Text- und Illustrationslabor 2/2014: Experimente und Ergebnisse

In diesen Herbstferien fand unter der Leitung von Livia Scholz-Breznay und mir wieder das Text- und Illustrationslabor im Rahmen der DEKART und der Jugendkunstschule Reutlingen statt. Ob Jugendliche, angehende Kunststudenten oder Erwachsene mit Lust zum Ausprobieren  – das Konzept der intensiven Betreuung durch zwei Dozentinnen mit unterschiedlichen Schwerpunkten in Sachen Schreiben und Gestalten findet breiten Anklang.  Aufwärmübungen in beiden Bereichen schaffen die Grundlage für den fliegenden Wechsel zwischen Wort und Skizze, Text und Bild. Anschließend hatte jeder Teilnehmer die Gelegenheit, wahlweise Experimente zu wagen oder ein eigenes Konzept oder Projekt voranzutreiben.

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Diesmal war wieder alles dabei: Das Entwerfen von Logos aufgrund einer Auswahl von Begriffen – das Schreiben zur ausgewählten Fotografien – die Verfremdung von Zahlen und Buchstaben zu überraschenden Bildern – die Bebilderung eines eigenen (mitgebrachten) Textes mit Zeichnungen und Collageelementen – die Mehrfachinterpretation eines Gedichts über verschiedene Gestaltungsvarianten – die Illustration eines Songs, die sowohl dem Klang als auch den Lyrics gerecht wird – die Konzeption einer Cocktailkarte, die Anekdoten rund um die einzelnen Drinks ebenso aufscheinen lässt wie deren Düfte, Geschmack und Farbe  – und schließlich die Überarbeitung eines eigenen Bilderbuchs für Kinder im Vorschulalter.

Das nächste Text- und Illustrationslabor findet in den Faschingsferien 2015 statt. Weitere Informationen findet Ihr rechtzeitig auf der Homepage der VHS/Jugendkunstschule Reutlingen. Weiterlesen „Text- und Illustrationslabor 2/2014: Experimente und Ergebnisse“

Der Brief aus Schottland

Vor ein paar Tagen ist der Brief endlich ins Haus geflattert. Nein, keine Mail, ein echter Brief aus dickem, beigen Briefpapier mit Wasserzeichen und dem Konterfei der Queen auf der taubenblauen Briefmarke:  Der Bescheid des Hawthornden International Retreat for Writers. Den Brief endlich aufzumachen war gar nicht so leicht, zu sehr hatte ich mir gewünscht, für eines der Aufenthaltsstipendien 2015 ausgewählt zu werden – und zu sehr fürchtete ich mich davor, enttäuscht zu werden. Doch manchmal werden Stoßgebete erhört. Was ich nicht zu hoffen gewagt hatte, ist eingetroffen. Ich darf mich doch tatsächlich im nächsten Jahr auf einen Monat ungestörter Schreibzeit auf dem malerischen Hawthornden Castle in Midlothian freuen! Bis dahin heißt es nun sich vor-freuen, abwarten und Tee trinken.

Es gibt Zeiten, da ist der Himmel eines Schreiberlings leuchtendblau wie die schottische Flagge…

 

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Rumors Bildserie

Der Fünfte Nordhessische Autorenpreis stand unter dem Motto: „Himmel, Hölle, Heimatkunde“. Der Wettbewerb verzeichnete einen Rekordzugang an Einsendungen – und so ist es umso erfreulicher, dass meine Erzählung „Rumors Bildserie“ es in die Endrunde der besten Sieben geschafft hat und im kommenden Jahr in der gleichnamigen Anthologie veröffentlicht wird. Aktualisierung: „Rumors Bildserie“ hat eine weitere Jury überzeugt: Diesmal ist der Text unter den ersten Zehn beim Förderpreis des Lionsclub Hamburg-Moorweide, der in diesem Jahr unter dem Motto „Spinnweben“ stand. Auch hier wird es eine Anthologie geben, die am 27.05.2015 im Warburghaus Hamburg öffentlich präsentiert wird.

„Rumors Bildserie“ ist die Geschichte eines Abtrünnigen, der Zeuge eines Verbrechens wird. Am Ende muss sich der Protagonist zwischen Geschwisterliebe und Gerechtigkeit entscheiden. Eine schwere Prüfung, wie sich herausstellt, obwohl er sich doch längst von seiner Familie und „denen da drüben“ losgesagt zu haben glaubte:P1040646

Bild 1-3, Nachtaufnahmen. Stativ. ISO 100. Man kann sehen, wie in der Hagrosenhalde die Lichtkegel der Taschenlampen über Hauswände gleiten, durch wogende Baumkronen, an dunklen Buchsbaumhecken entlang. Das ist die Meute der Heuchler, die sich jetzt jede Nacht zusammenrottet. Ihr Anführer Rombach-Knaus hat der Lokalzeitung ein Interview gegeben und gesagt, dass ihre Patrouillengänge „zur Beruhigung der verunsicherten Nachbarschaft beitragen“. Schwachsinn. Jede Ecke da drüben ist gespickt mit Sicherheitstechnik.

Was man nicht sieht: Wie mir kotzübel wird, als ich noch einen Schluck aus der Wodkaflasche nehme, wie mir die ganze verfluchte Aussicht entgegenkippt, das Setting eines Videospiels, ein grenzenloser Bildschirm. Die protzigen Villen, die Pools in den Gärten, türkisfarben und leuchtend, die gepflasterten Auffahrten, in denen Scheinwerfer aufflammen, während der Trupp weiterwandert.“

Ozeanien

Neuveröffentlichung: „Ozeanien“  ist eine Geschichte um Liebe, Geografie und  Besessenheit, die im wörtlichen Sinne unter die Haut geht. Erscheinen wird sie in DUM – Das ultimative Magazin, Zöbing, Österreich.

Die Ausgabe mit dem Titel „Ausschlag“ wird dem Publikum am 28.9.2014 in Wien vorgestellt.P1060181

BEGINN: 20 Uhr
ORT: Café Anno, Lerchenfelderstraße 132, 1080 Wien
EINTRITT: frei

DUM- das ultimative Magazin finden Sie HIER

 

 

Kopfkino! Der Herbst wird bunt.

 

P1060065(1)Und was haben Sie demnächst vor? Lust auf Kopfkino?

Die neuen Schreiboasen an der VHS Reutlingen sind freigegeben. Vielleicht sehen wir uns ja.

Die Montagsschreiber
Zeit und Raum zum regelmäßigen Schreiben: Viele wünschen sich so einen kreativen Zufluchtsort. Mit diesem Kurs schaffen wir uns einen festen Ort und die Muße für unsere eigenen Gedanken und Geschichten. Wer sich wünscht, Schreibprojekte zu entwickeln und unter Anleitung voran zu treiben ist hier genau richtig. Die Besprechung der Texte erfolgt auf Wunsch zusätzlich per Mail.
Bitte mitbringen: Schreibmaterial

Zeiten 5 Abende, 22.09.2014 – 20.10.2014
Montag, wöchentlich, 19:30 – 21:00 Uhr
Anzahl 5 Termin(e)
Leitung Anke Laufer
Nummer Lt5003
Ort Haus der Volkshochschule, Spendhausstraße 6, 72764 Reutlingen, Raum: 207, 2. OG
Preis 81,00 €

 

Die Mittwochsschreiber

Zeit und Raum zum regelmäßigen Schreiben: Viele wünschen sich so einen kreativen Zufluchtsort und hier ist es der Mittwochabend, für alle, die zum ersten Kurs nicht konnten oder dran bleiben wollen an Ihrem begonnenen Projekt.

Zeiten 5 Abende, 05.11.2014 – 03.12.2014
Mittwoch, wöchentlich, 19:30 – 21:00 Uhr
Anzahl 5 Termin(e)
Leitung Anke Laufer
Nummer Lt5004
Ort Haus der Volkshochschule, Spendhausstraße 6, 72764 Reutlingen, Raum: 107, 1. OG
Preis 81,00 €

 

 Anmelden bei der Volkshochschule Reutlingen:

Spendhausstraße 6
72764 Reutlingen

Tel.: 07121 336-0
Fax: 07121 336-222

info@vhsrt.de
www.vhsrt.de

Vom Fußball und Hollywood

Heute ist es so weit: Es wird sich erweisen, ob es für unsere Nationalmannschaft ein Happy End oder doch eine dramatische Wendung geben wird, die sich der Autor bis ganz zuletzt aufgehoben hat. Wäre der Fußballgott ein Schriftsteller und ich eine Literaturkritikerin so müsste ich angesichts dieser Weltmeisterschaft in Lobeshymnen ausbrechen, denn sie hat uns alles geboten, was eine gut erzählte Geschichte ausmacht. Schon vor Beginn das Aufbegehren der durch das Spektaktel Benachteiligten, der Sturz einstiger Helden zum Auftakt, dann große Gesten und flatternde Banner, sowohl gerechte als auch ruchlose Szenen auf dem Schlachtfeld, ehrliche Tränen und falsche Töne, Verbannung und Verletzungen, Jubel und  Ekstase.

Und nun also der große Showdown.  Zur Hölle mit der Tatsache, dass eine letzte Wendung für die Geschichte besser wäre. Zur Hölle mit dem Anspruch. Ich will Hollywood. Ich will mein Happy End.

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Reisetagebücher aus Inzigkofen

Das Reisetagebuch – Erinnerungen kreativ bewahren
ein Kurs zwischen Schreiben und Gestalten fand in diesem Jahr zum ersten Mal im VHS Heim Inzigkofen statt. Auf vielfachen Wunsch wird es den Kurs im nächsten Jahr noch einmal geben, und zwar zwischen dem 22. und dem 27. Juni 2015.

Ein Kurs zwischen Schreiben und Gestalten – für meine Kollegin Livia Scholz-Breznay und mich immer wieder eine Expedition ins Unbekannte. Die Besatzung heuert an, ohne dass wir sie kennen, nicht ihre Erfahrungen beim Reisen, Schreiben und Zeichnen, nicht ihre Vorlieben für das eine oder andere. Natürlich mussten wir im Kloster Inzigkofen, wo unser Seminar stattfand, ganz und gar nicht von schimmeligem Schiffszwieback leben und auch nicht von der Fastensuppe der einstigen Chorfrauen, allerdings galt es dennoch manches Abenteuer zu bestehen: Schreibblockaden und gestalterische Hemmungen (wie schreib ich das bloß auf? was ist, wenn ich die erste Seite von dem schönen Buch total versaue?)

Was beim Schreiben erst zögerlich und mit kleinen Fingerübungen, Wortspielen und Notaten begann, entwickelte sich über farbige und detailreiche Beschreibungen (Spaziergänge, kulinarische Genüsse  – das legendäre Inzigkofener Buffet!) zunächst hin zu Reisebriefen und Ansichtskarten an tatsächliche oder erfundene Freunde. Hier die „ganz eigene“ Ansichtskarte von Andreas Vogel: eine Fotografie von einem unserer Spaziergänge, handkoloriert.

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Eine Teilnehmerin schrieb eine beißende Satire zum Kursalltag – und schließlich durchbrach man, von allen Fesseln befreit, alle Genregrenzen. Die Teilnehmer schrieben vom Reiseort Inzigkofen inspiriert auch fiktionale Texte und illustrierten sie in vielfältigen Techniken: so zum Beispiel unheimliche Geschichten aus den Klostermauern,

 

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historische Einblicke ins Leben der Ordensfrauen, Weiterlesen „Reisetagebücher aus Inzigkofen“

Vom Blättern in den Nachtseiten der Welt

Mein in Arbeit befindlicher Erzählungsband „Nachtseiten“ erhält das erste Arbeitsstipendium der „Mörderischen Schwestern“

“Where there is no imagination there is no horror.”  (wo es keine Vorstellungskraft gibt, gibt es keinen Horror) sagte einst Arthur Conan Doyle. Erzählungen und Short Stories leben nicht nur vom Erzählten, sondern besonders von dem, was im Dunkeln und Ungewissen bleibt: Durch vom Autor bewusst gesetzte Andeutungen und Auslassungen, die der Leser mit ganz eigenen Bildern und zuweilen seinen schlimmsten Ängsten füllt.

Dass die „Mörderischen Schwestern“ den besonderen Wert der kurzen Form für ihr Genre honorieren zeigt, dass nicht nur ich so denke – und natürlich macht es mich besonders stolz und glücklich, dass mein in Arbeit befindlicher Erzählungsband „Nachtseiten“ die besondere Anerkennung des alle deutschsprachigen Länder umfassenden Netzwerks aus Krimiautorinnen, Bücherfrauen und Leserinnen in Form des erstmalig vergebenen Arbeitsstipendiums der „Mörderischen Schwestern“(*) erhält.

Ich bedanke mich bei der Jury, deren Begründung ich hier zitieren möchte und die ich wohl immer wieder lesen werde, wenn ich einmal mehr in einem Text feststecke und eine kräftige Aufmunterung brauche:

„Das Projekt Nachtseiten vereinigt in einem Band zwölf Kriminalerzählungen, die sich um unheimliche Todesfälle und in vielerlei Hinsicht dunkle Schauplätze drehen. Schlaglichtartig eröffnen sich dem Leser Einblicke in die Nachtseiten unserer Welt. Das klare Konzept des Exposés wird durch die Erzählungen eingelöst. Jede von ihnen ist einem gewichtigen Thema gewidmet und in einem überzeugenden und stimmigen Plot umgesetzt. Die Autorin schildert die Verbrechen eher beiläufig, doch gerade die unaufgeregte Erzählweise erzeugt ihre ganz eigene Spannung und Unheimlichkeit. Jede Story endet in einer Andeutung oder Enthüllung, die die Lesenden die Luft anhalten lässt.

Die ausgereifte Sprache und Symbolik der Texte orientiert sich an Edgar Allan Poe und Oscar Wilde und baut eine ähnlich dunkle Romantik der Atmosphäre auf. Kein Wort ist zu viel, und die sprachliche Leichtigkeit bildet einen Gegensatz zum Inhalt, der die Schwere der erzählten Verbrechen verstärkt. Mit jedem Satz lustwandelt der Text näher an die Extreme menschlicher Existenz heran, bis der letzte Absatz oder Satz schlagartig Gänsehaut hervorruft.

Auch die Figurenpsychologie orientiert sich an der klassischen Schauerromantik, doch gleichzeitig bleibt das Weibliche im Erzählen spürbar.

Auf das Erzähltempo muss man sich einlassen, genau und genüsslich lesen. Die eingereichte Leseprobe ist eine Vorschau des Vergnügens, alle von der Autorin im Exposé skizzierten Geschichten entdecken zu können.

Deshalb erachtet die Jury „Nachtseiten“ als unbedingt förderungswürdig.“

P1040313c(*) Die Vereinigungt entstand als deutscher Zweig des in den USA gegründeten Verbands Sisters in Crime 1996. Der internationale Verband wurde 1986 von Sara Paretsky, Charlotte MacLeod und anderen Autorinnen gegründet, um der Diskriminierung von Frauen im Krimigenre entgegenzuwirken und Verlage und Öffentlichkeit auf den Beitrag von Frauen aufmerksam zu machen. Seit Anfang 2007 ist die formale Trennung vom Verband Sisters in Crime, Inc., vollzogen. Die Mörderischen Schwestern konzentrieren sich inzwischen auf die Vernetzung in den deutschsprachigen Ländern und in einem vielfältigen und vielsprachigen Europa. Zur Seite der Mörderischen Schwestern geht es HIER.

Zur Pressemitteilung geht es HIER