sie bloß von ihm?   – «Ich glaube, ich würde Dir Gift ins Essen mischen.» – «Du hast doch gar kein Gift.» – Er schob seinen Teller von sich weg. Irgendwie wollte es ihm nicht mehr schmecken.“  C. Lamprecht

„Du kniest dich daneben. Die Hände rechts und links von deinen Fundstücken. Dein Blick wendet sich der ersten Masse zu. Dein Zeigefinger prüft mit einem sachten Stubs die Konsistenz. Fühlt sich an wie Leber. Sieht aus wie Leber. Könnte eine Leber sein. Vermisst jemand eine Leber?“   C. Lamprecht/ T. Werner

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