Im Juli erschien eine Anthologie erotischer Märchen im Wiener Quest Verlag, einem Imprint der Vienna Academic Press unter dem Titel „Im Fadenkreuz der Archetypen – Märchen, Sex und Gender“. Der sehr akademisch anmutende Titel verweist auf die große Bandbreite und den Anspruch der Sammlung. Wie Therese Bauer, die Herausgeberin der Sammlung, stellt ihrem Vorwort ein Zitat G.K. Chestertons voran:
„Märchen sind mehr als wahr, nicht, weil sie uns sagen, dass es Drachen gibt, sondern weil sie uns sagen, dass Drachen besiegt werden können.“
In meinem Text „Im Weißdorn“ wird eine Frau während der Menopause „weder zur weisen Alten noch zur hässlichen Hexe, sondern sie bleibt lüstern und begehrenswert“, wie Theresa Bauer in ihrem Vorwort weiter schreibt. Wie in dieser Geschichte, die den Auftakt zur Sammlung macht, geht es im gesamten Buch märchenhaft-archetypisch zu und doch wird die Welt auch lustvoll-anarchistisch gegen den Strich gebürstet. Dornröschen wird nicht nur wachgeküsst. Mit dem Erwachen der Frau erwacht die Welt:
Und satt rekelte ich mich, unser Bett ein Pfuhl auf verlassener Lichtung. Ich roch ihn, den Schlamm, die sumpfigen Niederungen, ich roch den Laich und die Sporen. Ich drehte den Kopf und leckte den salzigen Rand von den Knöcheln deiner Hand.
Wie er sie so berührt hatte, da erhob sich die dreizehnte Fee von ihrem Lager und erkannte ihre Macht. Und wie sie sich erhob, da sprang zur selben Zeit die Katze vom Sofa im grünen Salon. Die Fliegen begannen zu surren, das Feuer tobte lodernd im Kamin. Sonnenlicht perlte durch den Baldachin des Weißdorns zum Fenster herein, und die Vögel flogen herbei und ließen sich darin nieder, spreizten ihr Gefieder und sprangen von Ast zu Ast.
In der Dämmerung breiteten sie die Flügel aus und flogen davon.
In diesem Jahr feiert die Künstlerkolonie Stiwdio Maelor im nordwalisischen Corris nahe Machynlleth, mitten im Snowdonia National Park, ihr zehnjähriges Bestehen. Ich selbst war dort etwa zwei Jahre nach ihrer Gründung zu einem Aufenthalt eingeladen, der zeitlich mit der Brexitabstimmung zusammenfiel.
Als wir „Ehemaligen“ nun dazu aufgerufen wurden, einen Text für die Jubiläumsanthologie zu liefern, dachte ich sofort an meine Geschichte „Nacht im Imperial“, die sowohl als die Geschichte einer enttäuschten Liebe, als auch als eine Allegorie auf den Brexit gelesen werden kann. Es freut mich deshalb besonders, dass der Text nun zuerst im Vereinigten Königreich erscheint.
Oscar leads the way through a swing door and up flights of stairs interspersed with landings, dim hallways and heavy fire doors; he talks you through the weaknesses of an insane floorplan, gestures towards the east wing, the former ballrooms and suites that have long since been carved up, patiently explains conversion and renovation projects, and draws your attention several times to the emergency exit signs as you follow him steeply upwards, then down again at an angle, this time descending a staircase of polished wood. You experience a brief, illogical epiphany when he reveals why the corridor with the lily wallpaper appears to make a dizzying U-turn, and why the servants’ spiral staircase winds upwards from that point –
Im Mai erschien die sehnlichst erwartete neue Ausgabe des „Dichtungsring“, nunmehr sage und schreibe das 65.Heft im 44.Jahr. Der Dichtungsring glänzt nicht nur mit guten Texten, sondern auch mit einer schönen Gestaltung. Ich freue mich sehr, in dieser Ausgabe zum Thema Meer wieder als Autorin dabeisein zu können.
Der Ansturm des Ozeans, die Strandhütten, die wie verwitterte Vogelkästen in den Fußhügeln der Klippen hängen, das Brausen des Windes und über uns der verschwenderische Himmel, in dem die Seevögel jauchzen. Weil er sich nicht entscheiden kann, setzt der Tag auf Spektakel, prahlt abwechselnd mit dunklem Wolkengestrudel und trunkener Helligkeit, der Großkotz, und die See schlägt sich auf die Schenkel und beschließt, den Wetteinsatz zu erhöhen, bringt die Klippen zum Wanken in sprühendem Licht, fährt mit schaumigem Maul und silbernen Tentakeln durch all die Murmeln in der Bucht, spielt das uralte Spiel: Grollendes Aufwärtsschieben, Aneinanderklackern, zischender Sog, und ihr rennt Hand in Hand mitten hinein, in die weit geöffneten Fangarme der tobsüchtigen Brandung. Mit dem Kind an der Hand beschwörst du die heranrollenden Brecher, tanzt mit ihm um die Schaumzungen, die an deinen abgelaufenen Schuhen lecken, fünf vor, sieben zurück, the best things in life are free, beim achten Schritt rückwärts ist er da, mein Stein, robbengrau und schädelgroß knirscht er sich unter deinem Gewicht noch ein wenig tiefer in den Kies, und da liegt er mit dunkelgläsernem Auge, aus dem das salzige Wasser rinnt, als wären es Tränen.“
Einige unerhörte und unerwartete Veröffentlichungen
Manche Jahre sind besonders. Voller spezieller Erfahrungen. Der ganz neuen – grauenhaften wie wundersamen Art. Der steilen Höhen und Tiefen. Ebenso grell wie finster, schwindelerregend, kräftezehrend. Raus aus der Komfortzone, hinein ins Unbekannte. Wir hatten nun alle ein paar solcher Jahre. Wie viele hatte ich gehofft, 2023 würde ein etwas gewöhnlicheres Jahr werden, etwas langweilig, dafür aber auch etwas entspannter. Pustekuchen.
Das Gute daran ist: Auch in Sachen Veröffentlichungen haben sich Überraschungen ergeben. Was Pataphysik ist, ja, auch darauf komme ich noch, versprochen.
Die Hoffnung auf die Veröffentlichung meiner beiden Short Stories im an der Pennsylvania State University herausgegebenen Trafika Europe Literaturmagazin hatte ich trotz unterschriebenem Vertrag beinahe schon aufgegeben. Meine Freundin und Literaturübersetzerin Ruth Martin hatte die Texte dort eingereicht, wohin ich mich nie vorgewagt hätte, denn nach eigenem Bekunden veröffentlicht das vierteljährlich erscheinende Onlinemagazin nur „die beste Literatur Europas“ in englischer Übersetzung. Meine Vorfreude auf das Erscheinen von „The Island“ (als Erstveröffentlichung) und „The silver moth“ war daher groß. Doch dann geschah lange nichts. Erst ein Jahr später, im August 2023, erfuhr die Öffentlichkeit den Grund für den Stillstand. Auf der Seite von Trafika Europe wurde der Tod Andrew Singers, des Gründers und der Seele des Projekts, nach schwerer Krankheit bekannt gegeben. Erst im Spätsommer erschien dann eine Doppelausgabe des Magazins, das HIER zu durchblättern und zu lesen ist (und die meine beiden Texte dann doch noch enthält.)
Perhaps that’s why you spot it: the island. This territory cut off from everything, hacked out of the scenery far below you, in the midst of the multi-laned ribbons, the sickle-shaped slip roads. It lies on the other side of a railway embankment, this side of a reservoir, to the south-east, tapered into a tongue that pokes itself under the bridge. An island, quite clearly: size, morphology, tree population, layers of time and earth, half-sunken fortress walls of major building sites, with smaller, later interventions, scarred over again, while the roads extend around it in new ridges and faults. But at the centre, the island survives, an isle of considerable proportions in a sea of man-made, barren wastes – shady, lonely, sumptuous. Wild.
Aus: The Island
Meine Story „Nicht-Sommer“, die ich zur Ausschreibung „Scooter“ des österreichischen Literaturmagazins DUM (Das ultimative Magazin) eingereicht hatte, hielt ich ebenfalls für vergessen, bis mir das Magazin vor ein paar Tagen ins Haus flatterte und ich sie darin abgedruckt fand.
Paul fährt nicht den direkten, er fährt den gewundenen Weg. Hinter ihm läuft Bodo. Keiner fragt Bodo, ob er an der Leine laufen will, schon gar nicht hinter dem Roller.
Bodo rennt und hechelt. Sein Schädel ist schwer, aber er ist ein Nicht-Kampfhund.
Keiner fragt, was Bodo am meisten vermisst.
Der Weg ist lang und mit weißem Schotter bestreut, der unter den Pfoten knirscht wie zermahlende Knochen.
Manchmal bremst Paul und steigt ab. Er steht und horcht mit schräg gelegtem Kopf
auf die Insektenchöre in den Wiesen. Er sieht zu, wie die Blütenstände sich im Wind bewegen. Schafgarbe. Kuckuckslichtnelke. Klappertopf.
Bis Bodo zu bellen beginnt.
Dann sitzt Paul wieder auf, und der Roller rollt weiter. Die Fahrgeräusche übertönen den Gesang der Insekten.“
Aus: Nicht-Sommer
(P.S. DUM enthält auch eine Porträtaufnahme von mir, die viel zu alt ist und ich daher viel zu jung aussehe, wenig überraschend. Ich hatte vergessen, dass DUM keine Zusagen verschickt und daher auch keine Updates in Sachen Autorenfotos und Kurzbiografien erhält.)
Und ja – was ist denn nun eigentlich ´Pataphysik? Vor 75 Jahren entstand mit dem Collège de ’Pataphysique in Paris ein Zuhause der Bewegung. Vielleicht sollte das Alfred Jarry, der Begründer der Pataphysik, das Ganze erklären: „La ´Pataphysique est la science des solutions imaginaires qui accorde symboliquement aux linéaments les propiétés des objets décrits par leur virtualité.“ („Die ´Pataphysik ist die Wissenschaft der imaginären Lösungen, welche die Denkskizzen symbolisch mit den Eigenheiten von Objekten, beschrieben durch ihre Möglichkeit, in Zusammenklang bringt.“)
Ist Ihnen jetzt alles klar? Nein? Ehrlich gesagt, mir auch nicht. Alles, was ich von ´Pataphysik weiß, ist eher eine Ahnung. Kein Wunder.
Véritable portrait de Monsieur Ubu nach einer Zeichnung von Alfred Jarry (1873-1907)
Irritation und Wunder sind hier sozusagen Programm. Dabei ist ´Pataphysik durchaus eine Wissenschaft – und das genaue Gegenteil davon. Es ist die absolute Herrschaft und Anarchie – der Fantasie nämlich. ´Pataphysik ist todernst und zum Totlachen. ´Pataphysik ist reine Absurdität. ´Pataphysik ist älter als Dada und Surrealismus und doch wäre beides nicht ohne Jarry und seinen König Ubu denkbar – Das 1896 uraufgeführte Drama wurde vom Surrealismus und Dadaismus gefeiert. Jarry, der sich im späteren Leben immer mehr mit seiner Figur identifizierte, signierte am Ende sogar mit Ubu.
Als ich meinen Texte „Notate zur versuchten Ausrottung der Sommersprossen“ bei der diesjährigen Ausschreibung der Zeitschrift der Wiener Schule für Dichtung einreichte, war ich nicht sicher, ob das, was ich da getan hatte, denn wirklich als ´Pataphysik zu bezeichnen ist. Doch ich hatte im Verlauf dieses speziellen Jahres in nicht ganz wissenschaftlich haltbaren Selbstversuchen erfahren, dass Surreales, Dadaistisches und nun auch ´Pataphysikalisches allen Nahrungsergänzungsmitteln und jeder Ratgeberliteratur überlegen sind. Und überhaupt, wie heißt es so treffend im Vorwort von Fritz Ostermayer?
„…und per definitionem seien zudem diejenigen die wahren pataphysiker:innen, die sich ihrer pataphysischen natur gar nicht bewusst wären.“
Na also.
Verschiedene Sprossenarten legen ein untereinander vollkommen abweichendes Verhalten an den Tag. Manche kehren beispielsweise mit dem Einsetzen der Dunkelheit immer wieder in dieselben sicheren Verstecke zurück. Bevorzugt werden die Ohrmuscheln, Schlüsselbeinmulden und das Gestrüpp der Schamhaare. Unterschiedlich ist auch ihr Verhalten im Winter. Manche Sprossen bleiben ihrem Wirtsorganismus treu, ihre Farbe verlöscht jedoch zu einer gespenstischen, fahlen Präsenz. Andere Sommersprossenarten verbringen den Winter im Keller.
Die gemeine Keller-Sprosse gilt als ausgestorben, weil es weltweit nur noch wenige ausreichend kühle und feuchte Keller gibt. Sie schwärmte einst in milden Winternächten aus den Lichtschächten und ernährte sich auf regennassen Straßen von zertretenen Regenwürmen und Hundekot. Dieses Verhalten hat ihren Verfolgern bekanntlich als Argument bei zahlreichen Vernichtungsfeldzügen gedient.
Viele Lebewesen, welche die Menschheit nach und nach nahezu vollständig ausgelöscht hat, führten einst ein geheimnisvolles und faszinierendes Leben, so auch die Sprossen.
Das Echo ihrer verklungenen Stimmen entsteigt der geplünderten Leere unseres Planeten.
Aus: Notate zur versuchten Ausrottung der Sommersprossen
Der Prosatext „Das gefiederte Jahr“ hat seit seiner Entstehung 2019 viele Überarbeitungen erfahren – lange war ich mit keiner Version zufrieden. Zu Beginn des neuen Jahres ist der Text nun zweifach erschienen.
Zum einen in der Literaturzeitschrift Haller, deren 19. Ausgabe unter dem Titel „Up, up and away: Ich will fliegen!“ stand.
Und, so gut wie zeitgleich, in der 40. Ausgabe der Literaturzeitschrift Konzepte, die den Titel „Der Mensch, das Tier“ trägt.
Der Text beschreibt die qualvolle Verwandlung einer Frau in ein Vogelwesen, der sie sich zunächst mit allen Mitteln zu verweigern versucht.
„Längs der Arme, elf Tage später, begann das Frösteln sich in Stiften zu manifestieren. Follikel durchdrangen die oberste Schicht, stießen durch Sommersprossen und Hautfalten. In der dritten Woche schoben sich wachsende Schäfte aus den Blutkielen, brachen auf und entfalteten beiderseitige Fahnen, Äste, schimmernde Bogen- und Hakenstrahlen.
Nachts pflückte ich sie mir von der Haut, die neue Existenz, spürte das Ungeduldjucken, ganz so wie zur Kinderzeit im Blutgrund der Milchzähne, auch da half nur störrisches Lockern und Fingerzupfen und ein letzter Ruck. Sah zu, wie roter Saft aus den Wurzellöchern perlte. Flötete mir selbst und dem Mond ein Einschlaflied. Der Boden war mit traurigen Federn bedeckt, weiß und grau und rot wie Blut.“
Doch zu süß war der Lockruf, die Worte wie Körner in einer offenen Hand. Den Kropf mit seinem Gold zu füllen wurde alsbald mein einziger Hunger. Der König verstreute die Saat, Zeile für Zeile, von Tag zu Tag, von Mond zu Mond.
So dass es zu Kräften kam, das gefiederte Ich, Schwungfeder um Schwungfeder durch den gewetzten Schnabel zog, die Flügel ausbreitete, sie spreizte über dem Horizont. In seinem Blick spiegelten sich Wolken und Dächer, Antennen und Türme.
Bis es hinausstieß, wohin es gehörte. Als das Licht in seinen Schwingen sang, als es sich in Häuserschluchten stürzte, wie es schließlich am Klippenrand emporschoss und sich über dem Moor fallen ließ, da endlich wurde es fortgetragen von Rauch und Sturm, wohin es wollte.“
Bis Ende Juli 2022 suchte die Redaktion von neolith, der ich seit der Entstehung des letzten Hefts zum Thema „Zuflucht“ angehöre, nach literarischen und künstlerischen Beiträgen zum Thema „gernweh“. neolith, das Magazin für neue Literatur an der Bergischen Universität Wuppertal, erscheint nun nach Monaten harter Arbeit. Ich selbst durfte darüber hinaus das Coverbild beitragen.
Am 15.Februar werden wir als Redaktion gemeinsam mit Autoren des letzten und des aktuellen Hefts und dem interessierten Publikum das Release von neolith#7 feiern. Das Erscheinungsfest findet ab 19:00 Uhr in den Quartierräumen des Wuppertaler Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums statt.
Der Verlag Juno Editions hat in diesem Jahr eine Anthologie in englischer und deutscher Sprache herausgegeben, in der sich literarische Stimmen aus ganz Europa vereinen. „Connected Europe“ ist der Titel der Short Story Collection, in der mein Text „Emma und Eve“ nun zum zweiten Mal erscheint, der 2021 eine Auszeichnung der Akademie für das gesprochene Wort und des deutschen PEN-Zentrums erhalten hatte. In „Emma und Eve“ geht es um die Begegnung zwischen einer jungen und einer sehr viel älteren Frau, die sich während eines Lockdowns über zwei benachbarte Balkone hinweg anfreunden. Es geht um innere und äußere Grenzen, um Sehnsucht in Zeiten der Pandemie, um Vorurteile, um Liebe, um Erinnerungen, um Verluste und um neuen Mut.
Am Morgen fällt mein Blick als Erstes auf den sonnenbeschienenen Fleck neben dem Bett, wo das gebrauchte Kondom liegt, zusammengerollt wie ein zertretenes Weichtier.
Ich stehe auf, schlüpfe in den alten Bademantel und zurre den Gürtel fest, nehme das Ding mit spitzen Fingern hoch und trage es hinaus auf den Balkon, wo ich es in die Restmülltonne fallen lasse.
Sie sollten vorsichtig sein, sagt eine Stimme ganz in der Nähe.
Ich schnappe nach Luft. Es ist meine Nachbarin. Der Kater sitzt diesmal zu ihren Füßen und schickt mir einen abschätzigen Blick.
Ich kann schon auf mich aufpassen. Aber danke, sage ich.
Meine mit dem Godesberger Literaturpreis ausgezeichnete Short Story „Klauber und die Füchsin“ wurde zuerst 2020 in der britischen Literaturzeitschrift Tigershark veröffentlicht – und seither mehrere Male. Die Erzählung über einen verschrobenen alten Mann, der einer jungen Frau Unterschlupf gewährt, die sich auf der Flucht vor den Schergen eines autoritären Regimes befindet, scheint derzeit verständlicherweise einen Nerv zu treffen. Im vergangenen Monat erschien die Story noch einmal in der Anthologie „Drahtseilakt“ sowie im Almanach „hier war ich, dort bin ich“ in der Reihe „Literaturblätter der Deutschen aus Russland“.
„Sie wurden beobachtet. Sie haben ihr aufgelauert und sie ins Haus gelockt“, sagt der Ältere.
„Ich habe sie hereingebeten.“
„Warum?“
„Warum? Sie brauchte eine Freistatt. Ganz offensichtlich.“
„Was?“
„Einen Unterschlupf“, sage ich.
„Warum sagen Sie das dann nicht?“
„Freistatt ist das treffendere Wort“, sage ich und fasse ihn fest ins Auge.
Mit Worten machen es die Leute heutzutage wie mit Wölfen. Taucht eines auf, das sie nicht mögen, wird nach ihm geschossen.
Literaturzeitschriften sind Kaleidoskope unserer Zeit. Von den Redaktionen sorgsam kuratiert, bieten sie Lesevergnügen und -überraschungen: Eine anregende Gesellschaft von Texten und Autor:innen. Sie kombinieren und komponieren Einzelteile – neue literarische Texte – zu einem größeren Bild, sind ein Spiegel unserer Debatten und Perspektiven, der klarer sehen oder auch Unklarheiten urplötzlich entdecken lässt.
Diese Beschreibung trifft – dem Anspruch nach – alle Literaturzeitschriften, die alten mit großer, langer Tradition und die jungen, neu gegründeten.
Drei aktuelle Literaturzeitschriften präsentieren sich am Samstag, dem 07.05.2022 in einer Veranstaltung des Literaturhauses Wuppertal. Neben Redaktionsmitgliedern sind auch Autor:innen der jeweils neuesten Ausgabe dabei.
neolith – das Magazin für neue Literatur an der Bergischen Universität Wuppertal mit seiner inzwischen sechsten Ausgabe zum – drängend aktuellen – Thema „Zuflucht“,
KARUSSELL, die Bergische Zeitschrift für Literatur , mit ihrem dreizehnten Heft zum Thema „Unsere Kriege im Frieden“ sowie
die KLiteraturaus Köln, deren siebente Nummer in Kürze unter dem Motto „Fehler“ erscheint.
Als Autor:innen dabei sind Anke Laufer aus Wannweil bei Tübingen für neolith, Dorothea Renckhoff aus Köln für Karussell und Samy Challah ebenfalls aus Köln für die Kliteratur.
Tickets gibt es an der Tageskasse sowie zuzüglich einer Vorverkaufsgebühr von 0,90 € auf Wuppertal-Live.
Ort:
codeks City Hub (Friedrich-Ebert-Straße 15, Laurentiusplatz)
Bereits seit den ersten Tagen des russischen Krieges gegen die Ukraine sammelt der junge Berliner Trabantenverlag auf seinem Instagramkanal @antikriegslyrik Gedichte gegen den Krieg. Ich selbst bin dem Verlag als Autorin bereits über den Erzählungsband „Ich verspreche dir einen schönen Sommer“ verbunden, in dem 2021 meine Erzählung „Die Geister von Margate“ erschien.
Der Trabantenverlag, der für sein gesellschaftliches und politisches Engagement ebenso schnell bekannt wurde wie für sein exzellentes literarisches Programm, hat die Sache auch in diesem Fall nicht auf dem bloßen Sammeln von Antikriegsgedichten beruhen lassen. In diesen Tagen geht ein Lyrikband in Druck, welcher Anfang Mai erscheinen wird und eine Auswahl der eingesandten Gedichte enthält, unter anderem auch mein Gedicht „Das Paket“. Das Buch ist bereits HIER vorbestellbar.
Bundesweit dezentral stattfindende Lesungen aus #Antikriegslyrik sollen sich bald zu einem besonderen Antikriegsprojekt ausweiten. Dafür suchen wir, mehrere beteiligte Autor*innen aus Baden-Württemberg, Lesungsorte in Tübingen, Freiburg und weiteren Städten im Ländle. Wir wollen dabei nicht nur unsere Gedichte und die unserer Kolleg*innen zu Gehör bringen, sondern auch möglichst viele Spenden zur Unterstützung der Ukraine sammeln. Wenn Sie sich vorstellen können, in ihrer Buchhandlung/Bibliothek/Café etc. eine solche Lesung zu veranstalten und damit das Projekt zu unterstützen, dann melden Sie sich bitte möglichst schnell bei mir!
Die Redaktion des „Dichtungsring e.V.“ lobte dieses Jahr wieder den „Bonner Literaturpreis“ aus, der mit 1000€ für den ersten Platz dotiert ist. Zudem feiern die Redaktion und die Zeitschrift ihr 40jähriges Jubiläum. Die Einsendungen wurden von den Herausgebern Sigune Schnabel, Werner Pelzer und Susanne Schmincke gesichtet. Die besten Einreichungen davon wertete eine externe Jury anonymisiert aus, um die Preisträger*innen zu finden.
Der erste Preis geht an Monika Littau, ich selbst darf mich, neben Daniel Mylow, über einen zweiten Preis freuen.
Bei der öffentlichen Veranstaltung am Sonntagmorgen, dem 7.11.2021 im Kurfürstlichen Gartenhaus gelten die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz vor COVID-19.