Reisetagebücher aus Inzigkofen

Das Reisetagebuch – Erinnerungen kreativ bewahren
ein Kurs zwischen Schreiben und Gestalten fand in diesem Jahr zum ersten Mal im VHS Heim Inzigkofen statt. Auf vielfachen Wunsch wird es den Kurs im nächsten Jahr noch einmal geben, und zwar zwischen dem 22. und dem 27. Juni 2015.

Ein Kurs zwischen Schreiben und Gestalten – für meine Kollegin Livia Scholz-Breznay und mich immer wieder eine Expedition ins Unbekannte. Die Besatzung heuert an, ohne dass wir sie kennen, nicht ihre Erfahrungen beim Reisen, Schreiben und Zeichnen, nicht ihre Vorlieben für das eine oder andere. Natürlich mussten wir im Kloster Inzigkofen, wo unser Seminar stattfand, ganz und gar nicht von schimmeligem Schiffszwieback leben und auch nicht von der Fastensuppe der einstigen Chorfrauen, allerdings galt es dennoch manches Abenteuer zu bestehen: Schreibblockaden und gestalterische Hemmungen (wie schreib ich das bloß auf? was ist, wenn ich die erste Seite von dem schönen Buch total versaue?)

Was beim Schreiben erst zögerlich und mit kleinen Fingerübungen, Wortspielen und Notaten begann, entwickelte sich über farbige und detailreiche Beschreibungen (Spaziergänge, kulinarische Genüsse  – das legendäre Inzigkofener Buffet!) zunächst hin zu Reisebriefen und Ansichtskarten an tatsächliche oder erfundene Freunde. Hier die „ganz eigene“ Ansichtskarte von Andreas Vogel: eine Fotografie von einem unserer Spaziergänge, handkoloriert.

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Eine Teilnehmerin schrieb eine beißende Satire zum Kursalltag – und schließlich durchbrach man, von allen Fesseln befreit, alle Genregrenzen. Die Teilnehmer schrieben vom Reiseort Inzigkofen inspiriert auch fiktionale Texte und illustrierten sie in vielfältigen Techniken: so zum Beispiel unheimliche Geschichten aus den Klostermauern,

 

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historische Einblicke ins Leben der Ordensfrauen, Weiterlesen „Reisetagebücher aus Inzigkofen“

Vom Blättern in den Nachtseiten der Welt

Mein in Arbeit befindlicher Erzählungsband „Nachtseiten“ erhält das erste Arbeitsstipendium der „Mörderischen Schwestern“

“Where there is no imagination there is no horror.”  (wo es keine Vorstellungskraft gibt, gibt es keinen Horror) sagte einst Arthur Conan Doyle. Erzählungen und Short Stories leben nicht nur vom Erzählten, sondern besonders von dem, was im Dunkeln und Ungewissen bleibt: Durch vom Autor bewusst gesetzte Andeutungen und Auslassungen, die der Leser mit ganz eigenen Bildern und zuweilen seinen schlimmsten Ängsten füllt.

Dass die „Mörderischen Schwestern“ den besonderen Wert der kurzen Form für ihr Genre honorieren zeigt, dass nicht nur ich so denke – und natürlich macht es mich besonders stolz und glücklich, dass mein in Arbeit befindlicher Erzählungsband „Nachtseiten“ die besondere Anerkennung des alle deutschsprachigen Länder umfassenden Netzwerks aus Krimiautorinnen, Bücherfrauen und Leserinnen in Form des erstmalig vergebenen Arbeitsstipendiums der „Mörderischen Schwestern“(*) erhält.

Ich bedanke mich bei der Jury, deren Begründung ich hier zitieren möchte und die ich wohl immer wieder lesen werde, wenn ich einmal mehr in einem Text feststecke und eine kräftige Aufmunterung brauche:

„Das Projekt Nachtseiten vereinigt in einem Band zwölf Kriminalerzählungen, die sich um unheimliche Todesfälle und in vielerlei Hinsicht dunkle Schauplätze drehen. Schlaglichtartig eröffnen sich dem Leser Einblicke in die Nachtseiten unserer Welt. Das klare Konzept des Exposés wird durch die Erzählungen eingelöst. Jede von ihnen ist einem gewichtigen Thema gewidmet und in einem überzeugenden und stimmigen Plot umgesetzt. Die Autorin schildert die Verbrechen eher beiläufig, doch gerade die unaufgeregte Erzählweise erzeugt ihre ganz eigene Spannung und Unheimlichkeit. Jede Story endet in einer Andeutung oder Enthüllung, die die Lesenden die Luft anhalten lässt.

Die ausgereifte Sprache und Symbolik der Texte orientiert sich an Edgar Allan Poe und Oscar Wilde und baut eine ähnlich dunkle Romantik der Atmosphäre auf. Kein Wort ist zu viel, und die sprachliche Leichtigkeit bildet einen Gegensatz zum Inhalt, der die Schwere der erzählten Verbrechen verstärkt. Mit jedem Satz lustwandelt der Text näher an die Extreme menschlicher Existenz heran, bis der letzte Absatz oder Satz schlagartig Gänsehaut hervorruft.

Auch die Figurenpsychologie orientiert sich an der klassischen Schauerromantik, doch gleichzeitig bleibt das Weibliche im Erzählen spürbar.

Auf das Erzähltempo muss man sich einlassen, genau und genüsslich lesen. Die eingereichte Leseprobe ist eine Vorschau des Vergnügens, alle von der Autorin im Exposé skizzierten Geschichten entdecken zu können.

Deshalb erachtet die Jury „Nachtseiten“ als unbedingt förderungswürdig.“

P1040313c(*) Die Vereinigungt entstand als deutscher Zweig des in den USA gegründeten Verbands Sisters in Crime 1996. Der internationale Verband wurde 1986 von Sara Paretsky, Charlotte MacLeod und anderen Autorinnen gegründet, um der Diskriminierung von Frauen im Krimigenre entgegenzuwirken und Verlage und Öffentlichkeit auf den Beitrag von Frauen aufmerksam zu machen. Seit Anfang 2007 ist die formale Trennung vom Verband Sisters in Crime, Inc., vollzogen. Die Mörderischen Schwestern konzentrieren sich inzwischen auf die Vernetzung in den deutschsprachigen Ländern und in einem vielfältigen und vielsprachigen Europa. Zur Seite der Mörderischen Schwestern geht es HIER.

Zur Pressemitteilung geht es HIER

Die Zähmung der Null – ein Rückblick

Es war die Präsentation der neuen Anthologie des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden Württemberg und gleichzeitig die eines außergewöhnlichen Kunstprojekts der Geschwister-Scholl-Schule Tübingen, die in der Gestaltung des Buchcovers mündete. Ein wunderbarer Abend mit Kollegen, die man zu selten sieht (danke, Christa Degen!), einem lebhaften und interessierten Publikum, Marmorkuchen, Schaumwein und Würstchen im Schlafrock.

Der eigentliche Star des Abends jedoch war dieser Ort, dem man sich nicht entziehen konnte.

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