anke laufer

wort – bild – storytelling

Schreibworkshop international: Bösartige Schwäne, ein geheimnisvoller Koffer und eine abweisende Empfangsdame

Unter dem Titel „Sommerfrisch Schwerelos Schreiben“ leitete ich in diesem Jahr einen Schreibworkshop im Rahmen der internationalen Sommerakademie der Universität Tübingen. Dabei traf ich auf eine Gruppe fantasievoller Teilnehmer aus aller Welt.

Ihre Texte beinhalten unter anderem einer nachmittägliche Bootsfahrt auf dem Neckar, verbrecherische Schwäne, ein Angehöriger einer Sondereinheit auf vier Pfoten, eine junge Frau in Katzengestalt, ein geheimnisvoller Kofferinhalt, eine abweisende Empfangsdame und ein Pfarrer aus dem mittleren Osten – und das alles bei 32 Grad im Schatten.

Tübingen ist wirklich eine sehr seltsame Stadt.

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Die Räuber  – ein Märchen

von Tamara Brajovic, Montenegro

Es waren einmal drei Schwäne, die am Neckar wohnten. Sie bildeten eine Gang, vor der man sich in Acht nehmen musste und die vom ältesten Schwan angeführt wurde.

Alle anderen Schwäne und auch die Enten hatten Angst vor ihm. Sie hatten ihm sogar einen Spitznamen gegeben: Schwan-Schwein hieß er und liebte seine Macht.

Die Gang war eine Räuberbande, die alles, was sie fand aß und fraß. Sie glaubten daran, dass die Menschen böse und niedrige Lebewesen seien. Bei der Menschheit waren sie trotzdem als elegante, wunderschöne Märchenvögel bekannt. Darüber lachten die Räuber nachts sehr viel und schmiedeten Pläne, welche böse Tat sie am nächsten Tag verüben würden.

Eines Tages kam ein Hund nach Tübingen – ein Jäger, der natürliche Feind der Vögel. Er hatte die Schule für Jagdhunde regelmäßig besucht und hatte viele Belobigungen bekommen. Die Jagd war sein ganzes Leben und wo er zu Hause war, da wohnten auch Disziplin, Ruhe und Freiheit. Als Mitglied einer Sondereinheit konnte er auch die Vogelsprache.“

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Neckarfahrt von Beatriz del Pino, Spanien

„Endlich stiegen die vier Freunde in ein Boot und begannen ihre Fahrt. Zu beiden Seiten konnten sie die wunderschöne Aussicht genießen. Diese alten und wunderschönen Häuser, die hinter den Bäumen sichtbar wurden, waren alle unglaublich großartig. Es war heiß, aber daran hatten sie vorher gedacht, deswegen hatten sie eiskaltes Bier mitgebracht und auch noch etwas zu essen: Leckere kleine Brötchen mit Salami, Schinken und Käse und auch noch ein paar Brezeln. Es wurde ein wunderschöner Abend!“

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Katze und Koffer

von Dehbia Abouadaou, Algerien

Nach einem stressigen Tag wartete Helena wie gewöhnlich am Hauptbahnhof Tübingen auf ihren Bus und genoss die Musik eines Mannes, der neben ihr Ziehharmonika spielte. Nach einer Weile schlief sie vor Müdigkeit ein. Als sie erwachte hatte sie sich in eine Katze verwandelt. Sie war sehr schockiert, und sie wusste nicht, wie ihr geschah und was sie machen sollte.

Sie begann zu schreien um Hilfe zu bitten, aber niemand verstand sie, sie hörten nur ein Miauen. Auch der Mann, der direkt neben ihr stand, hatte nichts verstanden. Alle sagten „Oh, diese Katze ist sehr süß!“

Sie wollte weinen. „Bitte helfen sie mir, hören sie? Ich bin ein Mensch, ich bin keine Katze!“

Aber die Leute lachten und reagierten nicht. Nach einigen Minuten aber antwortete ein alter Mann: „Nicht so laut, ich werde ja taub!“  (…)

Dort wartete der alte Mann auf sie. “Was mache ich hier?“ fragte Helena.

„Geh jetzt zu deinem Zimmer und sieh nach, was in deinem Koffer ist“, sagte der alte Mann.

Helena ging die Treppe hinauf bis in ihr Zimmer. Der Koffer war offen, sie musste hinaufsteigen, um zu sehen, was sich da drinnen befand…

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Der Schwan 

von Angelika Trzybinska, Polen

„Ein Schwan war besonders schön. Er wirkte sehr stolz, schwamm hin- und her und suchte nach Futter. Ich beschloss, ihm einen Keks zu geben. Er fraß ihn sofort und wollte noch mehr. Aber ich hatte nichts mehr. Er näherte sich mir und verhielt sich dabei so, als ob er mich beißen wolle. Ich begann zu rennen. Im ersten Moment hatte ich wirklich große Angst vor ihm. Ich dachte: Dieser Schwan ist wirklich ein Räuber.

Ein Junge hatte die ganze Situation beobachtet und lief sofort zu mir. Er wollte nachsehen, ob mit mir alles in Ordnung war. Ich antwortete, dass alles OK sei. Er sagte mir, dass Schwäne sich sehr oft so benehmen. Zuerst wollen sie nur ein bisschen Futter, dann wissen sie nicht, wann sie aufhören sollen.

Später führten wir ein interessantes Gespräch. Er wohnte in Tübingen und erzählte mit viel über die Geschichte der Stadt und über Sitten und Bräuche, die hier bekannt sind. Obwohl ich meine Gruppe verpasst hatte, wurde das für mich ein echt toller Tag. “

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Tagebuch aus Tübingen

von  Ingrid Ippach, USA 

Ankunft in Tübingen

Mein erster Tag in Tübingen war sehr anstrengend. Nach einer 18 stündigen Reise kam ich endlich zu Hotel Hospiz an. Als ich mich bei der Rezeption meldete, sagte mir die Empfangsdame, dass die Check-In Zeit erst um 14 Uhr wäre, und dass ich noch vier weitere Stunden warten müsste bevor ich ein Hotel Zimmer bekommen würde. Noch vier Wartestunden!, dachte ich….und dazu in dieser Hitze! Es war bereits 32 Grad Celsius und nirgendwo – weder im Hotel noch im Eiscafe noch in einem Restaurant gab es eine Klimaanlage. Also ging ich sowohl in die Innenstadt als auch durch die kleinen Seitengassen spazieren. Nach einer Stunde setzte ich mich in ein Restaurant, bestellte mir eine Flasche Mineralwasser und fing an, das Mozart Libretto Cosi fan Tutti zu lesen.  (…)

Mein zweiter Tag in Tübingen

Als ich zur kleinen Neckarbrücke kam, knipste ich einige Fotos und sah sogar meine erste braune Schnecke, die dort herumkroch. Endlich kam ich zur römisch-katholischen Kirche. Da hörte ich schon beim Eingang den Gesang, öffnete ich die Tür, ging in die Kirche hinein und dachte: Egal, auch wenn ich Verspätung habe, kann ich noch die zweite Hälfte der Messe hören. So setzte ich mich ganz selbstsicher auf die Kirchenbank und fing an zu beten. Gerade in diesem Moment blickte der Pfarrer die Betenden eindringlich an und begann das letzte Gebet der Messe zu sprechen. Binnen zwei Minuten war die Acht-Uhr-Messe vorbei. (…) Zu meiner Überraschung hielt ein anderer Pfarrer die 11 Uhr Messe. Darüber hinaus wurde diese Messe von einem Herrn Dr. Abdul, einem Theologen aus dem mittleren Osten abgehalten…

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Die Teilnehmer des Workshops waren:

Ingrid Ippach (USA)

Beatriz del Pino (Spanien)

Denis Belyaev (Russland)

Menelaus Maria Fischer (USA)

Timea Töröcsik (Ungarn)

Laura Ebeling (USA)

Dehbia Abouadaou (Algerien)

Teresa Ayala (Spanien)

Tamara Brajovic (Montenegro)

Ibolya Janics (Ungarn)

Zafar Amirqulov (Usbekistan)

Marta Volpiana (Italien)

Angelika Trzybinska (Polen)

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