Literatur|Zeit|Schriften – neolith, Karussell und KLiteratur

07.05.2022 – 15:00 Uhr

Literaturzeitschriften sind Kaleidoskope unserer Zeit. Von den Redaktionen sorgsam kuratiert, bieten sie Lesevergnügen und -überraschungen: Eine anregende Gesellschaft von Texten und Autor:innen. Sie kombinieren und komponieren Einzelteile – neue literarische Texte – zu einem größeren Bild, sind ein Spiegel unserer Debatten und Perspektiven, der klarer sehen oder auch Unklarheiten urplötzlich entdecken lässt.

Diese Beschreibung trifft – dem Anspruch nach – alle Literaturzeitschriften, die alten mit großer, langer Tradition und die jungen, neu gegründeten.


Drei aktuelle Literaturzeitschriften präsentieren sich am Samstag, dem 07.05.2022 in einer Veranstaltung des Literaturhauses Wuppertal. Neben Redaktionsmitgliedern sind auch Autor:innen der jeweils neuesten Ausgabe dabei.

neolith – das Magazin für neue Literatur an der Bergischen Universität Wuppertal mit seiner inzwischen sechsten Ausgabe zum – drängend aktuellen – Thema „Zuflucht“,

KARUSSELL, die Bergische Zeitschrift für Literatur , mit ihrem dreizehnten Heft zum Thema „Unsere Kriege im Frieden“ sowie

die KLiteratur aus Köln, deren siebente Nummer in Kürze unter dem Motto „Fehler“ erscheint.

Als Autor:innen dabei sind Anke Laufer aus Wannweil bei Tübingen für neolith, Dorothea Renckhoff aus Köln für Karussell und Samy Challah ebenfalls aus Köln für die Kliteratur.

Tickets gibt es an der Tageskasse sowie zuzüglich einer Vorverkaufsgebühr von 0,90 € auf Wuppertal-Live.

Ort:codeks City Hub (Friedrich-Ebert-Straße 15, Laurentiusplatz)
Eintritt:6,00 €, ermäßigt 3,00 €

#ANTIKRIEGSLYRIK

Bereits seit den ersten Tagen des russischen Krieges gegen die Ukraine sammelt der junge Berliner Trabantenverlag auf seinem Instagramkanal @antikriegslyrik Gedichte gegen den Krieg. Ich selbst bin dem Verlag als Autorin bereits über den Erzählungsband „Ich verspreche dir einen schönen Sommer“ verbunden, in dem 2021 meine Erzählung „Die Geister von Margate“ erschien.

Der Trabantenverlag, der für sein gesellschaftliches und politisches Engagement ebenso schnell bekannt wurde wie für sein exzellentes literarisches Programm, hat die Sache auch in diesem Fall nicht auf dem bloßen Sammeln von Antikriegsgedichten beruhen lassen. In diesen Tagen geht ein Lyrikband in Druck, welcher Anfang Mai erscheinen wird und eine Auswahl der eingesandten Gedichte enthält, unter anderem auch mein Gedicht „Das Paket“. Das Buch ist bereits HIER vorbestellbar.

Bundesweit dezentral stattfindende Lesungen aus #Antikriegslyrik sollen sich bald zu einem besonderen Antikriegsprojekt ausweiten. Dafür suchen wir, mehrere beteiligte Autor*innen aus Baden-Württemberg, Lesungsorte in Tübingen, Freiburg und weiteren Städten im Ländle. Wir wollen dabei nicht nur unsere Gedichte und die unserer Kolleg*innen zu Gehör bringen, sondern auch möglichst viele Spenden zur Unterstützung der Ukraine sammeln. Wenn Sie sich vorstellen können, in ihrer Buchhandlung/Bibliothek/Café etc. eine solche Lesung zu veranstalten und damit das Projekt zu unterstützen, dann melden Sie sich bitte möglichst schnell bei mir!

Matinee zum Bonner Literaturpreis

Die Redaktion des „Dichtungsring e.V.“ lobte dieses Jahr wieder den „Bonner Literaturpreis“ aus, der mit 1000€ für den ersten Platz dotiert ist. Zudem feiern die Redaktion und die Zeitschrift ihr 40jähriges Jubiläum. Die Einsendungen wurden von den Herausgebern Sigune Schnabel, Werner Pelzer und Susanne Schmincke gesichtet. Die besten Einreichungen davon wertete eine externe Jury anonymisiert aus, um die Preisträger*innen zu finden.

Der erste Preis geht an Monika Littau, ich selbst darf mich, neben Daniel Mylow, über einen zweiten Preis freuen.

Bei der öffentlichen Veranstaltung am Sonntagmorgen, dem 7.11.2021 im Kurfürstlichen Gartenhaus gelten die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz vor COVID-19.

»Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch«

Meine Short Story „Emma und Eve“ ist soeben in der Preisträgeranthologie der Akademie für gesprochenes Wort und des Deutschen PEN-Zentrums erschienen. Am Sonntag, dem 26.9.2021 um 16 Uhr wird es einen Festakt anlässlich der Preisverleihung im Kammermusiksaal der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Stuttgart, geben.

Wir treffen uns am Mittwochmorgen um halb neun vor der Aufzugtür. Eve sieht in ihren Ausgehsachen sehr elegant aus und reckt den faltigen Hals wie eine Riesenschildkröte. In der Tiefgarage halte ich ihr die Stahltür auf. Es riecht ein wenig nach Abgasen und Pisse, aber es ist angenehm kühl. Sie zögert einen Moment beim Anblick meiner alten Vespa, aber dann lässt sie sich dabei helfen, meinen Zweithelm aufzusetzen.

Fertig?, frage ich, als sie es sich hinter mir bequem gemacht hat.

Jawohl, sagt sie.

Ein paar Minuten später sind wir auf der Uferstraße Richtung Stadtmitte unterwegs. Der Fahrtwind riecht nach Flusswasser und frisch gemähtem Gras. Über uns flimmert und flirrt die Sonne durch die Kronen der Rosskastanien, die in voller Blüte stehen – rosa Kerzen, die im blauen Himmel brennen. 

Hey, wollen wir in dem Schneckentempo weiterfahren?, schreit Eve in mein Ohr.

Also gebe ich Gas.

Ich denke an einen See voller goldener Quallen und silberner Münzen und an Mädchen, die von Flüchen erlöst werden müssen. Ich weiß auf einmal, was ich Josh sagen muss – unbedingt heute noch sagen muss –

Ja, verdammt. Das werde ich.

Aus dem Klappentext:

20 literarische Stimmen zu unserer aktuellen Gefahr. Und darüber, ob Hölderlin denn recht hat.
Die Welt durchlebt gerade die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Pandemie bedroht jede und jeden, immer und überall. Und überall wächst das Verlangen nach Rettung, nach medizinischen Lösungen, nach wirtschaftlichen Hilfen, nach Freiheit, Trost und Zuversicht. In dieser eigentümlichen und bedrohlichen Konstellation wird immer wieder auf Hölderlins berühmten Satz verwiesen: »Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch«.

Doch welche Aussichten und Einsichten lassen sich aus Hölderlins Vers gewinnen, welche Erkenntnisse und Erfahrungen mit ihnen verbinden? Worauf baut die Zuversicht, worin ist die Hoffnung begründet?

Die Akademie für gesprochenes Wort Stuttgart und das deutsche PEN-Zentrum haben Schriftstellerinnen und Schriftstellern ebendiese Preisfrage gestellt. Mehr als 400 von ihnen haben geantwortet. Der ›Preis-Band‹ versammelt
20 Beiträge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – Essays, Gedichte, Erzählungen und dramatische Texte, die aus dem Inneren der Erfahrung berichten und über den Tag hinausweisen

Ich verspreche dir einen schönen Sommer

Der Vorverkauf hat begonnen!

Am 21.7. erscheint meine Erzählung „Die Geister von Margate“ im Rahmen eines neuen Titels im Programm des jungen Berliner Trabanten Verlags.

Ich entwerfe und verwerfe, ich schreibe alles in einem Zug oder stottere meine Sätze zusammen, häufe Fragmente, Bilder aufeinander, um alles wieder umzustoßen und neu anzufangen, zurück in dieser Stadt am Meer, mit ihren Wettbüros und dem Rummelplatz und ihren Teestuben und den minderjährigen Müttern, die sich pinkfarbenen Nagellack von den Nägeln kauen, während sie Buggys vor sich herschieben und davon träumen, die Bälger wieder los zu sein.

„Yeah, the most romantic place on earth, isn´t it?“ Dein leises Lachen.

20 Erzählungen und ein loses Versprechen – Dieses Buch blickt tief in unsere Köpfe und heimlichen Begierden, hinter die Fassaden eines Sommers, der sich müht seine Schatten abzuschütteln. Nicht nur die Pandemie selbst: Auch die Neurosen, Absurditäten und Unwägbarkeiten, die sie in uns hinterlässt. Dabei legt es die Wünsche und Träume von Menschen frei, die ihre Gedanken auf das richten, was kommt. Auf ein Versprechen, von dem nicht klar ist, ob es gehalten werden kann. Auf die verbliebene Frage danach, wohin. 

Autor:innen: Oriol Viader | Nikolai Vogel | Daniela Engist | Franziska Hauser | Fabian Leonhard | Anke Laufer | Jana Scheerer | Simon Sailer | Bianca Döring | Gilda Sahebi | Nico Gutjahr | Robert Kleindienst | Achim Koch | Felix Erdmann | Jakob Leiner | Martin Beyer | Micha B. Rudolph | Manfred Rumpl | Kathrin Gerlof  | Jördis Rosenpfeffer 

Herausgegeben von Fabian Leonhard und Nico Gutjahr 

Seiten: 256 | Softcover

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Der Trabanten Verlag ist ein neu gegründeter Independent-Verlag aus Berlin. Die Schwerpunkte des Programms liegen auf Belletristik, Lyrik- und Essaybänden. Das Verlagsteam sagt über sich:

„Wir wollen Wege finden, um Menschen wieder stärker für Literatur zu begeistern. Dafür experimentieren wir mit neuen medialen Formen und Konzepten. Wir wollen unserer Generation in ihrer schöpferischen Energie Flügel verleihen und literarisch-ästhetischen Anspruch mit dem Puls der Zeit in Einklang bringen. Dabei ist es nicht nur unser Ziel, gute Bücher zu machen, sondern auch soziale Verantwortung zu übernehmen und zu politisieren. Hierfür spenden wir regelmäßig einen Teil unserer Einnahmen an soziale Projekte und wollen gezielt durch eigene Veranstaltungen eine offene und engagierte Debattenkultur fördern.“

Die Zähmung der Schwalben

Meine Story: „Die Zähmung der Schwalben“ ist eben in der neuesten Ausgabe des Wiener Literaturmagazins DUM erschienen, die unter dem Motto „Pantoffel statt Pandemie“ dazu aufgerufen hatte, Prosa und Lyrik zum Thema „Neue Häuslichkeit“ einzusenden.

(Und wofür steht eigentlich DUM? Es ist Das Ultimative Magazin, was sonst?)

Die Zähmung der Schwalben erzählt von Quint. Einem Mann, der sich abschottet, niemanden mehr an sich heranlässt. Bis eines Tages diese Neue bei EssenZ anfängt, dem Lieferdienst, der ihm die Einkäufe bis vor die Tür bringt…

Quint hielt Ausschau, bis er sie weit über den Hügeln ausmachte. Erst kamen sie einzeln, dann flogen sie dichter, ritzten Linien ins Firmament, flüchtig bloß, eingebildet.

Er verlagerte das Gewicht, nahm weiter Schwung, half mit den Beinen nach. Mit jedem Ausschlag gewann das Schaukelpendel an Höhe, eroberte sich rostig jauchzend ein weiteres Stück des Sommerhimmels. Höher und höher flog er auf seinem Trapez. Unter ihm schwankte die Hecke hin und her wie eine feierliche Prozession grüngeschmückter Elefantenrücken. Er war Quint. Er war der König der Artisten. Er war der Dompteur der Schwalben.“

Landschaft

Im Herbst 2020 ist meine Übersetzung des Gedichts „Landscape“ des englischen Lyrikers Matt Bryden in der Literaturzeitschrift Dichtungsring erschienen. Matt und ich haben uns während unseres Aufenthalts auf Hawthornden Castle im November 2015 kennengelernt, für das uns beiden ein Aufenthaltsstipendium der Drue Heinz Stiftung zugesprochen worden war. Unsere Freundschaft und der rege Austausch schlagen sich seither immer wieder auch in gemeinsamen Projekten nieder, unter anderem in gegenseitigen Übersetzungen und Sprachkursen an deutschen Hochschulen.

Matt Bryden, Lyriker und Lehrer für Literatur und Englisch als Fremdsprache, lebt und arbeitet in Somerset, England. 2018 wurde er mit dem Literature Matters Award der Royal Society of Literature ausgezeichnet, 2019 erhielt er den Charroux Memoir Prize und den William Soutar Prize, letzteren für das von mir erstmals ins Deutsche übertragenen Gedicht „Landscape“, das ich hier noch einmal vorstellen möchte. Mehr über Matts Arbeit in englischer Sprache auf: http://www.mattbryden.co.uk

„Das Zeichen“ ist Text des Monats Januar 2021 im Literaturhaus Zürich

Die „Großen Zwölf“ ist in diesem Jahr der Literaturwettbewerb des Literaturhauses in Zürich betitelt. Ende jeden Monats beurteilen drei Jurymitglieder – die Jury besteht aus Gesa Schneider und Isabelle Vonlanthen vom Literaturhaus Zürich sowie Florian Bissig, Catharina Fingerhuth, Elisa Fuchs, Christoph Kuhn, Jens Nielsen und Davina Rodgers – die Beiträge und wählen den «Text des Monats» aus. Dieser wird im Folgemonat auf der Website publiziert. Ich freue mich sehr, dass mein Text mit dem Titel „Das Zeichen“ es in diesem Januar zum Thema „Hoffnung“ auf das Siegertreppchen geschafft hat.

Besonders freue ich mich auch über das Lob der Jury: „Ihr Text hat uns sehr beeindruckt – in der Leichtigkeit des Erzählens und dem Tiefgang dahinter, dem Umgang mit dem Thema Hoffnung, einer frischen und mitreissenden Erzählstimme.“

Die MonatssiegerInnen werden voraussichtlich zum Jahresbeginn 2022 für eine Lesung ihrer Texte ins Literaturhaus eingeladen. Die Texte werden zudem in einer Anthologie publiziert.

Die Museumsgesellschaft wurde 1834 als Lesegesellschaft gegründet. Sie betreibt im eigenen Haus am Limmatquai einen grossen Lesesaal, eine Ausleihbibliothek und seit dem Jahr 1999 das Literaturhaus Zürich. Bild: wikipedia

Komm schon, beiß zu

Meine Story „Komm schon, beiß zu“ ist im März 2021 im Heft 80 der traditionsreichen Literaturzeitschrift „Am Erker“ erschienen.

Am Erker, gegründet 1977 von Joachim Feldmann und Michael Kofort, erscheint zweimal jährlich (Frühjahr & Herbst). Die Zeitschrift wurde vom Deutschen Literaturfonds gefördert und 1998 mit dem Hermann-Hesse-Preis für Literaturzeitschriften ausgezeichnet.

Hier eine Kostprobe aus meinem Text:

Es riecht regenfeucht, dein Zimmer, nach gebrauchten Laken und Zeit, blätternde Schichten aus Sonne und Mond. Mein Haar ist ein Schlangennest auf dem Kissen. Dein kupferfarbener Körper neben mir, die Flanke, die sich hebt und senkt, Ausdünstungen wie von Torf und Moor.

Im Morgengrauen sehe ich zu, wie das erste Licht im seidigen Flaum deiner Brust versickert. Deine Glieder liegen lang und weit gereckt, bedecken mich, dein Schwanz ruht schlaff auf der Innenseite meines nackten Schenkels. Aber ich spüre zugleich, dass du unter der Haut hellwach bist, deine Sehnen hart als wären sie auf einen Bogen gespannt, sprungbereit.

„The newest normal“ in neolith #5

Meine Story „The newest normal“ ist im Herbst 2020 in neolith, der Jahresschrift für neue Literatur an der Bergischen Universität Wuppertal erschienen.

Meine Online-Lesung des Textes (Auszug) fand im Rahmen der Präsentation des Magazins statt und ist HIER auf Youtube zu finden. Die Gesamtpräsentation ist HIER abrufbar.

Aufruf: Beiträge für neolith #5

Der dreizehnjährige Bo durchstreift das unterirdische Labyrinth menschlicher Behausungen der Zukunft, immer auf der Suche nach Verwertbarem. Er stößt auf einen uralten Kassettenrekorder, den er mit Hilfe seiner greisen Nachbarin Vera zum Laufen bringt. Während die beiden die im Gerät verbliebene Kassette abspielen öffnen sich in der Geschichte eine zweite und dritte Zeitebene: Auf der Bandaufnahme mischen sich die Sprachnachrichten einer jungen Frau an ihren verschollenen Geliebten Ben und die Wiedergabe einer weitaus älteren Audiodatei, auf der die flammende Rede eines Endzeitpropheten zu hören ist.

Vera öffnet die Augen und drückt auf die Pausentaste. Bo kann sehen, dass ihr das zu schaffen macht. Ihm auch.

„Dieser Ben – “

Sie nickt. „Der war wohl drüben auf den Inseln.“

„Sollen wir echt weiter zuhören?“, fragt er. Sie nickt, betätigt die Taste und starrt auf den Rekorder.

„Erinnerst du dich an diesen Endzeittypen auf dem Pier? Wie der herumzappelte und die Faust in den Himmel stieß? Die Leute grinsten und manche tippten sich an die Stirn. Aber du nicht, Ben, du hast ihm zugehört.“

Die Krähe macht jetzt wieder Lärm und das Mädchen wartet, bis der Vogel sich beruhigt.

„Ich hab in der ganzen Zeit immer wieder an ihn denken müssen. Und daran, was du damals gesagt hast. Dass man Warnungen ernst nehmen soll, auch wenn sie einem verrückt vorkommen. Dass das wichtig sei, was der Kerl sagt, womöglich, und dass wir das aufzeichnen sollten. Jedenfalls: Hier ist er, ich hab die Audiodatei gefunden, ich spiel sie dir vor.“  Ein Knacken. Sturmrauschen, mittendrin Gebrüll –

„…da wird der vierte Engel seine Schale über die Sonne ausgießen…“  Die Krähe übertönt die Aufnahme einen Moment lang mit ihrem Gekrächze. „…und die Menschen werden versengt von der großen Hitze…“  Man hört jetzt, wie der Mann eine Menge Rotz die Nase hochzieht und das Ganze ausspuckt.

Vera verzieht das Gesicht.

Auf einmal vermischt sich alles und sie sind alle zur gleichen Zeit in Veras Abteil: Das Mädchen und ihr Freund Ben, der Verrückte, die Krähe, Vera und er selbst.“

Das Thema der Ausschreibung 2020 lautete „Fortschritt“.  Eingeladen wurde zur Auseinandersetzung mit Zukunftsentwürfen – eine Hommage an Friedrich Engels, dessen 200. Geburtstag Wuppertal in diesem Jahr feiert.