Schreiben macht reich!

Ja, das hätten Sie nicht erwartet, oder? Dennoch: Jeder, der selbst schreibt, wird diese Aussage unterschreiben.

Schreiben macht glücklich.

Schreiben macht reich.

Sorry, ich rede nicht von Geld. Es kommt schon auch auf die eigene Weltsicht an.

Ok, ich weiß, jetzt sind Sie enttäuscht.

Aber bevor Sie sich jetzt wegklicken:

Schreiben ist reichhaltige Lebenszeit, glauben Sie mir. Als Schriftstellerin mäste ich mich schamlos an den Erfahrungen meiner Figuren, an der Atmosphäre der von mir erschaffenen Orte, an der Entfesselung von Fantasie und verrückten Einfällen. Blicke ich zurück, sehe ich bereichernde Erfahrungen: Meisterkurse mit Ilija Trojanow und Burkhard Spinnen, ein Drehbuchcamp mit den Hollywood-Drehbuchdoktoren Keith Cunningham und Tom Schlesinger und natürlich die Stipendien für Schreibaufenthalte in Bogotá, Kolumbien und auf Hawthornden Castle in Schottland. Ganz zu schweigen von den vielen menschlichen Begegnungen auf diesem Weg.

Ja. Schreiben macht das eigene Leben vielschichtig und bunt, süß und sättigend.

Ich selbst habe kommerziell gesehen eher die magere Kost gewählt: Kurzgeschichten und Erzählungen. Nein, ich werde es wohl nie dazu bringen, mit schöner Regelmäßigkeit backsteindicke Manuskripte abzuliefern. Und bevor Sie fragen: Ich hadere nicht mehr damit.

Zugegeben: Früher schon ein wenig. Ich habe sehr lange gebraucht um herauszufinden, dass es genau das ist, was ich schreiben will. In den Erzählsträngen von Romanmanuskripten verheddere ich mich. Romane recken ihre Krakenarme in alle Winkel des Lebens, sind launisch und unbeherrschbar. Romane enthalten Figuren, mit denen ich keine Langzeitbeziehung wünsche.K1024_P1100383 (2)

Erzählungen und Short Stories sind wie Fenster, die man weit aufstößt und hinter denen ein fest umrissener Ausschnitt einer ganz eigenen Welt liegt. Schreibe ich an einer Geschichte bilde ich genau diesen Ausblick ab, arrangiere Figuren und Schauplätze, Atmosphäre und Spannung an meinem Schreibtisch mit Blick aus diesem fiktionalen Fenster. Dann, wenige Seiten später, räume ich den Tisch ab und decke ihn neu, stoße ein neues Fenster auf und experimentiere mit neuen Werkzeugen: einer anderen Sprachebene, neuen Perspektiven und Stilmitteln. Kurze Texte verzeihen keine falsch gesetzten Wörter und Sätze. Deshalb investiert man in sie – so mag es scheinen – unverhältnismäßig viel Zeit und Sorgfalt. In vieler Hinsicht fühle ich mich in meiner Wortklaubberei und pingeligen Langsamkeit den Lyrikern sehr viel näher als den Romanschreibern.

Nein, ich werde nie backsteindicke Manuskripte abliefern.

Zudem treibe ich mich seit jeher auf anderen, heiß geliebten Arbeitsfeldern herum.

Die Wissenschaft brachte mir bei, methodisch vorzugehen und genau hinzusehen – sie bewahrt mich noch heute vor vorschnellen Schlüssen.

Ausflüge in Redaktion und Journalismus sind das zweifache Heilmittel gegen Neugier und Schüchternheit: Ich kann spannenden Stories nachgehen und habe einen Vorwand, um jedem auf die Nerven zu gehen, der mich interessiert – ist das nicht fantastisch?

Als Ghostwriter und Bewerbungsberaterin schlüpfe ich in die Haut meiner Kund*Innen (wie ich das sonst mit meinen Figuren zu tun pflege) und stelle mich in den Dienst ihrer Bedürfnisse, Hoffnungen und Pläne.

Als Dozentin für kreatives und berufliches Schreiben helfe ich meinen Teilnehmer*innen dabei, das Abenteuer Schreiben ganz neu zu entdecken und im Vorstudium der DEKART unterstütze ich angehende Kunst- und Designstudent*innen dabei, ihrer ureigenen Vision und künstlerischen Stimme auf die Spur zu kommen. Und mal ganz ehrlich: was macht reicher und glücklicher als Reichtum und Glück weiterzugeben?

 

 

Die LiteRatten auf den Kulturseiten

Eine echte Premiere: Zum Jahresanfang erschien ein Artikel über die LiteRatten im Reutlinger Generalanzeiger.  Die LiteRatten sind eine Autorengruppe mit derzeit neun aktiven Mitgliedern, die rund um Tübingen und Reutlingen wohnen. Der Gruppe gehöre ich seit ihrer Gründung 2006 an. Seither ist viel passiert und ich könnte viel darüber erzählen, was ich in diesen Jahren nicht nur über das Schreiben, sondern auch über die Bedeutung von Freundschaft und ehrlicher Kritik gelernt habe. Stattdessen lasse ich lieber den GEA und Raphaela Weber zu Wort kommen, die das alles folgendermaßen auf den Punkt bringt:

„Gegenseitige harte und schonungslose Textkritik bei regelmäßigen Treffen und Textaustausch per E-Mail, dabei immer ehrlich und konstruktiv und mit wechselseitigem Vertrauen: Dieser selbst auferlegte Verzicht auf Streicheleinheiten im Namen der Freundschaft wirkt sich positiv aus, wie einer der jüngsten Erfolge der LiteRatten zeigt“, schreibt Raphaela Weber in ihrem Artikel. Welchen Erfolg sie damit meint und wie sich die „Ratten“ selbst sehen, lässt sich in ihrem Artikel nachlesen: http://www.gea.de/nachrichten/kultur/gestatten+die+literatten.2962374.htm

a.l., 2012
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a.l., 2012
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