erlebten all jene, die sich am 3.Mai 2024 im Sunny High, in der Bahnhofstraße 14-18 in Stuttgart einfanden. Extinction Rebellion Stuttgart lud zusammen mit einem Netzwerk verschiedener Künstler zu einer magischen audiovisuellen Performance ein, welche die Bedrohung der Tiefsee durch den zukünftigen Abbau von Rohstoffen auf dem Meeresgrund thematisierte. Spendenerlöse kamen dem Netzwerk „Global Coastal Rebellion“ zugute. Ich selbst war mit meinem Text „Wie viele Meilen unter dem Meer“ beteiligt, der HIER nachzulesen ist.
in die Kellergeschosse und zerklüfteten Unterwelten,
wo Drifte und Strömungen an euch zerren, wo Plankton vorbeirast
wie Schnee am nächtlichen Autofenster –
dann auf einmal wird es still
öffnet die Augen. Dort,
wo eine Tiefseequappe sich dreht und windet im stillen Tanz
wo Kragenhaie auf Raubzug gehen, mächtige Krebstiere mit Scherenhänden winken,
wo Kopffüßler über uns hinwegschießen wie fahle Pfeile
wo Rippenquallen schillern und wie von selbst verlöschen
wo Perlboote aufsteigen und sacht über uns hinwegtorkeln
wo Seelilien die Anker ihrer Wiesen lichten, um anderswo Beute aus der Strömung zu fischen
wo Milliarden winziger Lebenssterne im Reich der Finsternis glimmen
wo ein Riesenkalmar, eben einem Seefahrermärchen entstiegen, im freien Wasser schwebt und uns beäugt –
Dort drüben jedoch
in jenen Spalten zwischen Felsknollen, in jenen steinernen Tunneln und Augenhöhlen verpasst ihr jetzt, genau jetzt,
die Begegnung mit drei unbekannten Arten während
eine Plastiktüte euch ablenkt, die über den Abhang dümpelt
all die Wesen, kaum erblickt oder nie entdeckt,
keinem nutzt der stachelige Trotz, keinem die Fangzähne
preisgegeben sind sie
wo der menschliche Beutegreifer sich tummelt
da wirbelt eine Wolke vor euch auf
keine Tränen trüben die Sicht,
nur Schlick, oder vielleicht
ein flimmernder Schleier aus Krebstierchen
eine kleine Weile
bis der letzte Vorhang sich hebt
und ihr glaubt, am einsamsten Ort der Welt angekommen zu sein
wo ein schwarzer Raucher
wie eine dunkle Märchenfabrik aus der Tiefe wächst
es kochend heiß aus allen Kaminen quillt
der Zyklus sich wendet –
Legionen grauer Garnelen wimmeln und drängeln
Etwas tüpfelt und krabbelt geschäftig um die Schlote
Seegurken kreiseln wie eine Flotte praller Zeppeline,
Scharen von Schleimaalen putzen das Aas vom Boden
während es herabregnet, auf sie alle, unaufhörlich
Kot, Glibber und Knochen
Fasern, Plastik, Pflanzenteile
Gräten und Teer,
all das fängt die Tiefe auf
mit tausendundein nachtsamtenen Mäulern
schluckt Nahrung und Gift
und macht es neu
all das Leben
Wie viele Meilen unter dem Meer ist ein Text, den ich zum Jahresbeginn 2023 für eine multimediale Kunstaktion von XR/ extinction rebellion Stuttgart verfasst habe, in der es um die Bedrohung der Tiefsee durch die bevorstehende Freigabe des Meeresbodens für den Bergbau geht. Viele, auch bisher unbekannte Arten, werden dabei wohl ausgelöscht werden. Beim Abtragen des Meeresbodens mit Hilfe schwerer Maschinen werden womöglich auch dort lagernde natürliche Kohlenstoffspeicher zerstört – mit unabsehbaren Folgen für die sich verschärfende Klimakrise. Für mehr Informationen siehe https://rebellion.global/